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Keine Prozession am Karfreitag in Neunkirchen

Neunkirchen am Brand sagt wegen der Coronakrise die 351 Jahre alte Tradition ab - 20.03.2020 19:12 Uhr

Die 351 Jahre alte Tradition, am Karfreitag eine Prozession mit lebensgroßen Figuren durch Neunkirchen am Brand abzuhalten, fällt diesmal wegen der Coronakrise aus. © Archivfoto: Harald Hofmann


Das war zu erwarten und mag traurig sein, doch die Verantwortung in der Coronakrise lässt keine andere Handlung zu. "Die Kirche hat klare Anweisung vom Erzbischof, alle Veranstaltungen abzusagen", erklärt Bürgermeister Heinz Richter. "Die Vorgaben sind richtig und wir sollten als Kommune mit gutem Beispiel vorangehen", erklärt Neunkirchens Bürgermeister.


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Ob es das erste Mal in der 351 Jahre andauernden Tradition ist, kann nicht genau recherchiert werden. "Einige ältere Bürger erinnern sich, dass es während der Kriegsjahre ausgefallen ist. Möglicherweise wurde die Prozession auch in abgespeckter Form durchgeführt", erzählt Richter. Die Entscheidung wird auf jeden Fall befürwortet.

"Mit Gewalt etwas durchführen zu wollen und andere Menschen zu gefährden, davon halte ich nichts", betont auch Wilhelm Geist, der seit mehreren Jahrzehnten der Vorbeter der Karfreitagsprozession ist. Sollte sich die Lage schneller als gedacht beruhigen, wäre es kein Problem, die Prozession durchzuführen. Die Texte stehen, die Lautsprecher wären bereit. Ein bis zwei Tage Vorbereitung würden reichen.

Momentan aber haben die Kommunen und Kirchen andere Verantwortung. Während die Gemeinde alle öffentlichen Plätze sperrt, Veranstaltungen abgesagt hat und auch für die Mitarbeiter im Rathaus oder im Wasserwerk Vorsorge trifft und die Arbeitsplätze räumlich auseinander zerrt, macht die Kirche andere Beobachtungen.

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Zwar hält Pfarrer Joachim Cibura den Gottesdienst alleine, aber außer dieser Zeit sind die Kirchen offen. "Es sind über den Tag verteilt mehr Leute als früher in der Kirche und es werden viele Kerzen angezündet", sagt Cibura. Die Situation ist ungewohnt, macht den Menschen zum Teil auch Angst.

OB Janik appelliert an die Vernunft der Erlanger

Schon deshalb wird vor allem die telefonische Seelsorge verstärkt angeboten. "Die Menschen haben das Bedürfnis zu sprechen", weiß Cibura. Nicht nur die nicht mehr stattfindenden Gottesdienste sind somit ein Beitrag der Kirche einen guten Weg aus der Krise zu finden. Es werden auch neue Wege gesucht, um die Gläubigen zu erreichen.

"Wir sind dabei, Texte und Impulse auf die Homepage zu stellen. Auch die Kinder sollen zur Karwoche Materialien bekommen", erklärt der leitende Pfarrer des Seelsorgebereichs Neubau. In den vergangenen Tagen fanden viele Beratungen statt, eben so viele Vorschläge kamen aus Bamberg.

Eine Kerze im Fenster

"Ein Vorhaben ist, dass jeder um 19 Uhr eine Kerze ins Fenster stellt und betet", erklärt Andreas Hornung, stellvertretender Dekan des Dekanats Forchheim diese Aktion des Füreinanders, Miteinanders und des gelebten Glaubens. "Die Zeit selbst ist ein Impuls", betont Andreas Hornung.

In vielen Bereichen verlaufe das Leben langsamer. Die Situation ist anders als sonst. "Man ist mehr auf sich und die Familie bezogen. Die Menschen kommen zum Nachdenken, sonst sind sie oft durch die Aktivitäten abgelenkt. Das ist auch eine Chance für den Einzelnen, Gott tiefer zu erreichen", nennt Hornung das Positive der Krise, Gott die Sorgen, auch die wirtschaftlichen Sorgen weiterzutragen. Für gläubige Menschen kann der Glaube dadurch vertieft werden.

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Menschen, die mit Gott und der Kirche nichts zu tun haben, werden sich wohl in dieser Zeit weniger an Gott wenden, dazu gibt es noch zu viel Zeitvertreib. Aber: "Das Menschliche wird verstärkt. Man hat Zeit für die Kinder und ist empfänglicher für die Leiden der Mitmenschen", sagt Hornung. "Diese gemeinsame Sorge kann verbinden", betont der Pfarrer und wünscht sich, dass diese vermehrte Aufmerksamkeit für einander auch bleibt, wenn die Krise endet.

Der Seelsorgebereich Neubau wird deshalb auch auf der Homepage Links setzen, um neue Glaubensideen, Impulse und den Gottesdienst, der in der Kapelle im Dom in Bamberg gefeiert wird, sehen zu können.

 

PETRA MALBRICH

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