Bloß kein Alkohol! Das muss man in der Schwangerschaft beachten

20.9.2019, 06:00 Uhr
Alkohol in der Schwangerschaft kann das Baby schädigen.

Alkohol in der Schwangerschaft kann das Baby schädigen. © Foto: colourbox.de

Von 19. bis 25. Oktober findet in Erlangen eine Informationswoche über die Folgen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft statt. Organisiert wird der Veranstaltungsreigen vom FASD-Netzwerk Nordbayern e. V. Kooperationspartner sind das Siemens Healthineers MedMuseum sowie aus der Uniklinik die Erwachsenenpsychiatrie und die Kinderklinik. Wir sprachen mit den Ärztinnen und Organisatorinnen der Informationswoche, Heike Kramer und Gisela Bolbecher.

Frau Kramer, Frau Bolbecher, was ist eigentlich das FASD-Netzwerk?

Gisela Bolbecher: Das FASD Netzwerk wurde im Oktober 2010 in Erlangen gegründet und ist eine informelle Vereinigung von Organisationen und Institutionen vor allem aus Nordbayern, die sich in Lehre, Forschung, Diagnostik, Therapie, Beratung und Betreuung für Menschen engagieren, die an Fetalen Alkoholspektrum Störungen (FASD) leiden. Weiteres wichtiges Ziel ist im Sinne der Prävention, das Bewusstsein für die Problematik FASD in der gesamten Öffentlichkeit und insbesondere bei Jugendlichen, jungen Erwachsenen sowie Schwangeren und zukünftigen Vätern zu stärken und dafür zu sensibilisieren, wie schädlich Alkohol während der Schwangerschaft sein kann.


Nürnberger Experte erklärt: So gefährlich ist Alkohol wirklich


Aber ein gelegentliches Gläschen Wein während der Schwangerschaft kann doch nicht schaden, oder?

Heike Kramer und Gisela Bolbecher informieren über die Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft.

Heike Kramer und Gisela Bolbecher informieren über die Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Heike Kramer: Doch. Genau so dachten früher viele und leider hält sich diese Meinung. Inzwischen wissen wir zweifelsfrei, dass auch kleine Mengen Alkohol das Ungeborene unheilbar schädigen können und ihm damit selbst als Erwachsener nur in seltenen Fällen ein selbstständiges Leben möglich sein wird. Es gibt keine Untergrenze für Alkoholkonsum in der Schwangerschaft, die sicher unbedenklich ist für das Kind.

Warum ist Alkohol während der Schwangerschaft so gefährlich?

Gisela Bolbecher: Alkohol ist ein Zellgift, dass beim Ungeborenen Zellen abtötet oder deren Teilung beziehungsweise weitere Entwicklung verhindert. Deshalb leiden die Betroffenen lebenslang unter körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen, die unter dem Begriff FASD (Fetale Alkoholspektrum Störungen) zusammengefasst werden. FASD ist, anders als oft behauptet, kein "Unterschichtproblem". Studien zeigen, dass in Deutschland zirka 30 Prozent aller Frauen nach Kenntnis ihrer Schwangerschaft weiterhin Alkohol konsumieren. Besonders bemerkenswert: Akademikerinnen haben den höchsten moderaten Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Die Zahlen erklären, warum jedes Jahr in Deutschland zirka 12 000 Kinder mit FASD geboren werden. Umgerechnet bedeutet dies jede Stunde mindestens ein Neugeborenes. Damit sind FASD, die bei konsequentem Alkoholverzicht in der Schwangerschaft sicher zu 100 Prozent vermeidbar wären, bei uns die häufigste nicht genetisch bedingte Behinderung bei Neugeborenen.

"Wir möchten keine Schockbilder oder Ähnliches"

In anderen Ländern gibt es eine Kennzeichnungspflicht für Alkoholika, in der auf die schädliche Wirkung von Alkohol während der Schwangerschaft hingewiesen wird. Halten Sie eine solche Kennzeichnungspflicht für sinnvoll?

Heike Kramer: In Anbetracht der horrenden Zahlen an Betroffenen und der Schwere dieser unheilbaren lebenslangen Schäden besonders im Gehirn, fordern wir ebenfalls eine verpflichtende Kennzeichnung aller alkoholischen Getränke und Lebensmittel in Deutschland. Gleiches sollte für jegliche Alkoholwerbung gelten, solange diese in Deutschland noch immer erlaubt ist. Allerdings möchten wir keine Schockbilder oder Ähnliches, sondern eine Darstellung, die darauf aufmerksam macht, dass Schwangere konsequent auf Alkohol verzichten sollen. In einigen Ländern gibt es eine verpflichtende Kennzeichnung mit einem roten Kreis und einer rot durchgestrichenen Schwangeren, die das Glas schon in der Hand hält. Wir möchten dieses Verbotszeichen nicht für Deutschland. Deshalb haben wir ein neues Logo entwickelt, das eine informierte und selbstbestimmte Schwangere zeigt, die sich aktiv gegen Alkohol für sich und ihr Kind entscheidet. Wir sind überzeugt, dass dieses Logo Aufmerksamkeit schafft und Schwangere, die eventuell aus mangelnder Kenntnis über die Gefahren Alkohol konsumieren würden, informiert.

Los geht es in der langen Nacht der Wissenschaften

Was erwartet die Besucher der Informationswoche im Oktober?

Gisela Bolbecher: Beginnend mit der langen Nacht der Wissenschaften am 19. Oktober wird unsere FASD-Wanderausstellung ZERO! bis zum 25. Oktober im Siemens MedMuseum werktags von 10 bis 17 Uhr kostenfrei zu besichtigen sein. Die Ausstellung ZERO! informiert dabei an drei Stationen multimedial über Schwangerschaft, Alkohol und die fatalen Folgen dieser Kombination. Berichte Betroffener bieten authentische Einblicke in das komplizierte Leben mit dem Fetalen Alkoholsyndrom. Zusätzlich bieten wir am 22. Oktober, 18 Uhr, eine öffentliche Führung für alle Interessierten an. Von 19 bis 20.30 Uhr gibt es dann im Kultursaal des Museumswinkels Fachvorträge zu FASD in Bezug auf die Entstehung und Auswirkungen und das Leben mit der Krankheit. Am Mittwoch, 23. Oktober, gibt es ab 18 Uhr Führungen und Fachvorträge für ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen und medizinisches Fachpersonal. Alle Angebote sind kostenfrei.

Keine Kommentare