Abkochgebot gilt weiter

Mit Chlor gegen die Darmbakterien im Trinkwasser: Das wird im Landkreis unternommen

19.7.2021, 22:07 Uhr
E.coli Bakterien wurden im Trinkwasser nachgewiesen. Mit Chlor werden sie nun bekämpft.

E.coli Bakterien wurden im Trinkwasser nachgewiesen. Mit Chlor werden sie nun bekämpft. © Science Photo Library via www.imago-images.de

Der Wasserkocher hat derzeit viel zu tun. Trinkwasser, das Wasser zum Zähneputzen – alles wird abgekocht. Beim Duschen bleibt der Mund zu, vorsichtshalber. Am Freitagabend hatte das Landratsamt per Pressemitteilung ein Abkochgebot für Bad Windsheim und etliche umliegende Gemeinden erlassen. Durch das Hochwasser am 9. Juli waren Darmbakterien in das Leitungsnetz geraten. Stand gestern Abend gilt das Abkochgebot auch weiterhin.


Darmbakterien im Trinkwasser: Nächster Landkreis in Mittelfranken betroffen


Der Wasserkocher ist derzeit ein besonders wichtiges Küchengerät. Einmal sprudelnd aufkochen lassen und dann langsam abkühlen lassen. So ist das Wasser sicher keimfrei.

Der Wasserkocher ist derzeit ein besonders wichtiges Küchengerät. Einmal sprudelnd aufkochen lassen und dann langsam abkühlen lassen. So ist das Wasser sicher keimfrei. © Claudia Lehner, NN

Entstanden ist das Problem jedoch nicht, als in Bad Windsheim, in Obernzenn oder in Ipsheim Straßen und Keller unter Wasser standen. Der Ursprung liege zwischen Windsbach und Wassermungenau im Rezattal, wie Dr. Hermann Löhner, Werkleiter der Fernwasserversorgung Franken (FWF), auf WZ-Nachfrage erklärt. Dort haben die Überschwemmungen „vermutlich zwei Brunnen der Reckenberg-Gruppe“ verunreinigt, wie es auf der Internetseite des Unternehmens heißt.

Ursprung der Verunreinigung im Rezattal

Das Wasser von dort wird auch an die FWF geliefert – die Übergabestelle ist westlich von Ansbach – und dann von den Wasserversorgern vor Ort, beispielsweise den Stadtwerken Bad Windsheim, weiterverteilt.
Sobald die Reckenberg-Gruppe Mittwoch früh über eine Verunreinigung in ihrem Gebiet informiert hätte, habe die FWF sofort reagiert und, wo es möglich war, die Wasserversorgung umgestellt. Bad Windsheim, Burgbernheim, Illesheim, Gallmersgarten, Ipsheim und Marktbergel werden seitdem mit Wasser aus Sulzfeld versorgt. Das sei unbelastet und ohnehin seit 20 Jahren wegen der Lage am Main für den Transport in geringem Maße gechlort, erklärt Löhner. Einzig Obernzenn habe man nicht umstellen können, dort fließe weiter Wasser der Reckenberg-Gruppe aus der Leitung, werde aber nun gechlort.

Schnelle Maßnahmen

„Schneller hätte es nicht gehen können“, sagt Löhner über die ergriffenen Maßnahmen. Das Abkochgebot habe erst erlassen werden können, als Freitagmorgen die Ergebnisse der Beprobung ergeben hatten, dass in den Gemeinden im hiesigen Landkreis tatsächlich E. coli und colikonforme Keime vorhanden waren.
Thomas Hartlehnert, Leiter der Bad Windsheimer Stadtwerke, rechnet für den Dienstag, 19. Juli, mit den Ergebnissen der jüngsten Beprobung. Fallen diese negativ aus, heißt das nicht, dass das Abkochgebot sofort fällt. Laut Dr. Thomas Baumeister, Chef des Gesundheitsamtes in Neustadt, seien verschiedene Faktoren relevant Zum Beispiel, ob das Chlor alle Teile des Leitungssystems erreicht hat, und auch dass die mikrobakteriellen Untersuchungen negativ ausfallen. Man werde sich außerdem mit den Nachbarlandkreisen absprechen und eventuell erst gemeinsam das Abkochgebot aufheben.


Eine große Gesundheitsgefahr gehe jedoch von der Verunreinigung wohl nicht aus. Die Chancen, krank zu werden, seien „eher gering“, sagt Baumeister. Beziffern ließen sie sich aber nicht, das hänge von der Konzentration der Bakterien im Wasser und der Menge des getrunkenen Wassers ab. Baumeister sind bisher keine Fälle bekannt, in denen sich im Landkreis Menschen in den vergangenen Tagen über Trinkwasser infiziert haben. Laut Hartlehnert war die Keimkonzentration „nicht besorgniserregend“, das Abkochgebot eine Vorsichtsmaßnahme, um ohnehin belastete Personen oder Babys nicht zu gefährden. Aber: „Darmbakterien haben im Trinkwasser nichts verloren.“


Das Wasser, das nun nachläuft, ist sauber und gechlort, es müsse sich aber im ganzen Netz verteilen, erklärt Löhner. Zur Wasserverschwendung wolle er nicht aufrufen, aber es könne sinnvoll sein, kaum genutzte Leitungen durchzuspülen: wie die für die Gästetoilette. Oder auch den Hahn im nicht genutzten Sportheim mal für eine Viertelstunde laufen lassen.

Werk in der Eifel unter Wasser

Wasser kommt im Landkreis ja nicht nur aus der Leitung, es wird sogar in Flaschen abgefüllt. „Nein, wir sind nicht betroffen“, betont Stefan Beyer, Geschäftsführer von Franken Brunnen. Das Mineralwasser wird aus viel tieferen Schichten gefördert. „Wir sind froh, dass wir mit den Oberflächenbeeinträchtigungen nichts zu tun haben“, sagt er zu den Verunreinigungen. Zum Glück sei auch das Werk in Bad Windsheim nicht vom Hochwasser getroffen worden.
Anders sieht es in der Eifel aus. Dort stand ein Betrieb von Franken Brunnen 2,50 Meter unter Wasser und Beyer war gestern beim Telefonat mit der Zeitung gerade vor Ort, um die Schäden zu begutachten. „Das sieht übel aus.“

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