Sonntag, 25.10.2020

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Vor 20 Jahren: Polizistenmord in Bubenreuth

Der 31-jährige Polizeihauptmeister Christian Trautner wurde erschossen - 12.10.2020 11:13 Uhr

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung trugen seine Kollegen den erschossenen Christian Trautner in Hausen bei Forchheim zu Grabe.

© Archivfoto: Ralf Rödel


Am Steuer des Ford sitzt ein 40-jähriger, wegen Drogenhandel und Körperverletzung vorbestrafter Schwerverbrecher, gegen den ein Haftbefehl vorliegt: Marcel E. hatte Ende Juli 2000 in der forensischen Klinik Mainkofen bei Plattling einen Krankenpfleger überwältigt und war danach geflüchtet. Freunde hatten ihn in Franken versteckt und mit falschen Papieren, einem Auto und einem Handy versorgt.

In Bubenreuth kommt er nach einer wilden Verfolgungsjagd nicht mehr weiter: Sein Auto ist kaputt. Mit entsicherten Waffen nähern sich die beiden Polizisten vorsichtig dem Wagen. Zu diesem Zeitpunkt glauben sie noch, es mit einem Betrunkenen zu tun zu haben, der Angst um den Führerschein hat.

Ohne Vorwarnung gefeuert

Marcel E., aus Forchheim stammender Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners, eröffnet ohne Vorwarnung das Feuer und trifft Trautner tödlich. Eine weitere Kugel erwischt den anderen Polizisten an der Schulter. Der Beamte feuert zurück und trifft E. fünf Mal – trotz schwerer Verletzungen im Bauch kann der noch Widerstand leisten. Erst als Verstärkung eintrifft, wird der Todesschütze überwältigt.

Der Fluchtwagen des Polizistenmörders wurde von der Kriminalforensik untersucht.

© Günter Distler


Erster Polizeihauptkommissar Norbert Liedel ist an jenem Tag Leiter der Polizeiinspektion Erlangen-Land, die damals in der Erlanger Artilleriestraße residiert. "Mitten in der Nacht rief eine Kollegin der Dienstgruppe an, die mir in dürren Worten mitteilte, es habe einen Schusswaffengebrauch in Bubenreuth gegeben, ein Kollege sei schwerstverletzt", erinnert sich Liedel.

Bei strömendem Regen

Bei strömenden Regen fährt der Inspektionsleiter zunächst in die Dienststelle und dann an den Tatort in der Bubenreuther Frankenstraße. "Dort wurden die beiden verletzten Polizisten und der Täter von Notärzten behandelt", erzählt Liedel, der Christian Trautner wenige Stunden zuvor noch gesehen hatte: "Da saß er an seinem Schreibtisch, die Sonnenbrille auf der Nase und ein Lachen im Gesicht". Sein freundliches Wesen und seine Umgänglichkeit hätten Trautner stets ausgezeichnet.


Nach dem Mord wurde vieles anders


Polizeisprecher Peter Grötsch zeigt eine der Tatwaffe baugleiche russische Makarow-Pistole.

© Archivfoto: Günter Distler


Der Mörder soll einer früheren Freundin gesagt haben, ehe er sich verhaften lasse, werde er einige Polizisten "mitnehmen". Christian Trautner verblutete an seinen Verletzungen. Der Täter wurde zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Norbert Liedel hatte die schwere Aufgabe, Trautners Eltern die Nachricht vom Tod ihres Sohnes zu überbringen. Er nahm einen Polizeiseelsorger mit, aber dennoch "waren das die schlimmsten Stunden meines Dienstlebens", so der inzwischen 78-Jährige. Heute sieht Liedel beunruhigende gesellschaftliche Veränderungen: "Es fehlt am Respekt gegenüber der Polizei. Ich ziehe meinen Hut vor der jetzigen Polizisten-Generation, die dennoch bürgernah arbeitet."

An diesem Montag, 12. Oktober, 13 Uhr, gibt es am Tatort in der Frankenstraße in Bubenreuth ein Totengedenken, in dessen Rahmen auch ein neuer Gedenkstein eingeweiht wird.

HANS VON DRAMINSKI

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