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Fall Peggy: Chronik einer einzigartigen Kriminalgeschichte

Im September 2018 nimmt der Fall erneut eine spektakuläre Wende - 18.11.2019 15:43 Uhr

7. Mai 2001:
Die neunjährige Peggy wird nach der Schule zum letzten Mal in ihrem Wohnort Lichtenberg (Kreis Hof) gesehen. Am Abend meldet ihre alleinerziehende Mutter das Kind als vermisst. Eine Monate dauernde Suchaktion, sogar mit Tornados und Spürhunden, beginnt.

Februar 2002:
Erster Kriminalhauptkommissar Herbert Manhart, Leiter der Sonderkommission „Peggy“ geht in Ruhestand, Innenminister Günther Beckstein setzt jetzt die Soko Peggy II unter Kriminaldirektor Wolfgang Geier ein.

Oktober 2002:
Die Polizei nimmt einen 24-jährigen geistig behinderten Gastwirtssohn fest. Er soll Peggy am 7. Mai 2001 ermordet haben, um einen sexuellen Missbrauch an ihr zu vertuschen. Die Manhart-Komission hatte ihn als Täter ausgeschlossen, weil er ein lückenloses Alibi hatte.

Das Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy beginnt am 10. April 2014 im Schwurgerichtssaal in Bayreuth.

08.04.2014 © dpa




7. Oktober 2003:
Vor dem Landgericht Hof beginnt der Mordprozess gegen den Tatverdächtigen. Er platzt nach fünf Verhandlungstagen wegen fehlerhafter Besetzung der Strafkammer.

11. November 2003:
Der Prozess beginnt erneut.

30. April 2004:
Der Angeklagte wird nach 26 Sitzungstagen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

27. Oktober 2010:
Ein Belastungszeuge widerruft vor einem Richter seine Aussage, der frühere Nachbar habe ihm den Mord an Peggy gestanden.

19. Juli 2012:
Nach Medienberichten und einen Fernsehbeitrag über die Ungereimtheiten im Fall Peggy nimmt die Staatsanwaltschaft Bayreuth eigene Ermittlungen auf.

4. April 2013:
Die Verteidigung reicht den 2000 Seiten dicken Wiederaufnahmeantrag ein.

20. November 2013:
Die Staatsanwaltschaft Bayreuth befürwortet ein Wiederaufnahmeverfahren.

9. Dezember 2013:
Das Landgericht Bayreuth ordnet die Wiederaufnahme des Verfahrens an.

Februar bis April 2014:
Die Staatsanwaltschaft vernimmt drei weitere Verdächtige.

10. April 2014:
Der neue Prozess beginnt in Bayreuth.

28. April 2014:
Die oberfränkische Polizei durchsucht  in Lichtenberg erneut ein Wohnhaus.

5. Mai 2014:
Der ehemalige Leiter der Soko I sagt im Wiederaufnahmeverfahren aus. Er hält es für denkbar, dass Peggy Knobloch noch lebt.

14. Mai 2015:
Das Gericht spricht den ehemaligen Nachbarn von Peggy frei.

18. Februar 2015:
Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen gegen drei bislang Tatverdächtige ein.

29. April 2015:
Einheiten der Bayerischen Bereitschaftspolizei suchen die Talsperre Pirk in Sachsen erneut ab.

3. Juni 2015:
Der Fall Peggy wird in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY.... ungelöst" thematisiert.

Über 200 Anrufe gehen ein.

31. Juli 2015:
Nach dem Freispruch wird der ehemals Verdächtige aus der Haft entlassen.

4. Juli 2016
Spektakuläre Wende: In einem thüringischem Waldstück werden Knochenstücke gefunden, die höchstwahrscheinlich von Peggy stammen.

5. Juli 2016
Das Ergebnis der DNA-Untersuchung liegt vor. Die Knochenteile stammen zweifelsfrei von Peggy. Die Polizei weitet die Suche nach Spuren aus.

13. Oktober 2016
Überraschende Wende: Am Fundort der Leiche des neunjährigen Mädchens sind DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden.

8. März 2017

Nach der Auswertung einer DNA-Spur von Uwe Böhnhardt ist klar: Die Spuren stehen nicht im Zusammenhang mit dem Tod von Peggy Knobloch.

13. September 2018

Aufgrund neuer Erkenntnisse werden mehrere Anwesen in Oberfranken durchsucht. Im Fokus der Ermittlungen steht ein 41-Jähriger, der offenbar bereits nach Peggys Verschwinden zu den Verdächtigen zählte.

21. September 2018

In den Vernehmungen gesteht der 41-Jährige, den leblosen Körper von Peggy 2001 in ein Waldstück nach Thüringen gebracht zu haben. Umgebracht habe er das damals neunjährige Mädchen aber nicht.

10. Dezember 2018

Die Polizei nimmt den 41-Jährigen fest. Es bestehe ein dringender Tatverdacht, dass "der Mann selbst Täter oder Mittäter" an Peggys Tötung war und anschließend den leblosen Körper in einem Wald ablegte, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

21. Dezember 2018

Der Anwalt des 41-Jährigen legt Beschwerde gegen den Haftbefehl beim Amtsgericht Bayreuth ein. Zuvor hatte der Tatverdächtige sein Teilgeständnis wiederrufen

24. Dezember 2018

Das Amtsgericht Bayreuth hat an Heiligabend den Haftbefehl gegen den 41-jährigen Tatverdächtigen im Mordfall Peggy aufgehoben und den Mann aus der Untersuchungshaft entlassen. 

14. Januar 2019

Die Staatsanwaltschaft legt Beschwerde gegen die Freilassung des 41-jährigen Tatverdächtigen ein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bestehe weiterhin dringender Tatverdacht.

13. Februar 2019

Nach dem Amtsgericht hat nun auch das Landgericht Bayreuth die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Aufhebung des Haftbefehls zurückgewiesen. In einem Punkt ist der 41-Jährige weiter dringend tatverdächtig: Er soll in das Tötungsdelikt verwickelt sein.

18. November 2019

Gudrun Rödel, Betreuerin des geistig behinderten Gastwirtssohn Ulvi K., bekommt per Brief mitgeteilt, dass Sie ab dem Fund der Leichenteile der kleinen Peggy im Jahr 2016 telefonisch überwacht worden ist.

egr/dpa/ynn

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