Was Eltern wissen sollten

"War stets bemüht": Das bedeuten die Formulierungen im Zeugnis

29.7.2022, 05:55 Uhr
Am 29. Juli ist Zeugnistag in Bayern.

© imago images/photothek, NNZ Am 29. Juli ist Zeugnistag in Bayern.

Formulierungen wie "hat sich stets bemüht" oder "besonders gewissenhaft" hat jede Person zumindest schon einmal gehört. Es ist die Zeugnissprache, die Erwachsene immer noch zusammenzucken lässt und so manchen Elternteil in die Vergangenheit abschweifen lässt, wenn ihre Sprösslinge das dicke, hellblaue Papier mit nach Hause bringen.

Im Zeugnis stehen nämlich nicht nur Noten, sondern auch eine schriftliche Beurteilung, worin Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler etwas genauer bewerten können, als es eine bloße Zahl könnte. Hierfür werden bestimmte Formulierungen verwendet, die jeweils eine ganz eigene Bedeutung haben.

Vor allem bei Grundschulkindern, speziell in den Jahrgangsstufen, in denen noch keine "richtigen" Noten vergeben werden, dienen die Beurteilungen als Gradmesser für die Eltern. Auch das Sozialverhalten der Kinder wird dadurch vermittelt.

Worte als Leistungsmesser

Beherrscht Ihr Kind etwas "sehr", "überaus" oder "außergewöhnlich", ist das in der Regel ein gutes Zeichen und mit der Note Eins gleichzusetzen. Das Zeugnisgeld darf also ins Sparschwein klimpern.

Schwammige Formulierungen wie "meist", "weitestgehend", "größtenteils" oder "zum Teil" lassen schon erahnen, dass die Leistung zwar gut oder auch befriedigend ist, aber noch Luft nach oben besteht.

Sollte ein Kind "stets bemüht" sein, "Unterstützung" oder "Hilfsmittel" benötigen, besteht mit ziemlicher Sicherheit Nachholbedarf. In diesem Fall ist das Kind zwar noch "ambitioniert", scheitert jedoch an gewissen Themen oder hat Probleme sich "eigenständig mit unbekannten Aufgaben auseinander zu setzen". Das führt dazu, dass es im Unterricht nicht mitkommt.

Wenn Eltern "hatte große Schwierigkeiten", "kaum" oder "desinteressiert" im Zeugnis ihrer Kinder lesen, ist das Vorrücken meist gefährdet und es bedarf verstärkt Unterstützung durch die Eltern.

Aussagen zur Arbeitsweise

Sollte ihr Kind "über das gesamte Schuljahr hinweg" eine "hohe Lernbereitschaft" zeigen oder "stets für Themen zu begeistern" sein, müssen Sie sich keine Gedanken machen. Auch eine "große Selbstständigkeit" oder "besonderes Lob" sind sehr gute Auszeichnungen für die Arbeitsweise des Kindes.

Wird es als "zielstrebig" oder "stets motiviert" beschrieben und arbeitet "bei Interesse" gut mit, deutet das zwar auf eine grundsätzliche Lernbereitschaft des Kindes hin, aber kann auch auf gelegentliche Anstrengungen beim Lernen hinweisen.

Arbeitet Ihr Kind "oft", "größtenteils" oder nur "sachbezogen" gut mit, ist die Mitarbeit und Leistung eher wenig konstant und es ist Nacharbeit oder auch mehr Motivation notwendig.

Das Sozialverhalten

Auch das Verhalten zu Mitschülerinnen und Mitschülern wird oftmals in der Beschreibung erwähnt. So kann ein Kind (nicht nur) als Klassensprecher oder Klassensprecherin "für die Belange seiner Mitschüler eintreten", sich "großer Beliebtheit erfreuen" oder sich "bei Gruppenarbeiten gut zurechtfinden". In diesen Fällen ist Ihr Kind aller Wahrscheinlichkeit nach ein Teamplayer und kommt mit den gleichaltrigen Kindern gut klar. Hat ein Kind ein "temperamentvolles Verhalten" oder "bemüht es sich, Konflikte zu lösen", eckt es wiederum auch mit anderen an.

Auch das Verhalten zur Lehrkraft oder die Eingliederung in die Unterrichtsgemeinschaft wird im Zeugnis benannt. Dann jedoch meist im negativen Kontext: Ein "kommunikatives" Kind quatscht gerne im Unterricht oder lenkt andere ab. "Aufgeweckte" Schülerinnen und Schüler sind eher zappelig und unruhig - haben also Probleme mit dem Sitzen oder längerer Konzentrationsphasen. "Selbstbewusste" Sprösslinge stören meist den Unterricht oder lassen sich von der Lehrkraft nichts sagen.

All das sind Regelfälle und die häufigsten Formulierungen, die sich jedoch auch bei den verschiedenen Lehrkräften unterscheiden können. Absolute Klarheit erhalten Sie in den Sprechstunden mit der Klassenleitung Ihres Kindes oder auch mit Fachlehrkräften. Diese können auch Empfehlungen für spezielle Fördermöglichkeiten - etwa Nachhilfeunterricht oder auch Teambildungsmaßnahmen aussprechen.

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