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Erlangen spart durch den Ausfall der Bergkirchweih viel Geld

Berg-Referent Konrad Beugel ist trotzdem nicht glücklich - 27.05.2020 11:12 Uhr

Konrad Beugel (54) ist Berg-Referent der Stadt Erlangen. Seit 2003 ist der gebürtige Fürther zuständig für das Ressort Wirtschaft und Finanzen, darunter fällt auch die Organisation der Bergkirchweih.


Am Donnerstag wäre Anstich gewesen. Herr Beugel, wie viele Menschen wären auf den Berg geströmt?

An einem Eröffnungstag war unser Berg immer gut gefüllt, bei gutem Wetter hätten wir am Abend 25.000 Besucher erwartet.

Insgesamt kommen an den zwölf Tagen knapp eine Million?

Der Berg lebt stark vom Wetter, dazu spürt man, ob Rock im Park parallel stattfindet. Die Besucherzahlen sind eine vage Schätzung, die Bandbreite liegt eher unter der Million. Im vergangenen Jahr haben wir an vier besucherstarken Tagen zählen lassen. An den Wochenenden kommen wir nahe an die 30.000 Besucher ran, die gleichzeitig auf dem Berg waren.


Hommage an die Bergkirchweih: Wir werden dich vermissen


Die Stadt Erlangen erzielt durch die Bergkirchweih keinen Gewinn, sondern hat Verluste. Das heißt, dass der Kämmerer durch die Absage Geld spart. Darüber könnte er sich auch freuen . . .

Ein Kämmerer lebt nicht davon, dass er glücklich ist, wenn kein Geld ausgegeben wird. Ein Haushalt ist Mittel zum Zweck, damit will ich gestalten. Rein finanziell ist es bei der Bergkirchweih aber wie bei vielen anderen Veranstaltungen in der Stadt: Wenn sie nicht stattfinden, ist es billiger. Eine Kommune hat viele Infrastruktureinrichtungen, die sich eigentlich nicht tragen. Doch keiner geht her und schließt ein Theater oder ein Bad, weil wir damit kein Geld verdienen.

Gilt das auch für die Bergkirchweih?

Konrad Beugel (54) ist Berg-Referent der Stadt Erlangen. Seit 2003 ist der gebürtige Fürther zuständig für das Ressort Wirtschaft und Finanzen, darunter fällt auch die Organisation der Bergkirchweih. © Foto: Harald Sippel


Ja. Wir wollen damit die Stadt prägen und der Bevölkerung etwas bieten, ein solches Fest trägt zum Zusammengehörigkeitsgefühl bei. Deshalb gibt es eine Bergkirchweih, auch wenn sie uns einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich kostet. Einiges versuchen wir in einer Kalkulation über Standplatz- und Teilnehmergebühren wieder hereinzuholen, doch das deckt es nie ganz ab. Nicht mit eingerechnet sind die Personalkosten in der Stadtverwaltung und die Investitionen am Berg-Gelände.

Wie sieht es in diesem Jahr aus?

Es gibt wieder ein Minus, doch das bewegt sich im fünfstelligen Bereich, deutlich unter 100.000 Euro.

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Brezen, Bier, Dirndl: Die Bergkirchweih im Wandel der Zeit

Die Erlanger Bergkirchweih ist der Höhepunkt im Kalender der Hugenottenstadt. Seit über 250 Jahren wird an Pfingsten auf dem Festgelände am Erlanger Burgberg getrunken, gefeiert und getanzt. Wir blicken zurück in Zeiten, als Männer noch Hüte trugen und das Bier noch 6,50 Mark kostete.


Wen trifft die Absage in der Stadt?

Aus der rund 20-jährigen Beobachtung weiß ich: Taxifahrer profitieren normalerweise von der Bergkirchweih enorm. Die Gastronomen, gerade diejenigen, die in den Abendstunden den After Berg mitgestalten, sind stark dabei. Die Hoteliers, weil viele Besucher zu Pfingsten wieder nach Erlangen zurückkommen. Auch die Einzelhändler werden den Ausfall merken. Man sieht, dass viele Branchen an diesem Kulturevent stark partizipieren.

Kann man den Ausfall irgendwie beziffern?

Genaue Übernachtungszahlen oder andere statistische Erhebungen zur Bergkirchweih erfassen wir nicht. In München werden Daten fürs Oktoberfest mit einem gigantischen Aufwand gesammelt. So etwas haben wir nicht.

Finanziell wird das Jahr besonders für die Schausteller ein Desaster. Kann die Stadt helfen? Zum Beispiel, in dem Sie Flächen zur Sondernutzung frei gibt?

Ich habe bereits im Rathaus darauf gedrängt. Bislang galt noch die Phase der Kontaktvermeidung. Jetzt dürfen die Gastronomen ihre Außenbestuhlung erweitern. Dann sehen wir, was auf den öffentlichen Plätzen noch an Potential vorhanden ist, und vergeben das an die Schausteller.

Bilderstrecke zum Thema

Acht Gründe, warum wir die Bergkirchweih heuer vermissen

703 Tage. So lange muss Erlangen auf die Bergkirchweih verzichten, denn wegen der Corona-Pandemie entfällt das Fest in diesem Jahr. Hier schreibt ein gebürtiger Erlanger, warum ihm der Berg fehlt: Peter Schulze-Zachau listet acht Gründe auf.


Könnte die Stadt auch finanziell helfen, um das Kulturgut Bergkirchweih zu erhalten? Schließlich sparen Sie ja nun Geld.

Zwar haben wir bei der Bergkirchweih weniger städtische Ausgaben. Doch dafür gibt es in der Kommune andere Bereiche, in denen die Ausgaben steigen. Zum Beispiel das Sozialamt mit der Grundsicherung. Unter dem Strich werden wir in diesem Jahr auch drauf zahlen. Deshalb gibt es die Anfrage für einen kommunalen Rettungsschirm. Wir sind keine Gewinner der Krise. Dazu haben wir eine klare Anweisung des Innenministeriums, dass wir den Unternehmern keine direkte Hilfen gewähren dürfen. Wir müssen alle an die staatlichen Hilfen verweisen. Was wir tun dürfen, ist auf die Sondernutzungsgebühren für Flächen im öffentlichen Raum zu verzichten, wie wir es auch machen. Das sind im ganzen Jahr 80.000 Euro.

Wird die Krise so einschneidend sein, dass sie den Berg verändert?

Von den Schaustellern weiß ich, dass viele auf die Weihnachtsmärkte als Rettungsanker hoffen. Sollte es diese nicht wie gewohnt geben, befürchte ich, dass einige nächstes Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen, weil sie ihr Gewerbe abgemeldet haben. Bei den Gastronomen hoffe ich, dass sie einen schönen Sommer bekommen, in dem die Leute auch nicht so viel im Urlaub sind.

Bergkirchweih Quiz: Wie gut kennen Sie das Fest?

© Bergkirchweih Impressionen 2014

Die 265. Ausgabe der Erlanger Bergkirchweih kann bekanntlich erst im kommenden Jahr über die Bühne gehen. Unser Quiz zur Bergkirchweih gibt es schon jetzt. Machen Sie mit und testen Sie ihr Wissen über das Erlanger Fest.

© Klaus-Dieter Schreiter

© Klaus-Dieter Schreiter

Frage 1/10:

Welches Lied läuft traditionell am letzten Abend der Bergkirchweih?

Seit den 1980er Jahren läuft zum Abschluss einer jeden Bergkirchweih das Soldatenlied "Lili Marleen". Und das Publikum winkt derweil mit Taschentüchern.

© Foto: Klaus-Dieter Schreiter

Frage 2/10:

Was nahm Pfarrer Baumann 2019 im Rahmen des Gottesdiensts am Dreifaltigkeitssonntag vor?

Pfarrer Baumann führte eine Taufe durch. Beim Berggottesdienst auf dem Erich Keller erhielt der kleine Ben den christlichen Segen.

© dpa

© Foto: Edgar Pfrogner

Frage 3/10:

Seit wann müssen Studenten auf ihre geliebten Bergferien verzichten?

1999 wurden die Bergferien der Studenten offiziell abgeschafft.

© Peter Millian

Frage 4/10:

Welcher Erlanger Persönlichkeit setzt Bildhauerin Marina Fink ein Denkmal?

Marina Fink setzt Erhard Königsreuther ein Denkmal. Das vor elf Jahren verstorbene Erlanger Original ist den meisten unter dem Namen "Pinsl" ein Begriff.

© Harald Sippel

© Harald Sippel

Frage 5/10:

Was sorgte 1970 für Ärger unter den Berg-Besuchern?

Der Ausschank von Bier in Plastikmaßkrügen sorgte 1970 für großen Ärger unter den Besuchern der Bergkirchweih. Nachdem die Behälter jedoch vor lauter Unmut haufenweise verbrannt wurden, gab es wenig später bereits wieder die traditionellen Steinkrüge.

© Harald Sippel

© Harald Sippel

Frage 6/10:

Welcher Alt-OB verlängerte die Bergkirchweih einmalig um zwei Tage?

Weil das Wetter schlecht war, verlängerte Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg 1983 die Kirchweih einmalig um zwei Tage. Auf dem Foto gratuliert er Florian Janik (l) zu dessen Wahlsieg.

© Harald Sippel

© Harald Sippel

Frage 7/10:

Das Riesenrad überragt die Bergkirchweih. Wie hoch ist es?

Das Riesenrad der Bergkirchweih bringt es auf 55 Meter. Das Erlanger Rathaus misst 61 Meter und der "Lange Johann" überragt mit seinen 80 Metern alles andere.

© Teresa Schindler

© Harald Sippel

Frage 8/10:

Wogegen protestierten 2019 einige Besucher mit Plakaten beim Bergkirchweih-Anstich?

Beim Bergkirchweih-Anstich 2019 protestierten einige Besucher mit Plakaten gegen Baumfällarbeiten. Die Erhebung einer Nutzungsgebühr für Pissoirs sorgte zwar ebenfalls für Verdruss, jedoch zu keinen offiziellen Protestaktionen beim Anstich. Gegen ein Siemens-Engagement für ein Kohlebergwerk in Australien protestierte Greenpeace diesen Februar in Erlangen.

© Foto: Edgar Pfrogner

© Foto: Hans-Joachim Winckler

Frage 9/10:

Wo feierten die Erlanger ihre Kirchweih in den Anfangszeiten?

In den Anfangszeiten feierten die Erlanger ihre Kirchweih auf dem heutigen Martin-Luther-Platz.

© Harald Sippel

© Foto: Harald Sippel

Frage 10/10:

In welchem Jahr stach OB Janik sein erstes Fass Festbier der Bergkirchweih an?

Erlangens OB Florian Janik stach 2014 sein erstes Fass Festbier der Bergkirchweih an.

© Bergkirchweih Impressionen 2014

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!

 

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