Manipulativ und destruktiv

Psychischer Missbrauch: Das steckt hinter dem Begriff "Gaslighting"

Angela Ast

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1.8.2022, 20:26 Uhr
Gaslighting funktioniert nur, wenn das Opfer dem Täter vertraut.

© Anemone123 / Pixabay Gaslighting funktioniert nur, wenn das Opfer dem Täter vertraut.

"War das wirklich so oder bilde ich mir das nur ein?" Solche Fragen sind für Opfer von Gaslighting typisch. Gaslighting bedeutet, dass eine Person bewusst und gezielt die Selbstwahrnehmung eines anderen Menschen manipuliert - durch Lügen, Verdrehungen und Unterstellungen. Das kann das Opfer erheblich verunsichern und psychisch belasten.

Im Laufe der Zeit kann diese Form des Missbrauchs sogar psychische Krankheiten auslösen, darunter Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen oder wahnhafte Zustände.

Gaslighting - die Definition

Die wissenschaftliche Bezeichnung für Gaslighting lautet "invalidierende Kommunikation". Das Wort "invalidieren“ bedeutet entwerten. "Wer einen anderen Menschen invalidiert, vermittelt ihm, dass seine Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen unwichtig oder falsch sind", definiert das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

In der Psychologie wird es als "eine Form von psychischer Gewalt beziehungsweise Missbrauch" bezeichnet. Opfer werden gezielt manipuliert und zutiefst verunsichert. In der Folge stellt das Opfer seine eigene Wahrnehmung der Realität mehr und mehr in Frage und verliert an Selbstvertrauen.

Woher stammt der Begriff?

Die Bezeichnung "Gaslighting" hat seinen Ursprung in dem Theaterstück "Gas Light" von Patrick Hamilton aus dem Jahr 1938. Es spielt im nebligen London des Jahres 1880 in der Wohnung von Jack Manningham und dessen Frau Bella. Der Ehemann manipuliert Bella und leugnet, die Dinge zu sehen, die sie sieht - unter anderem eine flackernde Gaslaterne. Bella beginnt allmählich, an ihrem Verstand zu zweifeln und ihr droht die Einweisung in eine Anstalt. Am Ende gelingt es aber, die Manipulation zu aufzudecken. Täter nennt man entsprechend "Gaslighter", die Opfer "Gaslightee".

Welche Menschen sind Gaslighter?

Es gibt kein konkretes Profil. Männer und Frauen können Gaslighter und auch Opfer werden. Sie haben jedoch oft eine narzisstische Persönlichkeit. Ziele von Gaslighting kann die Erhöhung des eigenen Selbstwerts sein. Auch Bestätigung durch andere und emotionale Abhängigkeit des Gegenübers sind mögliche Antriebe.

Wie läuft Gaslighting ab?

Es gibt einige Techniken, die Gaslighter anwenden. Sie behaupten beispielsweise, ihr Opfer hätte etwas getan oder gesagt, woran es sich selbst nicht erinnern kann. "Du flirtest ständig mit dem Nachbarn!" könnte ein Vorwurf lauten. Die Täter behaupten ebenfalls häufig, selbst etwas Bestimmtes gesagt oder getan zu haben, obwohl das nicht stimmt: "Natürlich war ich gestern die ganze Nacht zu Hause!" Sie bestreiten, dass ein Ereignis stattgefunden hat, sorgen für Unordnung oder werfen dem Opfer unangemessenes Verhalten oder Aussehen vor. Teilweise zeigen sie auch vermeintliche Fürsorge: "Wenn du dich dick fühlst, bleib lieber zu Hause, dann lachen dich die anderen nicht aus."

Gaslighting funktioniert nur, wenn das Opfer dem Täter vertraut. Fälle treten beispielsweise in der Familie, in der Ehe oder Partnerschaft, in einer Freundschaft oder auch beruflichen Beziehung auf. Aufgrund des Vertrauensverhältnisses stellt das Opfer die Aussagen nicht in Frage und wendet sich nicht an Dritte. Stattdessen zweifeln die Betroffenen an sich selbst - und merken oft erst nach Jahren, dass sie manipuliert wurden.

So kann man sich gegen Gaslighting wehren

Gaslighter fliegen auf, wenn sich Unbeteiligte auf die Seite des Opfers stellen. Deswegen achten Täter oft darauf, dass es keine Zeugen gibt, die ihre Manipulationen entlarven können. Sollte eine Person befürchten, von Gaslighting betroffen zu sein, sollte sie sich an andere wenden und über ihre Zweifel sprechen. "Vertrauen Sie vor allem sich selbst. Glauben Sie an das, was Sie sehen, woran Sie sich erinnern", rät das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Um sich besser an der eigenen Erinnerung orientieren zu können, wird außerdem empfohlen, Tagebuch zu führen. So kann im Zweifel nachgeschlagen werden, ob etwas so passiert ist, wie der Täter es behauptet.

Weiterhin wird geraten, dem Gaslighter ein klares Stoppsignal zu geben und Abstand zu halten. Durch professionelle Hilfe - beispielsweise durch ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten - kann zudem Sicherheit gewonnen werden.

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