Preis ab 47.490 Euro - Marktstart im Juni

Neuer bZ4X: Auch Toyota fährt jetzt vollelektrisch

Ulla Ellmer

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15.6.2022, 20:27 Uhr
Der Toyota bZ4X basiert auf der skalierbaren Elektro-Plattform "eTNGA". Sie soll noch eine Vielzahl weiterer Modelle tragen.

© Hersteller Der Toyota bZ4X basiert auf der skalierbaren Elektro-Plattform "eTNGA". Sie soll noch eine Vielzahl weiterer Modelle tragen.

Der Termin war eine Punktlandung: Sein erstes reines batterieelektrisches Auto stellte Toyota just an dem Tag vor, an dem das EU-Parlament eine für die Autobranche ungemein wichtige Entscheidung verkündete: Ab 2035 dürfen von Pkws und leichten Nutzfahrzeugen bekanntermaßen keinerlei CO2-Emissionen mehr ausgehen. De facto kommt das einem Verbrenner-Verbot gleich – und damit auch von Hybridfahrzeugen, die in besonderem Maße die Expertise des japanischen Herstellers sind. Mit dem ersten Prius war Toyota schon im Jahr 1997 ein echter Coup gelungen; der Hybrid-Pionier und seine vielen Erben haben nebst des Wasserstoff-Angebots um den Mirai maßgeblich dazu beigetragen, dass die Marke bis heute als Öko-Spezialist wahrgenommen wird.

Klare Kante: Toyotas erster reiner Stromer bZ4X.

Klare Kante: Toyotas erster reiner Stromer bZ4X. © Hersteller

Den Einstieg ins pure Fahren mit Strom hingegen hat Toyota lange hinausgezögert, anders als die Konkurrenz, die auf diesem Gebiet deutlich weiter ist. Chefingenieur Daisuke Ido macht aus der Erklärungs-Not eine Tugend und bringt die erwähnte Erfahrung mit der Hybrid-Technologie ins Spiel, die ja zumindest teilelektrisch vorgeht und von der nun der bZ4X entscheidend profitieren soll.

bZ als Submarke

Der zungenbrecherische Name weckt weiteren Erklärungsbedarf: „bZ“ steht für die neue Submarke „Beyond Zero“, was bedeutet, dass man noch über das Null-Emissions-Ziel hinauswill, ab 2035 sollen zumindest in Europa nur noch elektrische Fahrzeuge angeboten werden, ab 2050 will der Konzern klimaneutral sein. Dann die 4: Sie stellt die größentechnische Einordnung klar, mit 4,69 Metern ist der bZ4X in etwa so lang wie das Toyota-SUV RAV4. Und „X“ sortiert das Modell als Crossover ein. Mit dem baugleichen Solterra hat Subaru sich und der Kundschaft die Namensgebung etwas leichter gemacht.

Gängige Kombination: Touchscreen und digitales Fahrerdisplay - letzteres allerdings verhältnismäßig weit zurückgesetzt.

Gängige Kombination: Touchscreen und digitales Fahrerdisplay - letzteres allerdings verhältnismäßig weit zurückgesetzt. © Hersteller

Kurzer Blick auf die Optik: Wie alle Toyotas steckt auch der bZ4X in einem expressiven Kleid, keine Scheu vor Kanten und scharfen Konturen also. Loungig-wohnlich, wenn auch nicht ganz hartplastikfrei geht es hingegen im Interieur zu, dessen Armaturenträger die heute übliche Kombination aus großformatigem Touchscreen und digitalem Fahrerinstrumentarium bietet. Letzteres ist vergleichsweise weit nach hinten gerückt, in Kombination mit dem tief positionierten, eher kleinen Lenkrad erinnert das an die gängige Praxis von Peugeot – etwa beim 308 - und kann nicht unbedingt überzeugen, denn abhängig von der Sitz-Lenkrad-Einstellung verdeckt das Volant mitunter die Instrumentierung. Wie Peugeot begründet auch Toyota mit der genannten Lösung den Verzicht auf ein Head-up-Display.

Auch mit Allrad

Der bZ4X steht in zwei Varianten zur Wahl: Einmal als Fronttriebler mit 150 kW/204 PS und einmal als 160 kW/218 PS starker Allradler mit zweitem E-Motor an der Hinterachse. Das Talent des von Subaru entwickelten X-Mode-Systems ist tatsächlich ein ausgeprägtes, Fahrprogramme wie „Snow/Mud“ gestatten Fahrten mit maximal 20 km/h auch durch tiefen Schnee oder Matsch, 50 Zentimeter Watttiefe helfen zumindest durch flachere Fluten, der Modus „Grip Control“ geleitet bei Geschwindigkeiten unter 10 km/h fürsorglich über anspruchsvolleres Offroad-Terrain, und bei Bergab-Kletterei unterstützt die „Downhill Assist Control“.

Ein Extrafach im Gepäckabteil ist für die Ladekabel gedacht.

Ein Extrafach im Gepäckabteil ist für die Ladekabel gedacht. © Hersteller

Trotzdem: Ob es solche Fähigkeiten wirklich braucht, wird sich die Käuferschaft gut überlegen, denn erstens erfordern sie einen Aufpreis von 3000 Euro und zweitens gehen sie mit einer Verringerung der Reichweite einher, die gleich um rund 100 Kilometer schrumpft, von maximal 513 beim Fronttriebler auf 415 Kilometer beim Allradmodell.

Solardach in Aussicht

Wir nehmen den bZ4X mit auf eine erste Ausfahrt. Erkenntnis: Toyota hat seine Sache gut gemacht. Wie alle E-Autos kommt der neue Stromer flink vom Fleck, den Standardsprint von 0 auf 100 km/h vollzieht er in 6,9 beziehungsweise (Fronttriebler) 7,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird jeweils bei 160 km/h abgeregelt. Und grundsätzlich agiert der Elektro-Crossover gleichermaßen kurvensicher wie komfortabel, tätige Mithilfe leisten die gängigen Assistenzsysteme. Ausblick auf 2023: Im kommenden Jahr wird optional ein Steer-by-Wire-System verbaut, bei dem die Lenkbefehle elektronisch weitergegeben werden. Ebenfalls in Aussicht steht ein Solardach, das – viele sonnige Tage vorausgesetzt - Energie für etwa 1800 Kilometer pro Jahr generieren soll.

Erst später dreiphasig

Apropos Stromversorgung: Nicht ganz nachvollziehbarerweise ist die – tief im Unterboden installierte - 71,4-kWh-Batterie zum Marktstart nur einphasig und mit bis zu 6,6 kW zu laden, erst Richtung Jahresende hin steigt Toyota auf einen leistungsfähigeren Dreiphasen-11-kW-Charger um. Gleichstrom-Schnellladen kann der bZ4X indes schon jetzt, konkret mit bis zu 150 kW, in einer halben Stunde lässt sich der Akku so von 0 auf 80 Prozent befüllen.

An der Schnellladestation ist der bZ4X im Idealfall binnen einer halben Stunde von 0 auf 80 Prozent Ladestand gebracht.

An der Schnellladestation ist der bZ4X im Idealfall binnen einer halben Stunde von 0 auf 80 Prozent Ladestand gebracht. © Toyota

Verbesserungsbedarf in Sachen Lademanagement besteht auch insofern, als sich der Akku derzeit noch nicht in Kooperation mit dem Navi für den Aufenthalt an der Ladestation vorkonditionieren lässt, und auch bei der Routenplanung an sich kann das Navi keine Ladestopps mit einbeziehen. Gut hingegen: Eine Wärmepumpe gehört zur Serienausstattung.

Rundum-Sorglos-Programm

Womit wir schon beim Preis wären, und der ist nicht unerheblich: 47.490 Euro fürs Basismodell, 59.990 Euro für die vollausgestattete AWD-Topversion. Die meisten Kunden, so schätzt Toyota, werden den neuen Stromer allerdings leasen, die monatliche Rate beträgt ab 329 Euro. Und ein Rundum-Sorglosprogramm namens „Kanzen“ soll den Umstieg aufs E-Auto entkomplizieren – neben der Leasinggebühr bündelt es Services wie Wartung, Versicherung, Wallbox, Ladekarte und Beratung hinsichtlich Förderung oder Photovoltaik. Als vertrauensbildende Maßnahme gewährt Toyota zudem auf die Batterie eine Garantie über zehn Jahre oder eine Million Kilometer – danach soll der Akku noch immer 70 Prozent Ausgangskapazität aufweisen, mindestens.

Toyota bZ4X in Kürze:

Wann er kommt: Ist bereits bestellbar

Wen er ins Visier nimmt: Subaru Solterra, VW ID.5, Kia EV6, Hyundai Ioniq 5, Ford Mustang Mach-E etc.

Was ihn antreibt: Elektromotor mit 150 kW/204 PS (Frontantrieb), zwei Elektromotoren mit insgesamt 160 kW/218 PS (Allradantrieb X-Mode)

Was er kostet: Ab 47.490 Euro

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