Auskunftei gibt Einblicke

Rätselhafter Schufa-Score: Wie er entsteht - und was ihn beeinflusst

Christian Urban
Christian Urban

Redakteur - nordbayern.de

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23.10.2022, 05:57 Uhr
Ohne die Auskunft der Schufa geht in vielen Bereichen des finanziellen Lebens nichts.

© imago images/Panthermedia, NNZ Ohne die Auskunft der Schufa geht in vielen Bereichen des finanziellen Lebens nichts.

Ohne die Auskunft der Schufa geht in vielen Bereichen des finanziellen Lebens nichts - vom Abschluss eines Mobilfunk-Vertrags über die Ratenzahlung des neuen Autos bis hin zum sechsstelligen Kredit für den Hausbau. Je nach Kreditwürdigkeit des Menschen gibt die Auskunftei Schufa - die "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung" - grünes Licht für den Vertragsabschluss. Oder eben auch nicht.

Entscheidend hierfür ist der sogenannte Schufa-Score als Indikator für die Bonität eines Menschen. Dieser Score kann einen Wert zwischen (zumindest theoretisch) 0 und 100 Prozent annehmen und stellt grob gesagt die Wahrscheinlichkeit dar, mit der ein Kredit erfüllt werden kann. Eine Notwendigkeit, die die Auskunftei selbst auf ihrer Homepage so erklärt: "Ohne Bonitätseinschätzung müsste ein finanzielles Ausfallrisiko auf alle Verbraucherinnen und Verbraucher umgelegt werden. Viele Produkte, Dienstleistungen und Kredite wären wahrscheinlich teurer."

Die verschiedenen Score-Werte unterteilt die Auskunftei in mehrere Bereiche, wobei für die Verbraucherinnen und Verbraucher lediglich zwei Unterscheidungen relevant sind: Beträgt der Score 90 Prozent oder mehr, ist die Schufa-Auskunft positiv. Liegt der Score darunter, ist sie negativ. Doch wie entsteht diese Zahl nun eigentlich, die so viel Einfluss auf das finanzielle Leben der Menschen in Deutschland hat? Hierzu gab es lange Zeit nur Vermutungen. Inzwischen hat die Auskunftei selbst in Grundzügen erklärt, welche Ereignisse den Score steigen oder sinken lassen.

Hat jemand beispielsweise einen Kredit aufgenommen und zahlt ihn kontinuierlich und ohne Zahlungsausfälle wieder ab, wirkt sich das ebenso positiv auf den Score aus wie die fristgerechte Bezahlung vertraglicher Verpflichtungen. Wenn jemand bereits früher einen Kredit störungsfrei zurückgezahlt hat, fließt das ebenfalls positiv in die Berechnung mit ein, weil die Schufa hieraus schließt, dass der Mensch verantwortungsvoll mit Geld umgehen kann.

Jedoch kann sich der Score auch negativ entwickeln - zum Beispiel dann, wenn ein Mensch mehrere laufende Kredite bedienen muss, mehrere Kreditkarten oder mehrere Girokonten besitzt. Die verpasste Zahlung einer Rechnung hat dagegen erst einmal keinen Einfluss: Von einer Zahlungserinnerung und einer ersten Mahnung bekommt die Auskunftei nach eigenen Aussagen gar nichts mit. Erst wenn es um zweite Mahnungen oder gar geplatzte Kredite und nicht bezahlte Rechnungen geht, wird dies der Schufa gemeldet und hat einen starken negativen Einfluss auf den Score.

Gleiches gilt übrigens für viele verschiedene Kreditanfragen innerhalb von zwölf Monaten, denn in einem solchen Fall geht die Schufa von einem erhöhten Geldbedarf aus - und von einem steigenden Risiko, dass der Mensch seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Keinen Einfluss haben Familienstand, Religion, Nationalität und Gehalt oder Vermögen, denn diese Informationen liegen der Auskunftei nach eigenen Angaben gar nicht vor.

Die exakte Formel für die Berechnung des Scores und die Gewichtung der einzelnen Faktoren behält die Schufa allerdings weiterhin für sich, denn "läge das Berechnungsmodell völlig offen, könnte der Score manipuliert werden und hätte so keinen Wert mehr."