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Training trotz Corona: Zwei Schwestern aus dem Triathlon-Team

Die bereits ausgezogene Sarah Neukam lebt wieder mit ihrer Familie unter einem Dach - 01.04.2020 08:52 Uhr

Dürfen als Schwestern gemeinsam trainieren: Sarah und Theresa Neukam nutzen die Zeit auch, um mit den Mountainbikes zu fahren. © Foto: Neukam


Zu Hause bei Familie Neukam ist wieder alles wie früher. Wie damals, als die älteste Tochter Sarah noch daheim bei ihren Eltern und ihrer Schwester Theresa. "Ich hatte bis vor drei Wochen noch Uni", sagt Sarah Neukam. "In den Semesterferien komme ich für ein paar Tage heim." Jetzt aber bleibt sie länger als geplant. Corona sei dank.

"Meine WG-Mitbewohner bleiben erst einmal zu Hause und kommen nicht zurück nach Erlangen", alleine in der Wohnung sein wollte die 23-jährige Sarah Neukam auch nicht. "Da ist man froh, wenn man eine Familie um sich hat." Weit weg war die sowieso nie. Die Familie Neukam wohnt in Büchenbach, Tochter Sarah studiert an der FAU Zahnmedizin. Theresa Neukam, 20 Jahre alt, macht das auch, blieb aber weiterhin zu Hause wohnen.

"Auf der einen Seite ist es total schön, dass Sarah wieder daheim ist", meint die jüngere Schwester. "Auf der anderen Seite ist jetzt wieder eine Person mehr im Haus. Früher war meine Einschlafmusik immer das Getrampel von Sarah auf der Treppe nach oben. Das habe ich jetzt wieder." Es fühle sich an wie eine "Zeitreise in vergangene Jahre".

Zuerst musste sich Theresa Neukam auch noch auf ihr Staatsexamen vorbereiten, sie lernte täglich, während Sarah Neukam viel Freizeit hatte und diese auch zum lauten Singen nutzte. Umgekehrt ist es auch für die ältere Schwester ungewohnt. "Morgens brauche ich eigentlich eine halbe Stunde, um wach zu werden. Hier muss man schnell wach sein, weil die Eltern einem in der Küche gleich viele Fragen stellen."

Als Kinder im Schwimmtraining: Sarah (links) und Theresa Neukam.


Das klassische "Hotel Mama" gibt es übrigens nicht, gab es schon lange nicht mehr. "Wir mussten früh anfangen, im Haushalt mitzuhelfen", sagt Sarah Neukam. "Zuletzt war ich diejenige, die am meisten Zeit hat. Also koche ich auch mal das Mittagessen." An ihrer Doktorarbeit kann Sarah Neukam nicht wirklich weiterarbeiten. Seit ein paar Tagen hat auch ihre Schwester mehr Zeit, ihre Prüfungen wurden abgesagt.

Meistens aber genießen es die Neukams, dass wieder alle unter einem Dach leben. "Wir haben als Schwestern ein sehr gutes Verhältnis", sagt Theresa Neukam. "Die Situation, so schlimm sie zusammen gebracht", sagt Sarah Neukam. Ohne Training und Freizeittermine besinne man sich auf die Familie. "Einen Abend haben wir zusammen eine Folge Alf geschaut." Wirklich wie früher.


Erlanger Triathlon: Entscheidung wegen Corona Ende April


Die Eltern, der Papa ist Zahnarzt, haben ihren Töchtern auch die Freude am Sport mitgegeben. "Wir haben viele Sportarten ausprobiert, uns dann fürs Schwimmen entschieden", sagt Sarah Neukam. Später ging es zum Triathlon. Und natürlich folgte die jüngere Schwester der älteren. Sportlich macht es daher auch Sinn, dass Sarah Neukam zu Hause wohnt.

Als Triathletin kann sie zwei von drei Disziplinen trotz Ausgangsbeschränkung ausüben. Schwimmen geht nicht, da bleiben nur Trockenübungen. "Der Vorteil ist, dass ich nicht alleine trainieren muss, weil ich mit meiner Schwester Radfahren und Laufen kann", sagt Sarah Neukam. Beide Schwestern starten in der Damen-Mannschaft des TV 48 Erlangen in der zweiten Bundesliga. Ob dort die Saison im Juni normal beginnt, steht aktuell noch nicht fest. Der Rothsee-Triathlon zumindest fällt aus.

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Corona-Krise: Das Foto-Tagebuch aus Erlangen

Die einzige derzeit mögliche Maßnahme, Corona-Virus-Infektionen zu vermeiden, geht nur über die Vermeidung persönlicher Kontakte. Die Folge: Das Alltagsleben in Erlangen wurde "runtergefahren". Seit den ersten Lockerungen nach den Osterferien fährt die Staatsregierung das öffentliche Leben sukzessive wieder hoch. Fotograf Harald Sippel zeigt die Situation in einem Bilder-Tagebuch.


Trotzdem trainieren Sarah und Theresa Neukam weiter, allein schon aus Spaß. "Mein Zimmer wurde zu einem Athletikraum umfunktioniert", sagt Sarah Neukam. Hier machen beide ihre Kraft-Übungen. Zumindest bis vor wenigen Tagen. Theresa Neukam knickte dann unglücklich um, zwei Wochen muss sie mit Krücken gehen. "Das ist doof, auch weil ich jetzt doch erst einmal alleine trainieren muss", sagt Sarah Neukam. Ansonsten aber ist bei Familie Neukam fast alles wie früher.

Beim TV 1848 Erlangen laufen die Planungen für den Erlanger Triathlon und die Saison in der zweiten Liga trotz der Corona-Pandemie bis zum 19. April normal weiter. Nach Rücksprache mit der Deutsche Triathlon Union und dem Vorsitzenden des Turnvereins, Jörg Bergner, will der Verein in der Kalenderwoche 17 die Lage neu beurteilt. Der Erlanger Triathlon soll am 19. Juli stattfinden.

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