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Dienstag, 18.06.2019

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50. Geburtstag: Die Tennis-Welt der Wiltrud Probst

Die frühere Profi-Spielerin wünscht sich Geduld mit der Jugend - 05.06.2019 14:39 Uhr

Wiltrud Probst 1992 bei den French Open in Paris. © imago/Bergmann


Frau Probst, herzlichen Glückwunsch. Wie haben Sie Ihr rundes Jubiläum in der vergangenen Woche gefeiert?

Vielen Dank. Ich hatte die Damenmannschaft aus Neunkirchen, Freunde und Nachbarn zum Sektempfang zu Gast. Am Samstag gab es dann noch ein feierliches Treffen mit ehemaligen Trainern und Weggefährten.

Was kommt Ihnen beim Rückblick auf die Karriere als Erstes in den Kopf?

Die Urkunden aus der Kinder- und Jugendzeit, die ich kürzlich gefunden habe. Ich denke auch an die Erfolge mit den Mannschaften in Erlangen und Fürth in der Bundesliga, prägend war natürlich mit 16 Jahren der Schritt ins Förderzentrum nach Hannover. Frisch im Gedächtnis von der Geburtstagsfeier ist die Geschichte von einem der damaligen Trainer, dass ich anfangs gar nicht begriffen hatte, was mit Kulminationspunkt beim Treffen des Balles gemeint war, es aber wohl doch instinktiv richtig

Die professionelle Laufbahn auf der Tour, die mit dem Einzug ins Achtelfinale der French Open 1990 Fahrt aufnahm, haben Sie gar nicht erwähnt. Ist davon nichts Positives in Erinnerung geblieben?

Doch schon. Zum Beispiel habe ich immer noch die Armbanduhr, die ich mir lange nicht gönnen wollte, bis ich mit meiner Doppelpartnerin Christina Singer, die mich mit dem Kauf motiviert hat, ein Turnier in Essen gewonnen habe. Es war eine schöne Zeit mit knappen Einblicken in andere Länder und Kulturen abseits des Spiels. Aber das Leben aus dem Reisekoffer vermisse ich definitiv nicht und würde mit der Erfahrung von heute sicher manches anders machen.

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Woran denken Sie?

Ich stelle mir vor, dass vielleicht ein bisschen mehr möglich gewesen wäre, wenn ich mir jeweils zum richtigen Zeitpunkt mehr Pausen zwischen den Wettkämpfen gegeben hätte. Doch die Planung war extrem kurzfristig, man musste ja genug Ranglistenpunkte sammeln um seine Position zu behaupten.

Aktuell verschärft der internationale Verband sogar noch die Regularien für die breite Masse, die auf den Durchbruch wartet. Wie finden Sie das?

Als Spieler musst du dich natürlich an den Rahmen anpassen, der immer wieder mal politisch in die eine oder andere Richtung gedreht wird. Im Detail kann ich auch wenig über die gegenwärtigen Bedingungen sagen, bin allerdings vom Prinzip nicht begeistert.

Nach 13 Jahren im Profi-Zirkus kehrte Wiltrud Probst zurück in den Heimatort und gründete in Neunkirchen 2003 eine eigene Tennisschule, deren Geschäfte sie inzwischen weitergegeben hat. Der TC ernannte sie zum Ehrenmitglied. © Edgar Pfrogner




Warum?

Ich würde mir wünschen, den Druck auf die Talente nicht noch zu verstärken. Sie sollen Zeit für die Entwicklung bekommen, die nur durch genügend Wettkampfpraxis gelingt. Bei uns im Verein achte ich darauf, dass sich der Nachwuchs aus eigenem Antrieb verbessern möchte, weil er Spaß daran findet. Es muss nicht jedes Kind vier Stunden am Tag trainieren und von der Profikarriere träumen.

Wie bewerten Sie – vor diesem Hintergrund – gerade die schwache Bilanz der deutschen Frauen bei den French Open in Paris und die teilweise aufkommende Debatte um die künftige Konkurrenzfähigkeit der Aushängeschilder?

Angelique Kerber und Julia Görges waren offensichtlich nicht in Vollbesitz ihrer Kräfte, das kann passieren. Sie haben oft gezeigt, dass sie für Ergebnisse in der erweiterten Weltspitze gut sind. Damit muss man auch einmal zufrieden sein und sollte nicht immer die Vergleiche zu Steffi Graf ziehen. Sie war eine Jahrhundertspielerin. Sicher bringt der eine oder andere Kopf aus der neuen Generation wieder Potenzial, man muss sie nur einfach spielen lassen.

  

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