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Dienstag, 02.06.2020

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Fränkin startet mit dem ersten Menstruationsladen der Welt

Ansbacherin will Tabuthema ins Gespräch bringen - Regionale Produktvielfalt - 22.01.2020 15:27 Uhr

In ihrem Laden in der Ansbacher Kannenstraße verkauft Wagner verschiedenste Stoffbinden für Frauen. © Luisa Reindl


FrankenSein: Frau Wagner, was ist Ihre Mission?

Wagner: Meine Mission ist es, für ein gutes Gefühl in den Unterhosen der Frauen zu sorgen. Nicht nur durch meinen Menstruationsladen oder meinem Online-Shop, sondern besonders durch meine eigenen Produkte. Ich will, dass die Menstruation ins Gespräch kommt.

FrankenSein: Was genau ist ein Menstruationsladen?

Wagner: In meinem Laden gibt es Produkte für Frauen in jedem Alter. Nicht nur für die Menstruation oder das Wochenbett, sondern auch für Frauen, die noch nicht bluten oder nicht mehr bluten. Zum Beispiel Einlagen für eine schwache Blase, aber auch Produkte für die Zeit zwischen den Tagen.


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FrankenSein: Wie kamen Sie auf die Idee?

Wagner: Einerseits war es eine Blitzidee, andererseits ein langer Prozess. Ich hatte ja schon den Online-Shop und der Traum eines eigenen Ladens ist als gelernte Einzelhandelskauffrau immer da. Aber das geht natürlich nicht so einfach. Du brauchst was eigenes, etwas wofür du brennst. Das hatte ich dann, aber ein Menstruationsladen? Das kann man doch nicht machen. Irgendwann dachte ich mir: Doch ich mach das, man muss über die Menstruation reden.


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von frankensein.de.


Die 37-jährige Selbermacherin Stefanie Wagner ist gebürtige Ansbacherin und lernte erst Einzelhandelskauffrau. © Luisa Reindl


FrankenSein: Wieso in Ansbach und nicht zum Beispiel in München wie andere Start-Ups?

Wagner: Ich hab wirklich lang überlegt, aber ich bin im Herzen einfach Ansbacherin. Die Stadt musste mal ein bisschen aufgemischt werden und ich wusste, wenn es in Ansbach angenommen wird, dann kann ich mit meinen Produkten in die ganze Welt.

Menstruationsladen in Franken: Umweltschonend und ohne Abfall

FrankenSein: Wie werden die Produkte hergestellt und woher werden die Stoffe bezogen?

Wagner: Meine eigenen Produkte bestehen aus verschiedenen Schichten. Sie werden im Kreis Ansbach von einer kleinen Näherei hergestellt und die Stoffe werden größtenteils aus Deutschland bezogen und sind bio. Sogar die unterste Schicht, der Auslaufschutz, ist bio, atmungsaktiv, wasserdicht und wird in Deutschland produziert. Der Transportweg der fertigen Produkte ist dadurch natürlich auch sehr kurz.

FrankenSein: Sind die Binden wirklich hygienisch und belastet das einzelne Waschen nicht die Umwelt?

Wagner: Ja, auf jeden Fall. Meine Binden kann man auf 95 Grad waschen, das wird praktisch alles gekocht. Umweltschonend sind sie auch! Es entsteht kein Müll, die Binden können bis zu zehn Jahre benutzt werden und man kann sie, wenn man möchte, auch mit der üblichen Kochwäsche waschen. Man kann sie übrigens auch in den Trockner werfen.


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Menstruation ist "wahnsinnig großes Tabuthema"

FrankenSein: Wieso denken Sie, gibt es weltweit nur einen Menstruationsladen, obwohl das Thema jede Frau betrifft?

Wagner: Es ist ein wahnsinnig großes Tabuthema. Jemand, der sich in solch ein Laden stellt, muss cool sein, muss offen über das Thema reden können und sich natürlich auskennen. Das kann nicht jeder.

FrankenSein: Wie meinen Sie, kann man der Hemmschwelle entgegengehen?

Wagner: Einfach darüber reden. Es betrifft jede Frau. Und auch mal die schönen Geschichten erzählen und nicht nur die Horrorgeschichten. Die sind natürlich auch wichtig: So merken viele, dass sie nicht alleine sind und werden offener. Tauscht euch aus, traut euch, wenn eine anfängt das Thema anzusprechen, trauen sich immer mehr.

Luisa Reindl FrankenSein

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