Geschlechtsidentitäten

Cisgender: Bedeutung, Ursprung und Anwendung des Begriffs

Simone Madre
Simone Madre

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24.6.2022, 08:03 Uhr
In diesem Beitrag erfahren Sie was ein Cis-Mann ist und woher der Begriff Cis stammt. (Symbolbild)

© Peggy_Marco, Pixabay, LizenzCC In diesem Beitrag erfahren Sie was ein Cis-Mann ist und woher der Begriff Cis stammt. (Symbolbild)

Im heutigen Zeitalter wird man mit vielen neuen Begriffen konfrontiert: Cis-Mann, Cis-Frau, Transgender, transident, Trans, nicht-binär und viele mehr. Bei den ganzen Geschlechteridentitäten kann man ganz schön durcheinanderkommen. Was bedeutet Cisgender genau und wann könnte man die Begriffe Cis-Mann oder Cis-Frau benutzen?

Cisgender: Definition

Mit dem Begriff "Cisgender" werden Menschen bezeichnet, die sich mit dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht identifizieren. Die Geschlechtsidentität wird bei allen Menschen bereits im Geburtenregister eingetragen, die Beurteilung erfolgt anhand der körperlichen, biologisch eindeutigen Geschlechtsmerkmale.

Bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen stimmen Geschlechtsidentität und das biologische Geschlecht überein. Wichtig: Dass das eigene Geschlecht und die eigene Identität übereinstimmen, bezieht sich ausdrücklich nicht auf die sexuelle Identität oder Orientierung. Cis-Menschen können eine heterosexuelle, homosexuelle, bisexuelle, oder asexuelle Orientierung haben.

Cis-Mann: Bedeutung

Ein Cis-Mann ist dementsprechend ein Mann, der im Körper eines Mannes geboren, im Geburtenregister als männlich eingetragen ist und sich selbst auch damit identifizieren kann.

Ein Hetero-Cis-Mann stimmt beispielsweise mit seiner zugeschriebenen Geschlechterrolle überein und hat zusätzlich die sexuelle Orientierung Heterosexualität. Dabei werden eine sexuelle Anziehungskraft und Romantik für Personen des anderen Geschlechts (in diesem Fall für weibliche Personen) empfunden.

Cis-Frau: Bedeutung

Eine Cis-Frau ist eine Frau, die bei der Geburt als weiblich im Geburtenregister eingetragen wurde und sich auch als Frau fühlt. Wer weibliche Geschlechtsmerkmale hat und von sich sagt "Ich bin eine Frau" oder "Ich bin weiblich", wird infolgedessen als Cis-Frau bezeichnet.

Cissexismus

Wenn Cis-Frauen und -Männer Menschen ausgrenzen oder diskriminieren, die nicht "cis" sind, wird das als Cissexismus bezeichnet. Diese Form von Abwertung und Diskriminierung kann nicht nur Transgender treffen, sondern auch anderen Menschen, die in irgendeiner Form nicht der gesellschaftlichen Norm von Mann und Frau entsprechen. Dies gilt für Frauen, die sich eher maskulin kleiden oder verhalten genauso wie für Männer, die eher feminin auftreten.

Cisgender: Ursprung

Der Begriff "cis" stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt diesseitig. Demgegenüber bedeutet "trans" jenseits, hindurch oder hinüber. Cisgender ist somit der wertungsfreie Gegenbegriff zu Transgender. Der Begriff "Cissexuell" wurde im Jahr 1991 vom Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch verwendet und der Öffentlichkeit bekannt. Damit wollte er ausdrücken, dass es auch cissexuelle Menschen geben muss, wenn es transsexuelle Menschen gibt.

Die meisten Menschen würden sich der Definition nach als "cis" bezeichnen, dennoch gab es lange Zeit keinen Begriff und auch heute verwendet nur eine Minderheit die Begriffe Cis-Frau und Cis-Mann. Befürworter der neuen Begriffe verweisen darauf, dass sich ein "Normalzustand" diskriminierend auf alle abweichenden Geschlechteridentitäten auswirken würde. Mit dem Begriff Cisgender soll also vermieden werden, dass es Transmenschen auf der einen und "die Normalen" auf der anderen Seite gibt. Daher soll mit der Einführung des Begriffs die Gefahr einer Stigmatisierung und Ablehnung anderer Geschlechtsidentitäten verringert werden.

2007 wurde der Begriff Cisgender vor allem durch das Buch "Whipping Girl" von Julia Serano populär. Der Begriff Cisgender hat sich immer noch nicht überall etabliert und findet nur in bestimmten Kreisen Verwendung. Im Oxford English Dictionary und auch im deutschen Duden findet man mittlerweile eine Begriffsbestimmung.

Nichtbinäre Geschlechtsidentität

Entweder Mann oder Frau: Für viele Menschen gibt es nur diese beiden Geschlechter. Dabei wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Identitäten entwickelt. Eine nichtbinäre Geschlechtsidentität wird im Sprachgebrauch häufig abgekürzt und entweder "nichtbinär" oder "non-binär" genannt. Weitere Bezeichnungen sind "genderqueer" oder "non-binary" verwendet. Der Begriff bezeichnet alle Geschlechtsidentitäten, die sich weder mit dem weiblichen noch mit dem männlichen Geschlecht identifizieren können.

Die Geschlechtsidentität kann weibliche oder männliche Anteile haben, außerhalb dieser Kategorie oder irgendwo dazwischen liegen.
Mit den Geschlechtsmerkmalen und dem biologischen Geschlecht hat die Einordnung nichts zu tun. Zugleich ist die sexuelle Orientierung von der Geschlechtsidentität abzugrenzen.

Geschlechtsidentitäten im Wandel der Zeit

Definitionen und Begriffe gehen auch immer mit einer Art Abgrenzung einher. Eine Abgrenzung ist häufig schwierig, da die Grenzen häufig fließend sind. Zum Beispiel gibt es Cis-Männer, die sich nicht genderkonform kleiden, deshalb sind sie lange noch nicht Trans*. Ihr Auftreten stimmt nur nicht mit allen gesellschaftlichen Erwartungen an Männer überein.