Gurgeln, spucken, untersuchen: Neuer Coronatest in Erlangen

19.1.2021, 11:27 Uhr
Mitarbeiter von Intego schütten ihre daheim vorgenommenen Proben in einen Sammelbehälter. Der Pool wird dann in der Uni in einem Labor ausgewertet.

Mitarbeiter von Intego schütten ihre daheim vorgenommenen Proben in einen Sammelbehälter. Der Pool wird dann in der Uni in einem Labor ausgewertet. © Intego

Der Gurgeltest funktioniert als qPCR-Test. Der Name hält, was er verspricht: Der Buchstabe "q" steht für quick, was im Deutschen "schnell" bedeutet. Beim klassischen PCR-Test wird das virale Erbmaterial erst in DNA kopiert und viele Male verdoppelt. Für diesen Prozess, und um die Vervielfältigung der DNA sichtbar zu machen, ist ein relativ teures Gerät nötig. Bei der qPCR-Methode reicht dagegen ein einfaches Wasserbad mit einer konstanten Temperatur von 63 Grad Celsius. Ein positives Ergebnis ist dann schon nach dreißig Minuten über einen Farbumschlag in der Probe erkennbar.

Entwickelt wurde diese neue Methode, die sich auch zum Nachweisen des Coronavirus eignet, von Forschern am Vienna BioCenter in Wien. Thomas Wagner, Geschäftsführer der Intego GmbH, bringt sie jetzt in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Alexander-Universität nach Erlangen – in einer Zeit, in der die Politik über eine Homeoffice-Pflicht für Firmen nachdenkt. "Es sind viele Arbeiten von daheim aus möglich, aber keine Produktion", sagt Wagner, dessen Unternehmen Prüfanlagen entwickelt und baut.

Bis zu 30 Personen pro Pool

Wagner möchte auch anderen Firmen ermöglichen, ihre Mitarbeiter auf eine Infektion mit Covid-19 testen zu lassen und noch am selben Tag der Probe ein zuverlässiges Ergebnis zu bekommen. Das geschieht mit sogenannten Pooltests, in jedem Pool sind bis zu 30 Personen zusammengefasst. "Es empfiehlt sich, dass Personen einen Pool bilden, die zusammenarbeiten. Beispielsweise in einem Büro oder in einer Abteilung", sagt Wagner. Es ist ebenfalls möglich, Angehörige des Hausstands mitzutesten. So kann ermittelt werden, ob es im nahen Umfeld des Arbeitnehmers bereits Ansteckungen gibt.

Direkt nach dem Aufstehen

So funktioniert es: Der Proband nimmt die Gurgelprobe zu Hause morgens direkt nach dem Aufstehen, weil Essen und Trinken die Virenkonzentration verringern. Er misst zunächst ungefähr fünf bis sechs Milliliter Leitungswasser in einem Zentrifugenröhrchen ab. Der Proband gurgelt mit dem Wasser mindestens 30 Sekunden und spuckt das Wasser dann zurück in das Röhrchen. Der Proband teilt durch Umkippen die Gurgellösung auf zwei Röhrchen auf. In einem Röhrchen sollten dann 1,5 bis zwei ml gegurgeltes Wasser sein, in der anderen der Rest (drei bis vier ml).

Beide Proben werden in die Firma mitgenommen. Die Firma kippt die Probe zusammen mit maximal 29 weiteren in einen Sammelbehälter, fertig ist der Pool. Die zweite Probe wird nur auf Anforderung abgegeben, wenn der Pool positiv ist. Das Material für den Gurgeltest bestellen sich die teilnehmenden Firmen selbst. "Das gibt es alles im Internet, sagt Wagner.

Erbgut des Virus bleibt vorhanden

Bis morgens um 10 Uhr wird der Pool bei der Uni abgegeben und im Labor von Andreas Burkovski, Professor für Mikrobiologie, untersucht. "Wir nehmen die Flüssigkeit heraus und vermengen sie mit einer Inaktivierungslösung. Nach fünf Minuten ist das Virus nicht mehr infektionsfähig, aber das Erbgut noch vorhanden", sagt Burkovski.

Mit einem Fluoreszenzsignal wird dann nachgewiesen, ob ein Pool Coronaviren enthält. Wird die Probe farblich, ist der Virus enthalten. Bis 14 Uhr desselben Tages erhält die Firma, die den Pool abgegeben hat, eine Benachrichtigung per Mail. Ist der Pool positiv, kann die zweite Probe als Einzelprobe untersucht werden – und die Firma erfährt binnen eines Tages, welche Abteilung beziehungsweise im zweiten Schritt welcher Mitarbeiter sich mit Covid-19 infiziert hat. Burkovski ist von den ersten Versuchen angetan: "Das Verfahren ist annähernd sensitiv wie ein herkömmlicher PCR-Test."

"Win-Win-Situation" für Uni

Unipräsident Joachim Hornegger verspricht sich viel von der Methode. "Thomas Wagner hat mich begeistert", sagt Hornegger, "für uns ist das eine Win-Win-Situation. Der Forschungsaspekt ist hochspannend, außerdem suchen wir händeringend nach einer Lösung, mit unseren Studierenden wieder in den Präsenzbetrieb wechseln zu können."

Erweist sich die beschriebene Methode als zuverlässig, könnten also auch die über 40 000 Studierenden der FAU sich über diesen Weg auf eine Ansteckung mit dem Coronavirus testen lassen. Vorausgesetzt, die Kapazitäten werden erweitert. "In unserem Pool schaffen wir ohne Probleme bis zu 100 Pools täglich", sagt Burkovski, was bis zu 3000 Probanden entspricht.

Tests für Kindergarten-Notbetreuung

Noch ist das Zukunftsmusik. Erstmal möchte Thomas Wagner weitere Firmen ins Boot holen – für einen Preis von 100 Euro pro Monat und Pool. Jeder Pool wird an zwei Werktagen pro Woche getestet. "Ziel ist es, genug Geld zu sammeln, um auch anderen Einrichtungen dieses Testverfahren zu ermöglichen", sagt Wagner.

Erster Profiteur ist der Katholische Kindergarten St. Nikolaus an der Löhestraße. "Noch in dieser Woche werden wir das Personal der Notbetreuung dieses Kindergartens testen", sagt Wagner. Und vielleicht bald viele mehr. Wagner: "Theoretisch können wir beliebig nach oben skalieren, also auch die ganze Stadt testen."

Weitere Informationen unter https://erlangen-gegen-corona.de/screeningpools

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