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Erlanger Einzelhändler haben clevere Ideen in Krisenzeiten

Lokale Geschäfte wollen der Corona-Krise trotzen - 06.04.2020 11:00 Uhr

Das Mode- und Sportgeschäft muss derzeit geschlossen bleiben – aber die online bestellte Ware wird noch am selben Abend vom Eisert eigens ausgeliefert.


Die ganze Stadt steht still, über der Galeria Karstadt-Kaufhof ist das Schutzschirmverfahren eingeleitet worden. Doch nicht alle Geschäftsleute stehen still, sie wollen sich mit aller Kraft gegen das Coronavirus wehren und haben sich Möglichkeiten überlegt, wie die Stadt und der Landkreis durch die Krise kommen.



Da ist zum Beispiel die Mohren-Apotheke, wo Martina Till seit 35 Jahren arbeitet. Auch hier gibt es Schutz vor Ansteckung: Plexiglas-Wände verhindern den direkten Kontakt zwischen Kunden und Personal. "Die Rezepte werden unter dem Plexiglas durch einen kleinen Schlitz geschoben", sagt Martina Till. Wenn ein Medikament bezahlt werden muss, nimmt Martina Till auch Bargeld entgegen. "Der Coronavirus verbreitet sich nicht auf Geld."

Auch wenn die direkten Kontakte eingeschränkt sind, ist in der Mohren-Apotheke das Persönliche wichtiger geworden. "Es ist wieder Beratung gefragt und Kompetenz", sagt Martina Till. "Im Internet ist niemand da, mit dem man reden kann." Apotheker haben Pharmazie studiert und wissen, worum es geht. Die Coronakrise bringt so auch Positives. "Wir haben die Abläufe vereinfacht", sagt Martina Till. "Das könnte auch nach der Krise funktionieren."

Die Metzgerei Güthlein, die ja geöffnet bleiben kann, hat ebenfalls die Abläufe auf die Coronakrise eingestellt. "Wir lotsen unsere Kunden mit einer Einbahnstraße durch unser Geschäft", sagt Jana Güthlein. Durch die eine Hälfte der Eingangstür geht es rein, drinnen zeigen "Stadtwurst-Aufkleber" den Weg, durch die andere Hälfte der Eingangstür geht es wieder raus. Damit sich an der Eingangstür niemand zu nahe kommt, dürfen nur maximal fünf Kunden die Metzgerei betreten.

Auf der einen Seite rein, auf der anderen wieder heraus: Die Metzgerei Güthlein führt ihre Kunden via „Stadtwurst-Aufkleber“ durch den Laden – so dass weder für sie noch für die Angestellten eine Infektionsgefahr besteht.


Für die Kunden stehen Desinfektionsmittel bereit "und wir waschen uns nach jedem Verkauf die Hände", sagt Jana Güthlein. Auf Wunsch wird die Ware auch eingeschweißt. Insgesamt, hat Güthlein beobachtet, gebe es ein "offenes Miteinander" in Zeiten der Krise.

Beim Sport- und Modehaus Eisert haben sich Marketingleiter Alex Koslowski und E-Commerce-Manager Erik Sund zu Beginn der vorübergehenden Zwangsschließung Gedanken gemacht, wie sie das Geschäft optimieren können. "Wir haben das Einkaufen für die Kunden einfacher gemacht", sagt Alex Koslowski. Lieferungen kosten keine Gebühr mehr, "auch der Umtausch ist kein Problem". Der Rücksendeantrag sei in jeder Lieferung enthalten. Falls das mal nicht der Fall sein sollte, könne auf der Webseite ein entsprechender Antrag ausgedruckt werden.

"Beratung gibt es im Internet so nicht. Das gibt es nur bei uns"

"Bis 14 Uhr bestellt, bis 19 Uhr geliefert", verspricht Alex Koslowski. Ein Lieferwagen sei in der ganzen Stadt unterwegs. Das Sportgeschäft hat eine eigene Internet-Adresse, das Modegeschäft nicht. "Telefonisch nehmen wir aber auch für das Modegeschäft alle Bestellungen entgegen", sagt Koslowski. Das Sport- und Modehaus erreicht man für Aufträge unter der Rufnummer (0 91 31) 8 12 80 50.

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Unter Telefon (0 91 31) 2 44 61 nimmt auch Betten Bühler Bestellungen entgegen. "Wir haben nach der behördlich angeordneten Schließung unseres Geschäfts erst einmal in aller Ruhe die Lage sondiert", sagt Geschäftsführer Thomas Bühler. Dann wurde beschlossen, auf telefonische Bestellungen zu reagieren und die Waren auszuliefern. "Dieses Verfahren lasst sich ganz gut an."

Das Familienunternehmen habe immer gut gewirtschaftet und könne daher "ein paar Wochen finanziell überbrücken", so Thomas Bühler. Es könne ja auch eine "ganz andere Krise kommen".

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Karstadt ist mehr als nur eine Warenhauskette. Karstadt ist Kulturgut, ein Stück deutsche Geschichte. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, eine Geschichte mit Zwischentönen. Eine Geschichte zwischen Warenhaus-Romantik und Insolvenz-Kampf.


Im Krisenmodus ist auch die Fischküche Reck. Gerade einmal 30 Prozent des gewohnten Umsatzes werden hier zurzeit erreicht, sagt Geschäftsführerin Doris Reck. "Wir bieten ja nur noch Essen zum Abholen an, aber auf unsere Stammgäste können wir uns verlassen." Das Essen werde sogar umweltbewusst nicht etwa in Plastiktüten, sondern Zuckerrohr-Behälter verpackt. Unter der Woche ist die Fischküche Reck Mittwoch bis Freitag von 17 bis 20 Uhr geöffnet, am Sonntag von 11.30 bis 16 Uhr jeweils unter Telefon (0 91 31) 4 71 76.

Bereit steht auch Merz Heizung, Sanitär und Elektro in Eltersdorf. "Wir machen zurzeit zwar keine komplette Badgestaltung, aber wir helfen, wenn zum Beispiel der Spülkasten kaputt ist", sagt Vertretungsberechtigte Daniela Falkner. Dabei werde darauf geachtet, dass sich Kunde und Handwerker nicht gemeinsam in einem Raum aufhalten. "Jeder steht dann in einem anderen Zimmer." Merz Heizung, Sanitär und Elektro ist unter Telefon (0 91 31) 53 31 00 oder im Internet zu erreichen.

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Aktuelle Google-Bewegungsdaten zeigen genau, wie das Coronavirus und die damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen das Verhalten der Menschen verändert haben. Durch die Vielzahl der Google-Nutzer ermöglichen die Daten ein zuverlässiges Bild und lassen erkennen, wie viel seltener sich die Menschen an Bahnhöfen, an ihrem Arbeitsplatz und in Läden aufhalten - und wie viel häufiger in ihren eigenen vier Wänden. Besonders groß im Vergleich zu den anderen Bundesländern war in Bayern der Rückgang im Bereich Handel und Freizeit.


Auch bei Pillip Haustechnik in Möhrendorf wird auf Abstand gearbeitet, wenn es zu einem Notfall direkt hinaus zum Kunden geht. "Es kommen auch nur Mitarbeiter zum Einsatz, die sich vorher in keinem der Risikogebiete aufgehalten haben", heißt es am Telefon. Im Netz ist die Adresse www.pillipp.de Das Telefon ist erreichbar unter Rufnummer (0 91 33) 76 98 90.

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