Augenexperte: So beobachten Sie die Sonnenfinsternis sicher

18.3.2015, 06:00 Uhr
Professor Christian Mardin ist Leitender Oberarzt und Netzhautspezialist an der Augenklinik der Universität Erlangen.

Professor Christian Mardin ist Leitender Oberarzt und Netzhautspezialist an der Augenklinik der Universität Erlangen. © privat

Herr Mardin, was muss man am Freitag beim Blick in die Sonne beachten?

Christian Mardin: Man muss seine Augen auf jeden Fall gut schützen, eine Sonnenbrille reicht da nicht aus. Das direkte Licht der Sonne ist 50.000 Mal so stark, wie das Licht, das wir sonst von Gegenständen reflektiert sehen. Deshalb sollte man unbedingt eine spezielle Schutzbrille mit CE-Prüfsiegel verwenden. Wichtig ist, dass die Folie keine kleinen Löcher hat, auch das kann schon gefährlich fürs Auge werden. Alte Brillen von der letzten Sonnenfinsternis sind also ebenfalls nicht zu empfehlen. Davon Fernrohre zu verwenden, sollte man absehen, da sie das Licht noch einmal bündeln, die Gefahr einer Blendung wäre also noch größer.

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Was ist denn an den Sonnenstrahlen so gefährlich?

Christian Mardin: Besonders die für uns nicht sichtbaren UV- und Infrarot-Strahlen verursachen den Schaden. Die Spezialbrillen filtern aber diese Strahlen aus dem Licht, so dass man die Sonnenfinsternis sicher genießen kann.

Was kann denn überhaupt passieren, wenn man ungeschützt in die Sonne schaut?

Christian Mardin: Im schlimmsten Fall kann man erblinden. Wenn das Sonnenlicht direkt auf Augenlinse und Hornhaut trifft, wird es zusätzlich gebündelt und auf die Netzhaut projiziert. Durch die Stärke des Sonnenlichts kann die Netzhaut dabei stark geschädigt werden, das kann innerhalb von Sekunden passieren. Aber gerade die Mitte der Netzhaut brauchen wir, um scharf sehen zu können. Bei einer Schädigung sieht man dann für sein restliches Leben nur mehr einen schwarzen Fleck und die Sehfähigkeit kann auf 10 Prozent zurück gehen.

Manchmal hat man ja Nachbilder, wenn man lange auf etwas Helles geschaut hat. Ist das schon ein Symptom von einer Netzhautverbrennung?

Christian Mardin: Das ist noch keine Netzhautverbrennung. Wenn das Nachbild wieder verschwindet, hat sich die Netzhaut regeneriert. Bei einer richtigen Netzhautverbrennung werden die Sehzapfen auf der Netzhaut richtig gehend verbrannt und man hat zudem starke, stechende Schmerzen im Moment der Blendung.

Gibt es Menschen, die besonders aufpassen sollten?

Christian Mardin: Weitsichtige Menschen mit das Licht bündelnden Gläsern müssen aufpassen, aber auch Kinder können besonders gefährdet sein. Zum einen besitzen sie oft nicht das Gefahrenbewusstsein, zum anderen ist ihre Augenlinse viel klarer als die von Erwachsenen, das Licht trifft also noch ungebremster auf die Netzhaut.

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Inzwischen sind die Spezial-Sonnenbrillen in vielen Geschäften schon ausverkauft. Was ist von selbst gebastelten Lösungen wie einer rußgeschwärzten Glasscheibe zu halten?

Christian Mardin: Auf so etwas sollte man auf gar keinen Fall zurück greifen. Ein kleines Löchlein in der Rußschicht reicht schon für einen bleibenden Schaden. Als Augenarzt wünscht man sich da zum Wohle der Menschen eigentlich einen verregneten Tag. Zum Glück sind die Menschen in Deutschland aber recht gut aufgeklärt, bei der letzten Sonnenfinsternis hatten wir nur zwei Patienten.

Dieses Video wird präsentiert von Franken Fernsehen

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