Anzeichen

Typisches Kiffer-Verhalten: Woran merkt man, dass jemand Marihuana geraucht hat?

Benedikt Dirrigl

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15.4.2024, 09:41 Uhr
Cannabis hat viele Anwendungsbereiche, neben dem freizeitlichen Gebrauch wird dem "Kraut" auch medizinischer Nutzen zugeschrieben.

© IMAGO/Jochen Eckel Cannabis hat viele Anwendungsbereiche, neben dem freizeitlichen Gebrauch wird dem "Kraut" auch medizinischer Nutzen zugeschrieben.

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Bis zum 1. April 2024 mussten "Kiffer", wie die Konsumenten von Cannabis gerne genannt werden, ihren Gebrauch überwiegend unter dem Radar ausleben. Mittlerweile hat die Ampel-Koalition die oft versprochene Legalisierung von Cannabis durchgesetzt. Studien zufolge hatte aber auch schon zuvor jeder vierte Erwachsene in der EU bereits Cannabis ausprobiert.

Aber was bedeutet eigentlich THC, und kann man Konsumenten an ihrem Verhalten erkennen? In diesem Beitrag gibt es die Antworten.

Kiffen bezeichnet den Konsum von Marihuana. Genau genommen wird üblicherweise das Rauchen der getrockneten Blüten und Blätter der Hanfpflanze als Kiffen bezeichnet. Die psychoaktiven Verbindungen, allen voran Tetrahydrocannabinol (THC), sind für die Wirkung verantwortlich. Cannabis-Konsum kann verschiedene Wirkungen auf Körper und Psyche haben, positive wie auch negative.

Wie sich die Wirkung von Cannabis-Konsum äußert, ist von Person zu Person unterschiedlich. Übliche Effekte sind Euphorie, gesteigerte Entspannung und Appetit, ein verändertes Zeitempfinden und veränderte Sinneswahrnehmungen. Im Körper wird der Dopaminspiegel erhöht. Das Hormon gilt als Glückshormon, wirkt aber auch entspannend.

Als Nebenwirkungen, oder besser negative Auswirkungen des Konsums, können Paranoia, Schwindel, Angst, und eine erhöhte Herzfrequenz auftreten. Auch die Gedächtnisfähigkeit und Konzentrationsstärke können beeinflusst werden. Die Reaktionszeit wird verlangsamt. Die Fahrtüchtigkeit ist nach dem Konsum also deutlich beeinträchtigt.

Besonders der langfristige Cannabis-Konsum kann auch Einflüsse auf die Persönlichkeit haben. Er kann zu Problemen der Gedächtnisleistung und zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen führen. Bei einigen Cannabisnutzern stellen sich mit der Zeit Motivationsprobleme und ein wachsendes Desinteresse an früheren Leidenschaften ein.

In Deutschland ist der Besitz von Cannabis legal. Ab einem Alter von 18 Jahren dürfen Erwachsene bis 25 Gramm der Droge in der Öffentlichkeit mit sich führen und maximal 50 Gramm zu Hause aufbewahren. Auch der Eigenanbau wurde 2024 legalisiert: Bis zu drei Cannabis-Pflanzen sind im Wohnbereich erlaubt. Der Konsum ist in der Öffentlichkeit gestattet, aber nicht in der Nähe von Kindern und Jugendlichen, Schulen, Kitas, Spiel- und Sportplätzen und am Tage auch nicht in Fußgängerzonen.

THC ist auch einige Tage nach dem Konsum im Blut nachweisbar. Auch wenn die kurzfristige Wirkung der Droge bereits abgeklungen ist, kann eine Verkehrskontrolle zur Strafe führen. Einen klaren Cannabis-Grenzwert für Autofahrende gibt es derzeit noch nicht, aus der Rechtsprechung ergibt sich aber ein Wert von 1,0 Nanogramm Tetrahydrocannabinol (THC) pro Milliliter Blutserum (ng/ml). Ab diesem Wert begeht der Fahrer eine Ordnungswidrigkeit.

Mit der Legalisierung von Cannabis in Deutschland soll auch dieser Wert angepasst werden. Eine Expertenkommission hat beispielsweise einen Wert von 3,5 Nanogramm THC als Grenzwert empfohlen, das entspräche in etwa dem gleichen Risiko, das sich aus einem Blutalkohol-Wert von 0,2 Promille ergibt. Rechtskräftig ist allerdings noch nichts.

Ob jemand bekifft ist, macht sich häufig durch einige Anzeichen bemerkbar. Verräterisch sind vor allem die Augen. Glasige, gerötete Augen und erweiterte Pupillen sind charakteristisch für das "Kiffer-Gesicht".

Natürlich kann es auch andere Gründe für das veränderte Aussehen geben. Zugluft, Erreger wie Viren oder Bakterien können ebenso eine Rötung der Augen verursachen, Allergien ebenso. Andere Anzeichen für Cannabis-Konsum sind ein verändertes Sprachverhalten, verminderte Koordination und eine allgemein verlangsamte Reaktionsfähigkeit.

Wurde Cannabis geraucht, erkennt man auch den typischen Geruch. Wer ihn einmal kennenlernt, kann ihn in der Regel zuordnen, obwohl die einzelnen Marihuana-Sorten sich im Geruch unterscheiden. Cannabis riecht süßlich, erdig und krautig, kann aber auch zitronige und pfeffrige Noten aufweisen.

Die Wirkung von Cannabis ist von Person zu Person unterschiedlich. So können auch bestimmte Verhaltensmuster auf manche Menschen zutreffen, die Cannabis konsumieren, auf andere nicht oder nur teilweise.

Ein übliches Verhaltensmuster von Menschen, die Cannabis konsumieren, ist eine gewisse Lockerheit und Entspanntheit. Sie wirken häufig gelassener als andere Menschen. Andererseits sind sie oft unkonzentrierter, denken langsamer oder neigen zu Vergesslichkeit. Gesteigerter Appetit, insbesondere auf ungesunde Snacks, sind ebenfalls ein typisches Verhalten.

In sozialen Situationen sind manche Konsumenten schüchterner oder zurückhaltender als gewöhnlich. Gelegentlich kann es zu impulsiven Reaktionen oder Gereiztheit kommen.

Da sich die Auswirkungen bei verschiedenen Menschen unterschiedlich äußern, handelt es sich bei diesen Verhaltensweisen aber nicht um eine exakte Wissenschaft.

Cannabis ist eine Droge, und wie bei jedem anderen Rauschmittel auch ist der tägliche Konsum schlecht für den Körper.

So kann es schwerwiegende Auswirkungen auf den Körper und die Psyche haben, jeden Tag zu kiffen. Typische Symptome bei Dauerkiffern sind verminderte Motivation, Schlafstörungen, Gedächtnisprobleme und eine verringerte Lebensqualität.

Auch das Risiko von psychischen Erkrankungen wie Angstzuständen und Depressionen wird durch den langfristigen und regelmäßigen Konsum erhöht. Der Mythos, Kiffen mache nicht abhängig, ist mittlerweile widerlegt. Etwa jeder zehnte Konsument gerät in die Abhängigkeit.

Ist der Konsum von Cannabis also grundsätzlich zu verteufeln? Wohl nicht. Denn viele der gesundheitlichen Risiken treten bei gelegentlichem Gebrauch in kleinem Umfang auf. Außerdem findet Marihuana in der Medizin immer häufigeren Nutzen.

Die traditionelle Medizin ist hier in einer Vorreiterrolle, doch mittlerweile hat auch die klassische Schulmedizin nachgezogen. Cannabis findet Anwendung bei der Behandlung chronischer Schmerzen, bei Übelkeit nach einer Chemotherapie oder auch bei Symptomen von Multipler Sklerose (MS).

Zusätzlich zum klassischen Marihuana erfreuen sich mittlerweile auch THC-freie Cannabis-Produkte größer werdender Beliebtheit, denn auch ihnen werden positive Auswirkungen nachgesagt. Sie sind in der Regel legal erhältlich und werden bei Stress, Depression, Regelschmerzen, Ängsten oder Schlafstörungen eingesetzt.

Der THC-Anteil solcher Cannabidiol-Produkte (CBD) liegt unter 0,2 Prozent, womit sie vom Bundesinstitut für Risikobewertung nicht als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Dennoch sind die Produkte nicht unumstritten.

Es gibt viele Studien, die sich vornehmlich mit den negativen gesundheitlichen Auswirkungen befassen. Auch die Folgen für die sexuelle Aktivität der Konsumenten werden dabei abgedeckt. So sollen vor allem männliche Dauerkiffer unter den Konsequenzen ihres Konsums leiden, denn das Risiko für Erektionsstörungen sei deutlich erhöht. In anderen Studien heißt es wiederum, dass nicht nur die Erektionsfähigkeit, sondern auch die Anzahl und Qualität der Spermien verringert sei.

Das Bild des müden, faulen Kiffers wird vervollständigt durch die Annahme, die Trägheit wäre auch für etwaige Annäherungen mit Partnerinnen oder Partnern zu groß. Es gibt aber auch Studien, die eine andere Richtung einschlagen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Demnach soll der Cannabis-Konsum Gehirnregionen stimulieren, die mit sexueller Erregung und Aktivität in Verbindung gebracht werden.

Diese Annahme scheint durch eine Befragung, die in den USA durchgeführt wurde, bestätigt zu werden. Die Befragung ergab einen linearen Zusammenhang zwischen dem Cannabis-Konsum der Befragten und der Frequenz ihrer sexuellen Aktivitäten. Eine aphrodisierende Wirkung von Marihuana liegt also nahe.

Bei aller Diskussion um die positiven und negativen Auswirkungen muss sich der Otto-Normal-Verbraucher aber dennoch die Frage nach der Legalität von Cannabis stellen. Die Antwort darauf variiert je nach Standort.

In manchen Ländern ist der medizinische oder freizeitliche Konsum von Cannabis legal oder zumindest geduldet. In anderen Ländern ist Marihuana nach wie vor verboten.

In Deutschland ist seit der letzten Bundestagswahl die Debatte um die Legalisierung in vollem Gange. Ein Gesetzesentwurf, nach dem Volljährige künftig bis zu 25 Gramm mit sich führen dürfen und drei Pflanzen für den Eigenbedarf selbst anbauen können, wurde mittlerweile vom Bundeskabinett beschlossen. Der Bundestag und der Bundesrat werden im Herbst dazu beraten, bevor der Bundestag ein Gesetz beschließen wird. Spätestens Anfang 2024 soll das Gesetz zur Legalisierung nach aktuellem Stand in Kraft treten.


Häufig gestellte Fragen zum Thema "typisches Kiffer-Verhalten":

"Stoned" ist ein Begriff aus dem Drogenjargon. "Stoned" zu sein bedeutet, unter dem Einfluss von Rauschmitteln, insbesondere Cannabis, zu stehen.

Ärzte können Cannabis-Produkte als Arzneimittel verschreiben. Die Präparate erhält man gegen Rezept in einer Apotheke. Cannabis wird in der Medizin bei folgenden Krankheitsbildern manchmal eingesetzt:

  • chronische Schmerzen
  • Spastizität bei Multipler Sklerose und Paraplegie
  • Epilepsie
  • Übelkeit und Erbrechen nach Chemotherapie 
  • zur Appetitsteigerung bei HIV/AIDS
  • bei Angststörungen
  • bei Schlafstörungen

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