Symptome wie ein Herzinfarkt

Broken-Heart-Syndrom: Kann ein Herz wirklich brechen?

Simone Madre

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28.9.2023, 08:46 Uhr
In unserem Beitrag erfahren Sie, was das Broken-Heart-Syndrom ist und was seine Auslöser sind.

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Ein "gebrochenes Herz" gibt es auch aus medizinischer Sicht. Hierbei spricht man von der Herzmuskelerkrankung "Broken-Heart-Syndrom" (Gebrochenes-Herz-Syndrom).

Aber was ist das Broken-Heart-Syndrom genau, welche Symptome gibt es und wie kann man ein gebrochenes Herz behandeln?

Das Broken-Heart-Syndrom ist eine plötzliche Funktionsstörung des Herzens, die durch starken Stress ausgelöst wird, beispielsweise durch Trauer oder Liebeskummer. Die Herzmuskelerkrankung bezeichnet eine plötzliche, durch massiven emotionalen oder körperlichen Stress ausgelöste Funktionsstörung der linken Herzkammer. Das Herz verfällt in eine Art "Schockstarre" und kann dadurch deutlich schlechter Blut pumpen.

Dass sich solche Gefühle tatsächlich auf das Herz auswirken können, wurde erst in den Neunzigerjahren von japanischen Forschern herausgefunden. Das Broken-Heart-Syndrom heißt auch "Tako-Tsubo", da die Form der linken Herzkammer während einer Attacke an eine japanische Tintenfischfalle, die den gleichen Namen trägt, erinnert. Die Erkrankung gilt als Form der Kardiomyopathie (das ist der Überbegriff für Herzmuskelerkrankungen) und wird erst seit einigen Jahren erforscht. Somit gibt es nur wenige wissenschaftliche Studien. Weitere Bezeichnungen sind "Stress-Kardiomyopathie", "Tako-Tsubo-Kardiomyopathie" oder "Tako-Tsubo-Syndrom".

Das Broken-Heart-Syndrom ist nicht angeboren, sondern tritt im Laufe des Lebens auf.

Nicht selten wird das Broken-Heart-Syndrom für einen Herzinfarkt gehalten, da es die gleichen Symptome auslöst. Der größte Unterschied zu einem Herzinfarkt ist jedoch, dass es beim Broken-Heart-Syndrom nicht zu einem Verschluss der Herzkranzgefäße kommt. Laut der Krankenkasse AOK leiden etwa zwei Prozent der Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt am Broken-Heart-Symptom. Egal, um welche der zwei Erkrankungen es sich handelt: Betroffene brauchen sofort medizinische Hilfe.

Vor allem ältere Frauen sind laut Studien vom Broken-Heart-Syndrom betroffen sein: In 90 Prozent der Fälle handelt es sich um Frauen nach den Wechseljahren. Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen hat eine schützende Wirkung auf das Herz, seine Konzentration im Blut nimmt in den Wechseljahren aber deutlich ab. Aber auch Männer und jüngere Frauen können betroffen sein.

Die Symptome des Broken-Heart-Syndroms können Laien nicht von denen eines Herzinfarkts unterscheiden. Betroffene leiden unter:

  • massive Atemnot
  • einem Engegefühl in der Brust
  • starken Schmerzen, die als "Vernichtungsschmerz" bezeichnet werden - in der Brust mit Ausstrahlung in den linken Arm, den Rücken, die Schultern oder den Unterkiefer
  • einem sinkenden Blutdruck (Hypotonie)
  • einem beschleunigten Herzschlag (Tachykardie)
  • Schweißausbrüchen
  • vor allem bei Frauen: Übelkeit und Schmerzen im oberen Bauch

Wenn der Verdacht auf einen Herzinfarkt oder ein Broken-Heart-Symptom besteht, sollte man sofort medizinische Hilfe anfordern. In Deutschland und auch allen EU-Ländern wählt man hierzu die 112.

Durch die Funktionseinschränkung des Herzens können zusätzlich Beschwerden einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) hinzukommen. Hierbei staut sich das Blut in der Lunge in venöse Gefäße zurück, da es vom Herzen nicht ausreichend in den Kreislauf gepumpt werden kann. Daraus resultieren möglicherweise sogar Ödeme in den Beinen oder in der Lunge.

Auslöser für das Broken-Heart-Syndrom können traumatische Erfahrungen wie Gewalterlebnisse, Liebeskummer, der Verlust eines geliebten Menschen, Mobbing oder Depressionen sein. In den meisten Fällen geht also eine große emotionale Belastung voraus.

Wie genau ein emotionaler Stress zu der Funktionsstörung des Herzmuskels führt, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden. Allerdings wird bei Betroffenen eine erhöhte Konzentration bestimmter Stresshormone im Blut festgestellt.

Selbst freudige Erlebnisse können manchmal zu Takotsubo-Kardiomyopathie führen. Der Grund dafür ist einfach: Stress – egal, ob positiver oder negativer Art – führt zu einer erhöhten Adrenalin- und Noradrenalin-Ausschüttung. Diese überfordern das Herz, sodass es in eine "Schockstarre" verfällt und infolgedessen in seiner Pumpleistung eingeschränkt ist.

Aber auch körperlicher Stress, beispielsweise ein Unfall oder starke Schmerzen, können ein Broken-Heart-Symptom auslösen. Laut einer kleinen Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung ist bei Männern meistens körperlicher Stress der Auslöser. Einer weiteren Studie zufolge können in Einzelfällen auch neurologische Probleme, beispielsweise ein Schlaganfall oder ein epileptischer Anfall, in den darauffolgenden Tagen ein Broken-Heart-Symptom nach sich ziehen.

Genau wie beim Herzinfarkt kann es auch beim Broken-Heart-Syndrom zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen treten massive Herzrhythmusstörungen auf, die im schlimmsten Fall zum Herzstillstand führen. Wenn die Pumpschwäche des Herzens stark ausgeprägt ist, kann es außerdem einen kardiogenen Schock geben. Dabei werden die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, da der Blutdruck so stark abfällt. Ohne rechtzeitige Behandlung kann auch diese Komplikation tödlich verlaufen.

In der akuten Phase, also während die Symptome auftreten, ist das Broken-Heart-Symptom für die Betroffenen genauso gefährlich wie ein echter Herzinfarkt. Die Erkrankung verläuft bei zügiger Behandlung aber vorwiegend positiv, die Veränderungen am Herzmuskel können sich vollständig zurückbilden. In den ersten Tagen wird man auf der Intensivstation engmaschig überwacht, um mögliche weitere Komplikationen rasch zu bemerken und direkt eingreifen zu können. Dazu zählen etwa Herzrhythmusstörungen und Risse im Herzmuskel.

Wichtig ist es laut dem Arzt Ibrahim El-Battrawy, die Patienten langfristig im Auge zu behalten. "Unabhängig vom Auslöser sollte man sie genauso engmaschig überwachen wie Herzinfarkt-Patienten und nach der Entlassung aus dem Krankenhaus regelmäßig untersuchen", sagte er gegenüber dem Ärzteblatt.

Der Kardiologe führt zunächst eine umfangreiche Diagnostik durch, um einen Herzinfarkt auszuschließen:

  1. Patientengespräch: Im Gespräch wird nach intensiven emotionalen Stresssituationen gefragt. Wenn diese nicht vorliegen, ist die Diagnose eines Broken-Heart-Syndroms unwahrscheinlich. Allerdings kann Stress auch zu einem tatsächlichen Herzinfarkt führen.
  2. Angiographie/Herzkatheter: Mithilfe einer Angiografie (Kontrastmittelgabe) und einem Herzkatheter, über den das Mittel eingespritzt wird, kann festgestellt werden, ob und wie gut die Herzkrankgefäße durchblutet sind. Demnach kann ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden, wenn keine Herzkranzgefäße verstopft sind.
  3. Blutwerte testen: Nach einigen Stunden steigt die Konzentration bestimmter Enzyme im Blut an. Die Anstiege sind allerdings meist geringer als bei einem Herzinfarkt. Sind zusätzlich die Werte einer bestimmten Hormongruppe (Katecholamine) sehr hoch, weist das auf ein Broken-Heart-Syndrom hin.
  4. Elektrokardiogramm (EKG): Auch im EKG kann der Kurvenverlauf einem Herzinfarkt ähneln (Veränderungen der elektrischen Herzaktivität). Jedoch zeigen sich diese Veränderungen beim Broken-Heart-Syndrom oftmals in allen Kurven und nicht für ein bestimmtes Herzmuskel-Areal wie bei einem Herzinfarkt.
  5. Echokardiografie: Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung kann ein mögliches Broken-Heart-Syndrom erkannt werden (durch Bewegungsstörungen der linken Herzkammer). Gleichzeitig kann auch eine möglicherweise auftretende Flüssigkeitsansammlung in der Lunge überprüft werden. Da sich ein Herzinfarkt in ähnlicher Weise äußert, kann dieser allerdings in diesem Stadium der Diagnostik noch nicht ausgeschlossen werden.

Derzeit gibt es keine einheitliche Vorgehensweise bei der Behandlung des Broken-Heart-Syndroms. Patienten werden auf Intensivstationen überwacht, da es insbesondere in den ersten Stunden zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen kann. Die gesteigerte Aktivität des sympathischen Nervensystems und die Wirkung der Stresshormone können durch bestimmte Medikamente wie Betablocker eingedämmt werden. Auch Symptome einer Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen können medikamentös behandelt werden.

Das Broken-Heart-Syndrom hat die beste Prognose aller Herzmuskelerkrankungen, sodass sich die meisten Patienten recht schnell wieder erholen und nach wenigen Wochen keine Fehlfunktion des Herzmuskels mehr aufweisen.

In seltenen Fällen kann es aber langfristige Auswirkungen oder Rückfälle geben, wie einen späteren Herzinfarkt, ein weiteres Broken-Heart-Symptom, einer Arrhythmie oder eine Herzinsuffizienz.

Laut El-Battrawy ist körperlicher Stress ein Risikofaktor für einen schlechten Verlauf. Zudem kann eine gleichzeitige Krebserkrankung die Heilung verkomplizieren.

In der Nachsorge ist es wichtig, das Herz immer wieder beim Kardiologen kontrollieren zu lassen. Zudem sollte man Stress möglichst vermeiden und sich weder körperlich noch emotional überlasten. Regelmäßiger Sport kann allerdings dabei helfen, das Herz zu stärken. Hier sollte man mit seinem Kardiologen sprechen, was sinnvoll ist. Zudem kann ein Psychotherapeut dabei helfen, Stressauslöser zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, wie man mit ihnen besser umgehen kann.

In unserem Beitrag zeigen wir Ihnen verschiedene Methoden, um Stress im Alltag zu lindern.

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