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Urlaubsanspruch bei Kündigung: Berechnung, Ausnahmen und Auszahlung

Simone Madre
Simone Madre

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8.3.2022, 14:58 Uhr
Der Urlaubsanspruch kann je nach Kündigungsart variieren. 

© Firdia Lisnawati/AP/dpa/Archivbild Der Urlaubsanspruch kann je nach Kündigungsart variieren. 

Ein Arbeitsverhältnis kann aus unterschiedlichen Gründen beendet werden. Die Kündigung kann sowohl seitens des Arbeitnehmers als auch des Arbeitgebers gewünscht sein. In jedem Fall sollten Arbeitnehmer ihren Anspruch auf Resturlaub geltend machen und diesen nicht verfallen lassen, da der Anspruch das Einkommen deutlich aufwerten kann. Zugleich steht einem Arbeitnehmer der Urlaub gesetzlich zu.

Urlaubsanspruch: Was gilt nach der Kündigung?

Nach einer Kündigung stellen sich viele Arbeitnehmer die Frage, wie viel Resturlaub ihnen noch zur Verfügung steht. Dies ist grundsätzlich abhängig vom Zeitpunkt, an dem das Arbeitsverhältnis endet. Viele Arbeitnehmer wissen nicht, dass sie bei einer Kündigung in der zweiten Jahreshälfte oft Anspruch auf den vollen Jahresurlaub haben. Der Urlaubsanspruch ist im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) geregelt. Daher erfolgt die Berechnung exakt nach den Vorgaben des Gesetzes beziehungsweise des individuellen Arbeitsvertrags. Mehr dazu lesen Sie unten.

Ordentliche und außerordentliche Kündigung: Gibt es Unterschiede beim Urlaubsanspruch?

In der deutschen Rechtspraxis und Berufswelt existieren unterschiedliche Arten der Kündigung. Grundsätzlich kann das Arbeitsverhältnis sowohl ordentlich als auch außerordentlich gekündigt werden. Doch gibt es dann Unterschiede beim Urlaubsanspruch?

Urlaubsanspruch bei ordentlicher Kündigung

Liegt eine ordentliche Kündigung vor, endet das Arbeitsverhältnis nach Ablauf der vertraglich geregelten Kündigungsfrist. Wenn der Arbeitgeber den zustehenden Urlaub verwehrt, handelt er rechtswidrig. Grundsätzlich gilt, dass der Resturlaub bei einer ordentlichen Kündigung gewährt werden muss.

Urlaubsanspruch bei außerordentlicher Kündigung

Im Falle einer außerordentlichen (fristlosen) Kündigung hat der Arbeitnehmer grundsätzlich ebenfalls Anspruch auf seinen Resturlaub. Da hier das Arbeitsverhältnis bereits beendet wurde, erfolgt meistens eine sogenannte Urlaubsabgeltung, sodass der Arbeitgeber die Urlaubstage ausgezahlt bekommt.

Wie wird der Resturlaub bei Kündigung berechnet?

Der Anspruch auf Resturlaub fällt je nach Zeitpunkt der Kündigung im Laufe des Jahres unterschiedlich hoch aus.

Fall 1: Kündigung in der ersten Jahreshälfte

Kündigt ein Arbeitnehmer in der ersten Jahreshälfte, bis zum 30. Juni, richtet sich der Anspruch auf Resturlaub anteilig nach der Dauer, in welcher der Mitarbeiter im Unternehmen angestellt war. Der Arbeitnehmer bekommt ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat angerechnet. Wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel zum 31. Mai kündigt, erhält er bei insgesamt 30 Urlaubstagen noch 12,5 Tage Resturlaub (30 Urlaubstage / 12 Monate x 5 Monate).

Wenn bereits Urlaubstage vom Unternehmen gewährt wurden, werden diese selbstverständlich abgezogen. Bei der Berechnung des verbleibenden Urlaubs werden Bruchteile ab einem halben Tag grundsätzlich aufgerundet. In dem vorliegenden Beispiel ergibt der Anspruch auf Resturlaub somit 13 Tage. Bei Bruchteilen, die unter einem halben Urlaubstag liegen, werden diese vom Arbeitgeber ausbezahlt. Vertragliche Regelungen können davon allerdings abweichen, da den Arbeitgebern und -nehmern Gestaltungsspielraum zusteht.

Fall 2: Kündigung in der zweiten Jahreshälfte

Beendet ein Arbeitnehmer innerhalb der zweiten Jahreshälfte seinen Arbeitsvertrag, steht ihm laut Bundesurlaubsgesetz der volle Jahresurlaub zu, vorausgesetzt das Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens Anfang des Jahres. Die gesetzliche Regelung besagt, dass der volle Urlaubsanspruch nach sechsmonatigem Bestehen eines Arbeitsvertrages geltend gemacht werden kann.

Wer 30 Urlaubstage hat und nach mindestens sechsmonatiger Beschäftigung zum 1. Juli aus dem Unternehmen ausscheidet, erhält für das Jahr also die vollen 30 Urlaubstage. Es gibt allerdings auch eine Klausel im Arbeitsvertrag, die das verhindern kann.

Welche Ausnahmen gibt es bei der Urlaubsabgeltung?

Eine sogenannte "pro rata temporis"-Klausel im Arbeitsvertrag beschränkt den vollen Urlaubsanspruch. Wenn der Arbeitsvertrag eine solche Klausel enthält, ist der Arbeitgeber berechtigt, dem Arbeitnehmer den Urlaub anteilig zu beschränken, wenn das Arbeitsverhältnis in einem laufenden Jahr beginnt oder endet.

Diese Regelung betrifft nur Urlaubstage, die über den gesetzlichen Mindesturlaub (20 Tage bei einer 5-Tages-Woche) hinausgehen. Findet diese Klausel im Arbeitsvertrag keine Berücksichtigung, steht dem Arbeitnehmer in der zweiten Jahreshälfte der volle Jahresurlaub zu. Zugleich muss im Einzelfall geprüft werden, ob die "pro rata temporis"-Klausel den gesetzlichen Anforderungen genügt.

Wann verfallen die Resturlaubstage?

Seit 2018 verliert ein Arbeitnehmer seine Ansprüche auf bezahlten Jahresurlaub nicht automatisch, nur weil er keinen Urlaub in Anspruch genommen hat. Der Europäische Gerichtshof hat diesbezüglich klargestellt, dass es in der Verantwortung des Arbeitgebers liegt, den jeweiligen Urlaub seinen Mitarbeitern zu gewähren und diesen andernfalls darauf hinzuweisen.

Der Jahresurlaub darf nur dann verfallen, wenn der Arbeitgeber nachweist, dass er seinen Mitarbeiter in angemessener Form über den Verfall aufgeklärt hat und dieser die Möglichkeit hatte, seine Urlaubstage zu nehmen. Dies bedeutet, dass der Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, den betroffenen Arbeitnehmer förmlich aufzufordern, seinen Urlaub zu nehmen. Erst dann erlischt der Urlaubsanspruch, wenn dieser nicht zuvor vom Arbeitnehmer geltend gemacht wurde.

Muss der Arbeitgeber den Urlaub bei Kündigung auszahlen?

Ein Arbeitnehmer muss seinen Urlaub – wenn möglich – nehmen, solange das Arbeitsverhältnis besteht. Falls der Urlaub nicht mehr genommen werden kann, da das Arbeitsverhältnis nun nicht mehr besteht, kann der Arbeitnehmer die Tage ausbezahlt bekommen. Der Arbeitnehmer bekommt also Geld für die verbliebenen Urlaubstage. Dies wird als sogenannte "Urlaubsabgeltung" bezeichnet.

Zugleich können Arbeitnehmer und -geber grundsätzlich vertraglich regeln, dass ebenfalls die Auszahlung von normalen Urlaubstagen möglich ist. Dann hat der Arbeitnehmer beispielsweise die Wahl, ob er Freizeit bevorzugt oder lieber Geld auf sein Konto überwiesen bekommt.

Die Abgeltung und der genaue Geldwert bemessen sich am durchschnittlichen Brutto-Einkommen der vergangenen 13 Wochen. Dies ist gesetzlich in §11 des Bundesurlaubsgesetzes (BUrIG) geregelt.

Welche Rechte hat man als Arbeitnehmer?

Viele Arbeitnehmer stellen sich nach Beendigung eines Arbeitsvertrags die Frage, ob ihr Resturlaub genehmigt wird oder ob ihr Arbeitgeber den Urlaub einfach ausbezahlen kann. Grundsätzlich gilt folgende Regelung, die für eine ordentliche Kündigung relevant ist, bei welcher der Arbeitnehmer noch für eine bestimmte Zeit im Unternehmen verbleibt: Arbeitgeber und Arbeitnehmer dürfen grundsätzlich nicht frei zwischen Urlaub und der Auszahlung wählen. "Geld gegen Erholung" widerspricht dem Grundgedanken des Bundesurlaubsgesetzes. Daher ist es grundsätzlich nicht möglich, sich auf Eigenwunsch den Urlaub auszahlen zu lassen. Wenn der Arbeitsvertrag aufgrund einer Kündigung vorzeitig beendet wird, sind jedoch ausnahmsweise Urlaubstage mit Geld abzugelten.

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