Psychologie

Was ist Empathie und wie kann man diese erlernen?

Elias Thiel

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13.12.2023, 18:07 Uhr
Empathie kann man einüben.

© IMAGO/Zoonar.com/Yuri Arcurs peopleimages.com Empathie kann man einüben.

In diesem Artikel:

Das Thema "Empathie" wirft zahlreiche spannende Fragen auf. Wie kann man Empathie zeigen? Was ist das Gegenteil von Empathie? Kann man Empathie auch erlernen? Hier finden Sie alle Antworten.

Das Wort "Empathie" leitet sich vom griechischen Wort "empatheia" ab, was so viel wie "leidenschaftliche Teilnahme" bedeutet. Empathie beschreibt die Fähigkeit und Bereitschaft einer Person, die Gefühle, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale des Gegenübers zu erkennen, zu verstehen und auch selbst nachzuempfinden.

Demnach werden Menschen als "empathisch" bezeichnet, die angemessene Reaktionen auf die Gefühle von anderen Menschen zeigen. Empathie basiert auf einer gut funktionierenden Selbstwahrnehmung. Wer selbst mit eigenen Emotionen offen umgeht, kann in der Regel auch die Gefühle anderer Menschen besser deuten.

Empathie wird in vielen Berufen gezielt angewendet, beispielsweise in der Psychologie und Psychotherapie, der Pädagogik, der Medizin, der Pflegewissenschaft, dem Marketing und dem Management. Menschen, deren Empathiefähigkeit merklich größer ist als der Durchschnitt, werden auch Empathen genannt.

Die Begriffe werden oft als Synonyme benutzt. Neurowissenschaftler und Psychologen sehen aber einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden Begriffen. Bei der Empathie geht es demnach um das Einfühlen in andere Menschen - also so zu fühlen, wie sie fühlen. Trifft ein empathischer Mensch auf tiefes Leid, kann ihn auch überwältigen und erschöpfen, er wird gegebenenfalls entmutigt und kraftlos.

Beim Mitgefühl nimmt man Anteil an den negativen Gefühlen anderer, ist aber auch fürsorglich und will helfen. Das ändert den Blick auf die Situation. Neben dem Leid fühlt man auch die Liebe zum anderen Menschen und kann Kraft daraus ziehen, den anderen zu unterstützen.

Bei der Empathie wird zwischen zwei verschiedenen Arten unterschieden: die kognitive und die emotionale Empathie.

Kognitive Empathie

Die kognitive Empathie bezieht sich auf die Fähigkeit, die Gedanken und Perspektiven anderer Menschen zu verstehen, ohne notwendigerweise ihre Emotionen zu teilen. Vielmehr geht es darum, sich in die Denkweise einer Person hineinversetzen zu können.

Emotionale Empathie

Im Gegensatz dazu beschreibt die emotionale oder affektive Empathie die Fähigkeit, Emotionen anderer Menschen zu fühlen und sich in diese hineinzuversetzen.

Somit umfasst der kognitive Aspekt der Empathie das gedankliche Verstehen und Nachvollziehen, während sich der emotionale Aspekt darauf bezieht, selbst gleiche oder ähnliche Emotionen wie der Gesprächspartner zu erleben.

Empathische Menschen hören aktiv zu und beobachten (bewusst oder unterbewusst) Mimik und Körpersprache. Sie versuchen, die Perspektive ihres Gesprächspartners zu verstehen. Außerdem sind sie sehr einfühlsam und berücksichtigen die Bedürfnisse und Gefühle von anderen Menschen. Beispielsweise könnten sie fragen, was die andere Person gerade braucht (zum Beispiel Essen, Trinken, Wärme, jemanden zum Reden, Ruhe und so weiter).

Menschen mit viel Empathie nehmen Konflikte intensiv wahr und versuchen, sie durch Kommunikation rasch zu lösen. Zudem sind sie bereit, selbst viel Zeit und Energie in zwischenmenschliche Beziehungen zu investieren. Oft sind sie gute Geschichtenerzähler, da sie die Reaktionen der Zuhörer gut wahrnehmen und entsprechend reagieren. Typisch sind auch ein großes soziales Umfeld mit vielen langlebigen Beziehungen

Besonders empathische Menschen sind durch große Menschenmengen, beispielsweise in der U-Bahn oder der Innenstadt, gegebenenfalls nach kurzer Zeit überfordert. Sie strengt es an, so viele Emotionen wahrzunehmen und mitzufühlen. Ähnliches gilt auch, wenn es in ihrem Umfeld einen Konflikt gibt oder es einer Person sehr schlecht geht. Sie nehmen das deutlich stärker wahr als andere Menschen und fühlen sich womöglich ausgelaugt und überfordert.

Obgleich Empathie als durchweg positive Eigenschaft beschrieben wird, gibt es auch einige Nachteile von Empathie. Insbesondere Menschen, die sehr empathisch sind, spüren auch negative Effekte.

  • emotionale Erschöpfung oder Überforderung
  • Empathie raubt Kraft
  • eigene Interessen werden nach hinten gestellt
  • man lässt sich leicht ausnutzen
  • man tut sich schwer, sich (im Beruf) durchzusetzen

Zudem kann auch die Unterscheidung zwischen den eigenen Emotionen und den Emotionen anderer schwerfallen, wenn man sehr empathisch ist. Schafft man hier keine Abgrenzung, können Gefühl-Hochs und -Tiefs verwirrend und im Alltag sehr hinderlich sein. Wer sehr empathisch ist und in seinem Leben, beispielsweise aufgrund seines Berufs, viel mit Leid und Schmerz zu tun hat, steht zudem permanent unter Stress, was sich negativ auf die eigene Gesundheit auswirkt. Manchmal greifen Empathen dann zu Alkohol oder Drogen, um ihre Empfindsamkeit zu dämpfen. Empathie kann also auch zu einem Suchtverhalten führen.

Tatsächlich gibt es auch Menschen, die kaum oder gar keine Empathie aufweisen. Solche Menschen werden oftmals als "empathielos" oder "gleichgültig" bezeichnet und haben Schwierigkeiten, die Gefühle oder Perspektiven anderer zu verstehen oder sich in diese hineinzuversetzen. Dies kann auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein, unter anderem psychische Faktoren, Gesundheitsprobleme, Drogen oder Persönlichkeitsstörungen.

Aber auch akuter Stress sowie starke Hormonschwankungen können dafür sorgen, dass ein Mensch geringe Empathie zeigt - obwohl er sonst sehr empathisch ist.

Während der Begriff "Empathie" allgegenwärtig ist, kennen nur wenige Menschen das Gegenteil von Empathie namens "Ekpathie". Dabei handelt es sich aber nicht unbedingt um ein klassisches Gegenteil, sondern eine Einschränkung von Empathie.

Eine ekpathische Person kann sich von anderen Menschen abgrenzen und sich bewusst davon loslösen, in die Gefühle und Gedanken anderer hineinzutauchen. Somit empfinden sie dem anderen gegenüber eine gewisse Gleichgültigkeit. Obwohl das Verhalten zunächst kalt und herzlos klingt, bringt dies auch einige Vorteile mit sich.

Menschen mit Ekpathie bleiben oftmals bei sich, achten auf ihre eigenen Gefühle und können für ihre Bedürfnisse einstehen. Zudem schaffen sie es, sich aus Dramen oder Problemen von anderen Menschen herauszuhalten. Somit achten sie verstärkt auf ihre eigenen Bedürfnisse und das, was ihnen selbst guttut. Indem sie die Gefühlsebene zurückstellen, können sie beispielsweise im Berufsleben bei Konflikten objektiv bleiben und sich gegen Widerstände durchsetzen.

Allerdings kann ständige Ekpathie vor allem in privaten Beziehungen zahlreiche Probleme auslösen, da sich andere Menschen nicht gesehen und verstanden fühlen.

Für den Begriff "Empathie" gibt es zahlreiche Wörter, die im normalen Sprachgebrauch als Synonyme verwendet werden, obwohl es gewisse Bedeutungsunterschiede gibt. Beispiele dafür sind:

  • Einfühlungsvermögen
  • Mitgefühl
  • Anteilnahme
  • Feingefühl
  • Sensibilität
  • Verständnis
  • Fingerspitzengefühl
  • Gespür
  • Sensitivität

In der Wissenschaft wird davon ausgegangen, dass Empathie aus insgesamt vier Säulen besteht:

Säule 1: Wahrnehmung

Um empathisch zu handeln, muss man zunächst einmal bemerken, wie es dem Gegenüber geht. Daher ist die Wahrnehmung über das Wohlbefinden eine zentrale Säule. Bei der Wahrnehmung stellt man sich primär die Frage: "Wie geht es meinem Gegenüber?"

Um die Antwort zu erhalten, achtet man nicht nur auf die verbale Ausdrucksweise, sondern auch auf Mimik, Gestik und Körpersprache.

Säule 2: Verständnis

Gleichzeitig sollte man die Motive für den Gefühlszustand der anderen Person betrachten. Verständnis zeigt man, indem man sich mit der Fragestellung auseinandersetzt, warum es dem Gegenüber gut oder schlecht geht. Durch Empathiefähigkeit lassen sich die Ursache, Motive oder Umstände des Verhaltens einer anderen Person nachvollziehen.

Säule 3: Resonanz

Die dritte Säule basiert auf der eigenen Reaktion auf das Verhalten. Resonanz beschreibt die unmittelbare Reaktion auf die Gefühlslage der anderen Person. Wenn eine Person beispielsweise vor Trauer weint, kann man ihr durch empathisches Verhalten zeigen, dass man ihre Trauer teilt. Mit liebevollen Worten ("Ich bin für dich da"), Gestik (zum Beispiel in den Arm nehmen) oder Mimik vermittelt man dem Gegenüber ein Gefühl von Akzeptanz und Wertschätzung.

Säule 4: Antizipation

Bei der Säule 4 geht es um die Frage, wie sich der andere künftig verhalten wird. Man fragt sich, wie das Gegenüber auf baldige Entwicklungen reagieren wird. Zudem überlegt man, wie man ihm helfen kann und wie er auf bestimmte Hilfsangebote wohl reagieren würde.

Tatsächlich kann Empathie sowohl erlernt als auch entwickelt werden. Dies kann durch die eigene Selbstwahrnehmung und -reflektion, Achtsamkeit und die bewusste Arbeit an zwischenmenschlichen Fähigkeiten erreicht werden. Obwohl einige Menschen von Natur aus empathischer sind, kann jeder Mensch seine Empathie durch Übung und Bewusstsein steigern. Auch positive Vorbilder wie Eltern oder Pädagogen können dabei helfen, Empathie zu entwickeln. Kinder lernen beispielsweise im Kindergarten oder in der Schule gezielt durch verschiedene Spiele und gemeinsame Angebote, ihre Empathiefähigkeit zu entwickeln oder auszubauen.

Beim Einüben von Empathie kann man sich an den vier Säulen orientieren. Man sollte üben, den anderen bewusst wahrzunehmen. Wie verändert sich sein Gesicht? Lächelt nur der Mund oder lächeln auch die Augen? Was sagt die Körpersprache?

Freunde und Familienmitglieder kann man dazu befragt, ob die eigenen Eindrücke stimmen - und was zur aktuellen Gefühlslage führt. Das kann hilfreich sein, um auch andere Menschen zu verstehen. Selbstreflektierte Menschen können auch sagen, welche Resonanz sie sich wünschen, also wie sie beispielsweise an einem schlechten Tag getröstet werden wollen. Das hilft, um ihnen gegenüber künftig empathischer zu sein, kann aber auch Hinweise geben zum Verhalten mit anderen Mitmenschen.

Ebenfalls wichtig: die eigenen Gefühle gut zu beobachten. Was löst in bestimmten Situationen welche Gefühle aus? Wer sich selbst hinterfragt und besser kennenlernt, kann auch besser mit den Gefühlen und Reaktionen anderer Menschen umgehen.

Weitere hilfreiche Tipps:

  • Vorurteile erkennen und beiseite schieben: Wir haben oft eine vorgefertigte Meinung zu anderen Menschen und den Gründen, warum sie so oder so handeln. Die Gefahr ist groß, dass wir sie dann völlig falsch einschätzen.
  • Beim Streit bewusst ruhig durchatmen: Gerade wenn die eigenen Gefühle hochkochen, verliert man den Blick für den anderen und kann nicht mehr einschätzen, wann man ihn gerade völlig falsch versteht. Schnell sagt man verletzende Dinge. Stattdessen sollte man sich fragen, wie der andere gerade fühlt und ob man den Streit entschärfen kann, um das Thema sachlich diskutieren zu können.
  • Andere Rolle einnehmen: Wer sich darin übt, in eine andere Rolle zu schlüpfen (ob fiktiver Charakter oder tatsächlicher Bekannter), trainiert damit den Perspektivenwechsel und bekommt einen neuen Blick für andere Menschen.
  • Nachfragen: Das geht sicherlich nicht in jeder Situation, aber in vielen kann man einfach nachfragen, wenn man jemand anderen nicht versteht oder unsicher ist, wie dieser gerade empfindet oder warum er etwas tut.
  • Sich selbst nicht vergessen: Empathie hat viele Vorteile, aber sollte nicht dazu führen, dass die eigenen Bedürfnisse und Ziele auf der Strecke bleiben. Übermäßige Empathie kann krank machen. Wenn die Gefühle anderer Menschen uns herunterziehen, braucht es gesunde Grenzen.

Weitere interessante Fragen zum Thema Empathie:

Empathie ist die Fähigkeit, die Gefühle und Perspektiven anderer Menschen zu erkennen und selbst nachzuempfinden. Somit handelt es sich bei der Empathie um ein Einfühlen in den anderen Menschen.

Fehlende Empathie zeigt sich in einem Mangel an Verständnis für die Emotionen und Gedanken anderer Menschen.

Empathielose Menschen zeigen wenig Verständnis und Mitgefühl für andere Menschen und haben Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen.