Gesundheit

Hypersomnie: Definition, Symptome und Behandlung der Schlafsucht

Simone Madre
Simone Madre

E-Mail zur Autorenseite

3.5.2022, 08:40 Uhr
Die "Schlafsucht" Hypersomnie kann entweder organisch oder nicht-organische Ursachen haben.

© Christin Klose/dpa-tmn Die "Schlafsucht" Hypersomnie kann entweder organisch oder nicht-organische Ursachen haben.

Wer sich tagsüber ständig müde fühlt und regelmäßig einschlafen könnte oder dies auch tut, leidet womöglich unter einer Hypersomnie. In der Umgangssprache wird diese auch als "Schlafsucht" bezeichnet. Eine Hypersomnie kann entweder körperliche oder psychische Ursachen haben. Bei beiden Formen sind die Betroffenen teilweise erheblich in ihrem Alltag eingeschränkt. Deshalb sehen wir uns im folgenden Beitrag die Schlafsucht, deren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten näher an.

Hypersomnie: Definition und Symptome

Bei der Hypersomnie handelt es sich um eine Form der Schlafstörung. Kennzeichnend für sie ist ein enormes Bedürfnis, tagsüber zu schlafen. Die sogenannte Tagesschläfrigkeit führt zu weniger Aufmerksamkeit und Konzentration sowie einem teilweise stark ausgeprägten Einschlafdrang. Da die Betroffenen keinen erholsamen Nachtschlaf haben, nicken sie tagsüber ungewollt ein.

Die Hypersomnie kann hierbei unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Besonders Betroffene schlafen täglich unfreiwillig ein: beispielsweise, wenn sie am Schreibtisch sitzen, sich mit jemandem unterhalten oder Auto fahren. Dadurch werden Beruf und Privatleben deutlich beeinträchtigt und es kann zu gefährlichen Situationen kommen. Wenn die Krankheit schwächer ausgeprägt ist, kommt es in reizarmen Situationen wie beim Lesen oder als Beifahrer ungewollt zum Einschlafen.

In jedem Fall leiden die Betroffenen unter Konzentrationsschwierigkeiten und sind weniger leistungsstark. Der nächtliche Schlaf fühlt sich dabei nicht unbedingt gestört an. Viele Betroffene haben keine Probleme mit dem Einschlafen und Durchschlafen. Einige Betroffene schlafen nachts sogar besonders lange. Trotzdem fühlen sie morgens nicht erholt.

Auf Anhieb ähnlich wirkende Erkrankungen sind die Narkolepsie und die Insomnie. Bei der Narkolepsie neigen Betroffene ebenso dazu, plötzlich einzuschlafen. Hier ist der Grund allerdings eine organische Störung im Gehirn. Wer an einer Insomnie leidet, hat Ein- und Durchschlafstörungen und ist deshalb tagsüber müde und wenig belastbar.

Hypersomnie: Ursachen

Eine häufige Ursache ist die sogenannte Schlafapnoe. Während der Betroffene schläft, setzt immer wieder die Atmung aus. Das führt zu einem Sauerstoffmangel im Körper und verhindert einen erholsamen Tiefschlaf. Eine Schlafapnoe kann im Schlaflabor ermittelt und mit verschiedenen Methoden behandelt werden.

Bei bestimmten neurologischen Erkrankungen tritt häufiger auch eine Hypersomnie auf, etwa bei Parkinson, Hirntumoren oder dem Restless-Legs-Syndrom. Das ist eine Erkrankung, die sich durch einen unnatürlichen Bewebungsdrang, ein Kribbeln in den Beinen, Zuckungen und Schmerzen äußert. Die Symptome treten vorwiegend am Abend und in der Nacht auf und werden bei Bewegung besser.

In einigen Fällen ist eine Hypersomnie eine Nebenwirkung von Medikamenten, beispielsweise Antidepressiva oder Antihistaminika zur Allergiebehandlung. Auch andere Substanzen wie Alkohol und Cannabis können die Schlafqualität verringern.

Es gibt auch Fälle, bei denen die übermäßige Müdigkeit das einzige bekannte Symptom ist. Das erschwert die Diagnose. Unterschieden wird zwischen einer nichtorganischen und organisch bedingten (idiopathischen) Hypersomnie. Bei Letzterer geht man von einer körperlichen oder unbekannten Ursache für die erhöhte Schläfrigkeit aus. Die nichtorganische Hypersomnie hat vermutlich vorwiegend psychische Ursachen.

Nichtorganische Hypersomnie: Symptome

Eine nichtorganische Hypersomnie führt zu einer psychisch bedingten Schläfrigkeit am Tag. Betroffene schlafen in der Regel deutlich länger als Nicht-Betroffene, teilweise mehr als zehn Stunden pro Nacht. Nicht selten haben sie Orientierungsschwierigkeiten nach dem Wachwerden. Tagsüber fühlen sich Menschen mit Hypersomnie meist energielos und unruhig. Zudem haben Betroffene das Gefühl, langsamer zu denken und klagen auch über Gedächtnisprobleme.

Die Hypersomnie ist eine seltene Erkrankung, von der weniger als ein Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Die Symptome beginnen meist im jungen Lebensalter zwischen dem fünfzehnten und dreißigsten Lebensjahr.

Die genauen Ursachen der nichtorganischen Hypersomnie sind bisher noch ungeklärt. Sowohl emotionale als auch genetische Faktoren spielen bei der Entstehung der Schlafsucht eine Rolle. Bei einigen psychischen Erkrankungen wie Depressionen kommt es jedoch häufiger zur Hypersomnie.

Hypersomnie: Diagnostik

Die Diagnose wird durch eine Beurteilung des Tages- und Nachtschlafes im Schlaflabor durchgeführt. Hierbei versucht der Patient, möglichst schnell einzuschlafen. Mit einem EEG (Elektroenzephalograf) wird gemessen, wie lange es bis zum Schlaf dauert ("Schlaflatenz"). Dieser Test wird als "Multipler Schlaflatenztest" bezeichnet. Zudem kann gemessen werden, welche Schlafstadien wann auftreten.

Bevor es zu einem Besuch im Schlaflabor kommt, wird man oftmals gebeten, ein Schlaftagebuch zu führen. Dabei protokolliert man seine Schlaf- und Wachzeiten und erkennt gegebenenfalls Muster.

Hypersomnie: Behandlung

Die Hypersomnie an sich ist nach derzeitigem Wissensstand nicht direkt heilbar und oft ein Symptom einer anderen Krankheit. Dennoch ist eine Milderung der Symptome möglich, um die Lebensqualität erheblich zu steigern. Zunächst sollte immer die eventuelle Grunderkrankung behandelt werden.

Um eine Hypersomnie zu diagnostizieren, wird ein Hypersomnie-Test im Schlaflabor durchgeführt. Dort wird der Schlaf-Wach-Rhythmus des Betroffenen ärztlich beurteilt. Die Diagnosestellung gestaltet sich im Anschluss jedoch manchmal schwierig, da Müdigkeit und Schläfrigkeit häufige Begleiterkrankungen darstellen und nur schwer von anderen Krankheiten abgegrenzt werden können.

Verhalten anpassen

Eine Hypersomnie kann durch eine Verhaltenstherapie effektiv gelindert werden. In den Therapiestunden werden individuelle Coping-Strategien (Bewältigungsstrategien) erlernt, mit denen die Betroffenen den Schlafdrang kompensieren. Ein Schlaftagebuch kann beispielsweise helfen, die wachen und schläfrigen Phasen zu erkennen, um die Zeit dementsprechend besser einzuteilen.

Schlafdauer

Die Schlafdauer ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Laut der National Sleep Foundation gilt eine Schlafdauer von sieben bis neun Stunden als ideal für erwachsene Menschen. Während einige Menschen mit vier Stunden Schlaf auskommen, benötigen andere Menschen ganze zehn Stunden Schlaf. Betroffene sollten die individuell benötigte Schlafdauer ermitteln. Bei einer abnormen Tagesschläfrigkeit im Alltag mit oder ohne Einschlafattacken sollte in jedem Fall eine medizinische Abklärung (bestenfalls in einem Schlaflabor) erfolgen.

Schlafhygiene

Eine gute Schlafhygiene kann helfen, die Symptome zu lindern. Die Betroffenen sollten in der Nacht ausreichend und regelmäßig schlafen, um die Müdigkeit am Tag zu verringern. Ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung sowie viel Bewegung wirken sich positiv auf das Schlafverhalten aus. Spätes Zubettgehen sowie Alkohol oder Koffein vor dem Einschlafen sollten bestenfalls gemieden werden.

Medikation

Eine stark ausgeprägte Hypersomnie wird in den meisten Fällen durch Medikamente behandelt. Therapiert werden die Symptome. Das bedeutet, dass Medikamente verordnet werden, die eine wachmachende Wirkung haben. In der Regel wird hier auf Stimulanzien wie Modafinil, Methylphenidat oder Amphetamin-Präparate zurückgegriffen.

In einigen Fällen werden auch Blutdruckmedikamente wie Clonidin, das Parkinson-Medikament Levodopa oder bestimmte Formen von Antidepressiva eingesetzt. Ziel der medikamentösen Behandlung ist stets die Verminderung der erhöhten Müdigkeit und Schläfrigkeit im Alltag.

Allerdings kann es bei einigen Medikamenten zu unerwünschten Nebenwirkungen wie innerer Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit oder Herzrasen kommen. Dann sind Medikamente nicht hilfreich, da die bestehenden Probleme eventuell verstärkt werden. Deshalb muss die Medikation unbedingt genau mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Keine Kommentare