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Neues Parkraumkonzept für Erlangen

Der "ruhende Verkehr" soll sich auf Augenhöhe begegnen - 22.12.2020 15:15 Uhr

Kampf dem Chaos: Für Fahrräder soll es im neuen Parkraumkonzept der Stadt Erlangen mehr und bessere Abstellmöglichkeiten geben.

21.12.2020 © Klaus-Dieter Schreiter


Josef Weber betont, dass Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen im Blick der Planer seien. Ganz wichtig: Der ÖPNV soll auch finanziell attraktiver werden "Es kann nicht sein, dass ein Parkschein in der Innenstadt deutlich weniger als ein Ticket für die Öffentlichen Verkehrsmittel kostet", sagt Weber. Dem Ziel, im Zuge der Mobilitätswende die Zahl der Autos in den Städten zu reduzieren und den Umstieg auf Bahn, Bus und Fahrrad attraktiver zu machen, komme man so nicht näher.

Tarifsystem hinterfragen

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Fahrradstadt Erlangen

Ein Drittel des Verkehrsaufkommens in Erlangen wird mit dem Fahrrad erledigt. Tendenz steigend. Den Grundstein für das Image als Fahrradstadt hat in den 1980er Jahren der damalige OB Dietmar Hahlweg gelegt, der konsequent auf den Drahtesel als ökologisches Fortbewegungsmittel setzte.


2021 sollen Gutachter eingeschaltet werden, um mittelfristig ein Gesamtkonzept für den ruhenden Verkehr umzusetzen. Diskutiert werde das dann unter anderem im "Forum Verkehr". Es gelte unter anderem, das derzeit bestehende Tarifsystem für den Erlanger Parkraum grundlegend zu hinterfragen und beispielsweise darüber zu diskutieren, ob die Parkplätze in der Kernstadt deutlich mehr kosten sollen als in den Außenbereichen, also in den klassischen Wohnvierteln.

Obwohl vieles detailliert erst im nächsten Jahr entschieden wird, haben sich die Planer bereits auf ein paar Grundlinien geeinigt: So sollen in Erlangen mehr dezentrale Parkmöglichkeiten geschaffen werden, ohne die Zahl der Autostellplätze im Zuge dieser Maßnahme zu erhöhen. Eine Möglichkeit, um den weiterhin aktuellen Flächenfraß im Griff zu behalten, sei das "Stapeln" der Autos in speziellen Garagen.

Viele Provider für E-Mobilität

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Nissan Leaf II: Elektromobilität wird alltagstauglich

Noch ist ein Elektroauto nicht für jedermann eine Option. Allmählich aber steigern sich die Stromer in puncto Alltagstauglichkeit. Die zweite Generation des Nissan Leaf beispielsweise kommt auch in der Praxis rund 270 Kilometer weit, bietet ordentlich Platz und Leistung. Weltweit gesehen ist der Leaf der meistverkaufte Pkw mit E-Antrieb.


Um die "Elektrifizierung", also die Grundversorgung der Stadt mit E-Ladestationen, kümmern sich primär die Erlanger Stadtwerke. Ergänzend zum Angebot des kommunalen Providers sollen aber in Zukunft auch private Stromanbieter mit ins Boot geholt werden: Investiert jemand in eine öffentlich zugängliche Wallbox und macht den Strom damit für andere verfügbar – was kein kostenloses Angebot sein muss –, dann soll diese Lademöglichkeit auch im "Stromkataster" aufscheinen und – ganz wichtig für E-Auto-Fahrer – in die Navigationssysteme der Elektromobile eingespeist werden. Auch beim Thema "Parkhäuser" sollen private Anbieter mitreden. Denn nur mit einer einheitlichen Tarifstruktur, bei der es keine "Ausreißer" gibt, lasse sich das Konzept auch umsetzen.

Keine absoluten Zahlen

Absolute Zahlen, wie viele Stellflächen es derzeit in Erlangen gibt, kann Josef Weber allerdings nicht vorlegen, denn darüber werde in der Stadt nicht gesondert Buch geführt. Fakt ist: Einige der vorhandenen Stellplätze, die jetzt noch für Autos gedacht sind, werden für Fahrräder umgewidmet, wobei auch Lastenfahrräder und Fahrräder mit Anhänger berücksichtigt werden. "Für Räder ist das Angebot an Abstellplätzen deutlich zu gering", weiß Josef Weber.

Auch der Großparkplatz steht auf der Agenda, wenn es um eine grundlegende Neufassung des Parkraumkonzepts geht.

21.12.2020 © Tobias Dotzauer


Nicht vergessen werden dürfen bei dem Konzept Fußgänger. Auch sie würden ab und an zu "ruhendem Verkehr", bräuchten beispielsweise Sitzbänke – "und auch da gibt es ein klares Defizit und einen deutlichen Aufholbedarf", betont Weber. Am Ende sollen Verkehrsteilnehmer sich "auf Augenhöhe" begegnen können, es soll eine gesunde Balance geben. Dabei helfe es, vom Schubladendenken abzurücken. "Die Frage ist doch nicht, welches Verkehrsmittel man bevorzugt, sondern wie man möglichst effektiv von A nach B kommt", meint Weber. Darauf gibt es verschiedene Antworten und im Idealfall individuell zugeschnittene Lösungen.

Verschiedene Ansätze nötig

Weshalb es aus Josef Webers Sicht auch viele verschiedene Ansätze geben muss – von der neuen City-Buslinie bis zu verbreiterten Gehwegen für Radler und Fußgänger.

Dabei würden sich die innerstädtischen Probleme sowieso in Grenzen halten. Eher gelte es, die einfallenden Pendlerströme besser zu kanalisieren und den Individualverkehr schon vor dem Erreichen der Innenstadt entsprechend umzuleiten.

Aufgabenstellungen, die von der Stadt undogmatisch und mit einer großen Zahl von Ideen und Visionen umgesetzt werden sollen. "Die Realität behalten wir immer im Blick", verspricht Josef Weber.

HANS VON DRAMINSKI

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