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Deutsche Bahn reaktiviert stillgelegte Gleise in Franken

Freistaat hinkt im Vergleich hinterher - Busse sinnvoller? - 30.01.2020 11:58 Uhr

Für die Gartenschau in Wassertrüdingen (Landkreis Ansbach) wurde auch die Bahnstrecke der "Hesselbergbahn" von Gunzenhausen nach Nördlingen teilreaktiviert. © Peter Tippl


Die Gartenschau in Wassertrüdingen war ein Erfolg. Am Ende kamen deutlich mehr als die ursprünglich prognostizierten 250.000 Besucher, was nicht nur mit den vielen Veranstaltungen und dem sonnigen Wetter des Jahres 2019 zusammenhing, sondern auch mit der guten Erreichbarkeit des ehemaligen Markgrafenstädtchens im Landkreis Ansbach.


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Um Besuchern aus Nordbayern die An- und Abreise zu erleichtern, wurde die Bahnstrecke zwischen Gunzenhausen und Wassertrüdingen teilreaktiviert. Wo seit 1985 kein Personenverkehr nach Fahrplan mehr stattfand und nur noch eine Museumsbahn und Güterzüge verkehrten, ging es für ein paar Monate wieder direkt über Roth, Pleinfeld und Gunzenhausen nach Wassertrüdingen beziehungsweise in Gegenrichtung nach Nürnberg.

Reaktivierung der "Romantischen Schiene"

Im Vorfeld hatte die Bayern Bahn als Eigentümer der Strecke gemeinsam mit der Stadt Wassertrüdingen und DB Regio Bayern die Linie für die Sonderzüge ertüchtigt und wenn alles nach Plan läuft, werden in die Gleise und Stationen der "Hesselbergbahn" in den nächsten Jahren etliche Millionen Euro fließen, damit spätestens ab 2024 tatsächlich wieder ein regelmäßiger Schienenpersonennahverkehr (SPNV) stattfinden kann.

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Die Chancen dafür stehen gut, weil hier die Kriterien für eine Reaktivierung auch aus Sicht des Freistaats gegeben sind. Ebenso wie für die "Romantische Schiene" zwischen Dinkelsbühl und Dombühl hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den Schienenpersonennahverkehr ausschreibt, plant und finanziert, für den Fall der Reaktivierung eine Bestellgarantie abgegeben.

Diese Gemeinden wünschen sich Strecken

Weitere Planungen existieren auch für die Strecke Lohr Stadt—Lohr Bahnhof, Volkach—Seligenstadt sowie die Steigerwaldbahn zwischen Schweinfurt und Kitzingen. Daneben gibt es aber noch viele andere Gemeinden und Kreise in Bayern, die sich Züge auf stillgelegten Gleisen wünschen, von denen es viele gibt.


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Das Eisenbahnbundesamt (EBA) listet für Bayern 59 Strecken mit einer Gesamtlänge von 526 Kilometern auf, die zwischen dem Jahr der Bahnreform 1994 und 2012 stillgelegt wurden. Nach Angaben der "Allianz pro Schiene", einer Vereinigung, der 24 Non-Profit-Verbände und über 150 Unternehmen aus der gesamten Eisenbahnbranche angehören, wurde in den vergangenen 26 Jahren in ganz Deutschland auf über 3600 Kilometern der Personenverkehr abbestellt.

Im selben Zeitraum wurden 827 Kilometer an Verbindungen für den Personenverkehr und 359 Kilometer für den Güterverkehr wieder in Betrieb genommen. In Bayern waren es nur rund 80 Kilometer.

Reaktivierung alter Gleise: Bundesländer zögern

Damit hinkt der Freistaat in den Augen der "Allianz pro Schiene" hinterher. Der Allianz-Geschäftsführer Dirk Flege nennt Länder wie Niedersachsen, Hessen oder Baden-Württemberg als Vorbild. "Einzelne Bundesländer schreiten voran und demonstrieren, dass Reaktivierungen den Schienenverkehr nach vorne bringen können. Dem müssen nun die noch zögerlichen Bundesländer folgen", so Flege. Potenzial gebe es genug. Für Bayern listet der Verband insgesamt elf Vorschläge für die Wiederinbetriebnahme verwaister Strecken auf. In der gesamten Bundesrepublik kommt der "Verband Deutscher Verkehrsunternehmen" (VDV) auf 186 Strecken mit insgesamt 3072 Kilometer Länge für den Personen- und Güterverkehr.

 

 

 

Diese Liste nimmt mit Blick auf die fehlenden Kapazitäten im Schienennetz inzwischen auch die Deutsche Bahn ernst. Nach Angaben einer Sprecherin befindet sich aktuell eine Taskforce mit "Spezialisten aus verschiedenen Bereichen" in der Gründung, die ein Paket von Strecken identifizieren soll, über das man dann mit Bund und Ländern sprechen will.

Auch die CSU und die Freien Wähler haben das Thema im Koalitionsvertrag festgeschrieben. "Stillgelegte Eisenbahnstrecken wollen wir dort reaktivieren, wo es sinnvoll und möglich ist", heißt es. Gleichzeitig hält die Landesregierung aber an ihren Kriterien für eine Reaktivierung fest.

Feste Kriterien

Demnach muss eine Nachfrage von 1000 Reisenden pro Werktag zu erwarten sein. Zudem verlangt der Freistaat von möglichen Betreibern der Bahnlinie, die Trasse auf eigene Kosten zu ertüchtigen, also mit Millionensummen finanziell in Vorleistung zu gehen. So wird etwa für die Reaktivierung der Mainschleifenbahn zwischen Volkach und Seligenstadt mit einem Aufwand von zehn Millionen Euro gerechnet, um die Freizeitbahn für den Regelbetrieb zu ertüchtigen. In die 16,8 Kilometer lange Strecke von Gunzenhausen nach Pleinfeld müssten nach Berechnungen der BEG von 2018 etwa 6,6 Millionen Euro gesteckt werden, in die 14,7 Kilometer Gleis zwischen Gunzenhausen und Wassertrüdingen rund acht Millionen Euro.


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Außerdem verlangt der Freistaat, dass entsprechende Eisenbahnunternehmen bereit sein müssen, Strecke und Stationen dauerhaft zu betreiben und aus den Infrastrukturgeldern zu finanzieren, die von der BEG überwiesen werden, die das Niveau für vergleichbare Strecken der DB nicht übersteigen dürfen. Und schließlich müssen sich die Landkreise als Aufgabenträger des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) vertraglich verpflichten, ein mit dem Freistaat Bayern abgestimmtes Buskonzept im Bereich der Reaktivierungsstrecke umzusetzen.

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Abgesehen vom letzten Punkt sieht Markus Büchler darin einen "reinen Verhinderungskatalog". Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bayerischen Landtag fordert ein auch finanziell unterfüttertes Reaktivierungskonzept der Staatsregierung. Es könne nicht sein, dass Kommunen oder Betreiber weiterhin dafür zuständig sein sollen, die Infrastruktur auf eigene Kosten zu sichern beziehungsweise herzurichten. "Wenn dafür nicht das Land zuständig ist, wer dann?", so Büchler.

Vergeblicher Antrag

Für ihn sind Reaktivierungen ein einfaches und vergleichsweise günstiges Instrument, um die steigende Nachfrage nach mehr Schienenverkehr zu erfüllen, Mittel- und Unterzentren wieder anzubinden und den SPNV zurück in die Fläche zu tragen. Auch, um den Zuzugsdruck auf die Ballungsräume zu nehmen und Daseinsvorsorge zu betreiben. In anderen Bundesländern, wie etwa in Hessen, gelte richtigerweise das Kriterium der 1000 Reisenden pro Tag nicht mehr, so Büchler. Zudem stellt die schwarz-grüne Landesregierung dort jetzt 100 Millionen Euro pro Jahr für kommunale Verkehrsprojekte bereit, von denen die Hälfte für die Infrastruktur reserviert ist.

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Bei Richtgrößen für eine Reaktivierung dürften auch in Bayern künftig nicht nur rein betriebswirtschaftliche Gründe zählen, sondern beispielsweise die Auswirkungen auf den ländlichen Raum oder auf den Tourismus betrachtet werden. "Nur dann bekommt man ein rundes Bild", so Büchler.

Busse sinnvoller?

Auch die bayerische FDP-Landtagsfraktion hatte im vergangenen Jahr beantragt, die Kriterien für eine Reaktivierung neu zu bewerten und die Mindestpassagierzahl flexibler zu handhaben, um auch dünner besiedelten Gebieten wieder die Chance auf einen SPNV zu verschaffen.


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CSU, Freie Wähler und AfD lehnten den Antrag im Verkehrsausschuss jedoch ab. Der scheidende Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) erklärte im September, dass bei einer geringen Zahl von Fahrgästen auch mit Blick auf den ökologischen Fußabdruck Busse sinnvoller wären.

Büchler glaubt jedoch nicht, dass die Entscheidung in Stein gemeißelt bleibt. "Ausbau und Förderung der Bahn sind gerade sehr populär", sagt er. Zudem sei die CSU zuletzt gerade bei grünen Themen immer wieder gut für einen Sinneswandel gewesen. "Die Hoffnung gebe ich nicht auf."

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