Sommerserie: Mein Lieblingsplatz

Weißes Schloss Heroldsberg: Vom Rathaus zum Ausflugsziel

Isabella Fischer
Isabella Fischer

Hochschule & Wissenschaft

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21.8.2021, 12:28 Uhr
Der pensionierte Lehrer Eberhard Brunel-Geuder (68) betreibt das Weiße Schloss Heroldsberg ehrenamtlich mit seinem Team des Vereins Kulturfreunde Heroldsberg e.V.

Der pensionierte Lehrer Eberhard Brunel-Geuder (68) betreibt das Weiße Schloss Heroldsberg ehrenamtlich mit seinem Team des Vereins Kulturfreunde Heroldsberg e.V. © Isabella Fischer

Kinder gehen eilig die Treppen der Rutsche nach oben und gleiten ins kühle Nass. Am Kiosk wandern Pommes und Eis über den Tresen, auf der Liegewiese bilden Handtücher einen bunten Teppich. Endlich ist er da, der Sommer im Heroldsberger Schlossbad, das 2018 zum zweitschönsten Bad Deutschlands gewählt wurde.

Das Weiße Schloss Heroldsberg vereint die Baustile des Mittelalters, der Barock-Zeit sowie der Moderne. Bis 2005 war es Sitz des Heroldsberger Rathauses, heute dient es der Gemeinde als Museum für Ortsgeschichte und Kunst sowie als Ausstellungs- und Veranstaltungsort. 

Das Weiße Schloss Heroldsberg vereint die Baustile des Mittelalters, der Barock-Zeit sowie der Moderne. Bis 2005 war es Sitz des Heroldsberger Rathauses, heute dient es der Gemeinde als Museum für Ortsgeschichte und Kunst sowie als Ausstellungs- und Veranstaltungsort.  © Isabella Fischer

Eberhard Brunel-Geuder sieht sich das bunte Treiben vom Hof des Weißen Schlosses an, das erhöht über dem Freibad liegt. Er ist an seinem Lieblingsplatz, das Weiße Schloss, zu dem er eine ganz besondere Beziehung hat. Seine Vorfahren, die Nürnberger Patrizierfamilie Geuder von Heroldsberg, erbaute ab 1471 die vier Heroldsberger Schlösser, das Grüne, Weiße, Rote sowie das Gelbe.

Bis 2005 war das Weiße Schloss Sitz des Heroldsberger Rathauses. Das gepflegte Gebäude mit den rostroten Fensterläden und dem achteckigen Turm vereint Baustile des Mittelalters, der Barock-Zeit sowie die Moderne. Brunel-Geuder kennt das Areal in und auswendig. Der pensionierte Lehrer war vier Jahrzehnte lang in der Politik aktiv, zwölf Jahre stellvertretender Bürgermeister der Marktgemeinde. Nachdem das Rathaus auszog, war für den 68-Jährigen klar, dass das Schloss erhalten werden muss.


Ausstellung im Weißen Schloss: Fritz Griebel - Der Meister des Aquarells


Seine Vision: Ein Museum für Kunst und Geschichte zu eröffnen. "Es gab mehrere Sammlungen über Heroldsberger Familien wie die Geuders. Die waren aber überall verteilt, auf Dachböden, in Kellern oder im Rathaus", erzählt Brunel-Geuder. Sein Wunsch war, diese Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch der Weg dahin war steinig, Brunel-Geuder musste über Jahre gegen massive Widerstände ankämpfen. "Die Gegner des Projekts wollten das Schloss unbedingt verkaufen. Für mich kam das nicht infrage, ich wollte das Vorhaben unbedingt realisieren", erzählt er.

Vom Weißen Schloss, das leicht erhöht liegt, haben Besucherinnen und Besucher einen optimalen Blick auf das Schlossbad, das 2018 zum zweitschönsten Bad Deutschlands gewählt wurde. 

Vom Weißen Schloss, das leicht erhöht liegt, haben Besucherinnen und Besucher einen optimalen Blick auf das Schlossbad, das 2018 zum zweitschönsten Bad Deutschlands gewählt wurde.  © Isabella Fischer

Seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Nach Jahren des Leerstands wurde das Schloss 2017 nach dreijähriger Grundsanierung als Museum für Kunst und Geschichte wiedereröffnet. Er nennt es eine "glückliche Fügung", dass er seinen Traum verwirklichen konnte. Heute finden Besucherinnen und Besucher in den drei lichtdurchfluteten Etagen wechselnde Kunst-Ausstellungen, wie die des Malers und Grafikers Fritz Griebel (1899-1976), dem ehemaligen Direktor der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Im Festsaal im zweiten Stock, mit bestem Blick auf das Westbad, finden regelmäßig Trauungen statt.

Brunel-Geuder und die Mitglieder des Vereins Kulturfreunde Heroldsberg e.V. arbeiten allesamt ehrenamtlich, tausende Stunden steckten sie in den vergangenen Jahren in den Betrieb. "Ausstellungen planen und das Ganze, das habe ich mir nach der Pensionierung alles selbst beigebracht - Learning by doing", erzählt Brunel-Geuder.


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Das Schloss ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Metropolregion geworden. Brunel-Geuder macht das sichtlich stolz. "Ich habe so viele Jahre dafür gekämpft und trotz der Rückschläge nie aufgegeben. Dass es jetzt so gut läuft, macht mich überglücklich", sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. "Der Verein lebt vor, wie vorbildliches bürgerliches Engagement funktioniert", sagt er. "Ohne Teamwork würde das alles nicht funktionieren."

Brunel-Geuder hat noch einen zweiten Lieblingsort: "Das Schloss Café. Das wird bei gutem Wetter im Hof aufgebaut. Meine Frau backt super Kuchen, den müssen Sie unbedingt mal probieren."


TIPP: Das Weiße Schloss Heroldsberg (Kirchenweg 4, 90562 Heroldsberg) hat Mittwochs von 10 Uhr bis 13 Uhr und von Freitag bis Sonntag, 15 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung "Fritz Griebel - meisterhafte Aquarellmalerei" läuft noch bis zum 12. September 2021. Ein Tipp im Tipp: Das Schloss Café mit selbstgebackenem Kuchen öffnet bei gutem Wetter immer sonntags von 15 bis 18 Uhr im Hof des Geländes. Mehr Informationen finden Sie hier.

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