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StUB in Erlangen: Bürgerinitiative fordert Planungsstopp

Wiesengrundfreunde bezweifeln, dass das Infrastrukturprojekt umweltverträglich ist - 05.02.2021 05:54 Uhr

Die Visualisierung einer möglichen Regnitzquerung in der Ansicht aus Südwesten: Die "Wöhrmühlbrücke" sprengt aus Sicht der Bürgerinitiative alle Dimensionen.

13.03.2019 © Zweckverband Stadt-Umland-Bahn


Im Dezember 2020 wurde die Phase der Detailplanung für die StUB eingeläutet: Die "Wöhrmühlbrücke" ist beschlossene Sache: Auf 1,6 Kilometern Länge, 6,50 Metern Höhe, elf Metern Breite und mit Fundamenten, die bis zu 19 Meter tief ins Erdreich reichen, soll das Kunstbauwerk entstehen. "Das sind Dimensionen, die jene des Dechsendorfer Damms zum Teil um ein Mehrfaches überschreiten. Alternativen werden ab sofort definitiv nicht mehr betrachtet. Darauf müssen wir reagieren", sagt BI-Sprecherin Gisela Löhr.

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Alles, was Sie über die StUB wissen müssen

Die StUB ist das wohl meistdiskutierte Großprojekt in der Metropolregion, und das schon seit Jahren. Doch worum wird eigentlich so sehr gestritten? Wohin soll die StUB einmal fahren, wer bezahlt das Vorhaben - und was wären die Alternativen? Unsere Bildergalerie hat die Antworten.


Bündelung mit vorhandenen Verkehrsachsen

Die Bürgerinitiative betont, man habe die StUB "generell nie abgelehnt", über die Jahre wurde für die Wiesengrund-Querung wiederholt eine Bündelung mit vorhandenen Verkehrsachsen und die Nutzung des vorhandenen Straßenraums gefordert. "Nur so kann die StUB ihrem Anspruch, ein ökologisches und ein Klimaschutzprojekt zu sein, gerecht werden", sagt Löhr. Nun habe die Stadt mit dem Ja der Fraktionen zu den StUB-Planungen "vollendete Tatsachen geschaffen", moniert die BI.

"Keine realistische Chance mehr"

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Die Stadt-Umland-Bahn in Bildern

Die Stadt-Umland-Bahn ist das größte Infrastrukturprojekt, das sich die Metropolregion Nürnberg je vorgenommen hat. Eines Tages soll sie Nürnberg über Erlangen mit Herzogenaurach im Westen und Eckental im Osten verbinden und damit für eine spürbare Verkehrsentlastung sorgen.


Das Fazit der Umweltschützer: "Mit der neuen Sachlage sehen wir keine realistische Chance mehr für eine ökologische StUB – und auch keine Grundlage für eine offene, kritische Diskussion. Unsere gut begründeten Bedenken bezüglich der Zerstörung des Wiesengrundes wurden nicht wirklich ernst genommen."

Kampf für den Erhalt des Wiesengrundes

Als Konsequenz wollen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative nun für einen sofortigen Planungsstopp bei der Stadt-Umland-Bahn einsetzen. "Unsere neue Position ,StUB – so nicht!’ bringt das zum Ausdruck", erklärt Gisela Löhr und fügt hinzu: "Ab sofort kämpfen wir weiter für den Erhalt des Wiesengrundes, den Erhalt von schützenswerter Natur – also für Wald und Hecken, landwirtschaftliche Flächen, Biotope und Grünflächen. Denn: Der Verbrauch dieser Flächen für die StUB-Trasse ist viel zu groß – 70 Prozent der Trassenflächen verbrauchen unbebaute Naturflächen und Ackerland." Und weiter: In der Öko- und CO2-Bilanz ist das StUB-Projekt in seiner derzeitigen Form absolut negativ", klagt Löhr.

Quiz: Was wissen Sie über die Straßenumlandbahn?

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Testen Sie ihr Wissen über die StUB!

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Frage 1/10:

Seit wann laufen die Planungen für die StUB?

Bereits vor 1988 werden im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Erlangen erste Vorstellungen zu einer Stadt-Umland-Bahn entwickelt. 1992 beauftragen die Stadt Erlangen und die Landkreise Erlangen-Höchstadt und Forchheim das Ingenieurbüro Obermeyer mit einer Machbarkeitsstudie.

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Frage 2/10:

Wie viel soll das Projekt kosten?

Für das regionale Infrastrukurprojekt sind etwa 300 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen 40 Millionen auf die Planung.

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Frage 3/10:

Warum soll das Projekt realisiert werden?

Die Trasse soll den Anreiz für den ÖPNV erhöhen und somit CO2 einsparen. Der Autoanteil liegt in Erlangen trotz der Busse immer noch bei 60 Prozent. Zudem ist Herzogenaurach bisher nur mit dem Auto oder dem Bus zu erreichen.

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Frage 4/10:

Was spricht gegen die Trasse?

Aus Sicht der Kritiker bestehen noch zu viele Unsicherheiten. Der genaue Streckenverlauf und der finanzielle Eigenanteil der Kommunen befinden sich noch in der Schwebe. Zudem sei das Projekt ein Minusgeschäft, Elektrobusse könnten eine kostengünstigere Alternative darstellen.

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Frage 5/10:

Wieso zieht sich die Planung der StUB so lange?

Die Details zu klären, kann unter Umständen viel Zeit in Anspruch nehmen. Bei Protesten und Einwänden dauert es noch länger.

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Frage 6/10:

Welche Kommune trägt den Großteil der Kosten?

Der größte Abschnitt verläuft in Erlangen, daher ist die Stadt auch der größte Kostenträger. Das sind 42 Millionen an Investitions- und 24,5 Millionen an Planungkosten.

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Frage 7/10:

Welcher Landkreis stieg nach einem negativen Bürgerentscheid aus dem Projekt aus?

Ein Bürgerentscheid im Landkreis Erlangen-Höchstadt fiel 2015 mit 54,80 Prozent Nein-Stimmen durch, weshalb nun Herzogenaurach als dritte Kommune am Bord ist.

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Frage 8/10:

Welches Unternehmen machte die StUB zur Bedingung, um einen neuen Campus zu errichten?

Siemens kündigte im September 2016 an, auf dem Gelände des Forschungszentrums im Süden Erlangens für mehrere hundert Millionen Euro Arbeitsplätze und Wohnungen errichten zu wollen - ohne StUB aber keine Investitionen.

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Frage 9/10:

Welchen finanziellen Anteil übernimmt der Bund?

Der Bund trägt 60 Prozent, der Freistaat 30 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten.

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Frage 10/10:

Wie soll die Taktung der StUB zwischen Büchenbach-West und Herzogenaurach gestaltet werden?

Weil man an der Stadtgrenze Erlangen/Herzogenaurach nach einer aktuellen Prognose mit 10.800 statt zuvor mit 4900 Fahrgästen rechnet, wird dort künftig mit einem Zehn-Minuten-Takt geplant.

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Am 26. September 2021 ist Bundestagswahl. Was Sie beim Abstimmen beachten müssen, wer sich in Ihrem Wahlkreis um einen Parlamentssitz bewirbt und was ein Abgeordneter eigentlich verdient - das erfahren Sie in dem Paket, das wir für Sie unter diesem Link zusammengestellt haben. Alle Artikel zur Bundestagswahl 2021 finden Sie hier.

HANS VON DRAMINSKI

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