Zu viele Baustellen

Bauarbeiten legen den Verkehr in Forchheim komplett lahm

5.8.2021, 05:57 Uhr
Der Verkehr in Forchheim und Umgebung ist lahmgelegt. Drei Baustellen, das klingt nach nicht viel. Sie haben es aber in sich, denn sie befinden sich ausgerechnet auf den drei Verkehrsadern in Ost-West-Richtung. Die Folge: Für Wege, die normalerweise zehn Minuten dauern, braucht man eine Stunde und auf den Hauptverkehrsstraßen ist alles dicht.

Der Verkehr in Forchheim und Umgebung ist lahmgelegt. Drei Baustellen, das klingt nach nicht viel. Sie haben es aber in sich, denn sie befinden sich ausgerechnet auf den drei Verkehrsadern in Ost-West-Richtung. Die Folge: Für Wege, die normalerweise zehn Minuten dauern, braucht man eine Stunde und auf den Hauptverkehrsstraßen ist alles dicht. © Foto: Berny Meyer

Den Anfang machte die Piastenbrücke in Forchheim: Anfang Juli wurde die Untere Kellerstraße für den Verkehr gesperrt. Hier baut die Deutsche Bahn die ICE-Strecke zwischen Fürth und Bamberg aus und dazu muss die alte Piastenbrücke weichen. Soweit so gut, es waren ja noch zwei Straßen in Ost-West-Richtung übrig.

Die Umfahrung von Forchheim im Süden über Reuth, Gosberg und den Kersbacher Kreisel fällt jedoch seit Montag, 2. August, ebenfalls flach: Die Ortsdurchfahrt von Gosberg ist zwischen der Abzweigung nach Dobenreuth und dem Ortsausgang in Richtung Pinzberg und Kersbach gesperrt. Dort baut die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Gosberg seit Neuestem eine Regen-Entlastungsanlage; die Sperrung dauert voraussichtlich noch bis 3. September.

Nur noch ein Nadelöhr

Was also als einziges Nadelöhr übrig bleibt, ist die Hauptachse durch Forchheim: Die Bundesstraße 470, die unter dem Namen Bayreuther Straße über die Brücke am Bahnhof führt. Weil aber die Forchheimer Stadtwerke zwischen der Heinrich-Soldan-Straße und der Berliner Straße gerade an ihrem dortigen Abwasserkanal werkeln, wird der Verkehr seit Anfang der Woche mit einer Baustellenampel einspurig geführt.

Am Montag ereignete sich im Bereich besagter Baustelle ein tödlicher Unfall. Wie berichtet wurde eine 84-jährige Frau von einem Lastwagen erfasst und tödlich verletzt. In der Folge wurde das Nadelöhr Bayreuther Straße von Polizei und Feuerwehr für die Unfallaufnahme und die Arbeit eines von der Staatsanwaltschaft angeforderten Gutachters komplett abgeriegelt. Für über drei Stunden ging dann von West nach Ost wirklich gar nichts mehr.

Der Rückstau in die Straßen rund um die Unfallstelle war am Montag beträchtlich. Aber auch ohne eine unfallbedingte Komplettsperrung kommt es auf den Straßen in und um Forchheim im Moment zu chaotischen Zuständen: Dort, wo die Hainbrunnenstraße auf die Bayreuther Straße trifft, halten sich viele Autofahrer nicht an die Vorschrift, nicht in eine Kreuzung einzufahren, wenn diese verstopft ist. Dann bekommt die nächste Fahrtrichtung Grün, aber keiner kommt mehr vorwärts, weil in der Kreuzung noch der Querverkehr des vorigen Ampeltaktes steht.

Auf der Bayreuther Straße erstreckt sich der Rückstau vor der Baustellenampel mitunter bis zum Rewe-Supermarkt, ein schnelles Vorwärtskommen aus Reuth oder Ebermannstadt kommend etwa zur Abzweigung zum Klinikum ist unmöglich. Das gleiche Bild zeigt sich auf der Westseite der Brücke: Auf der Willy-Brand-Allee und auf der Adenauerallee stehen die Autos dicht an dicht. Wer aus Richtung Süden kommend etwa zum Bahnhof abbiegen will und es eilig hat, um einen Zug zu erwischen, hat keine Chance – die rechte Spur ist gewöhnlich komplett dicht mit Wartenden, die weiter vorne nach rechts über die Brücke wollen.

Die Polizei kontrolliert verstärkt

Vom Chaos mitbetroffen: Die Busse des ÖPNV, die den ZOB vor dem Bahnhof ansteuern wollen und sich in die Autoschlangen einreihen müssen. Manche Autofahrer weichen in Anbetracht des Staus auf der Bundesstraße in die weiter nördlich verlaufenden Wohnstraßen aus. Wo es dann spätestens dann eng zugeht, wenn Autos – berechtigterweise – am Straßenrand parken. Wie Britta Kurth als Pressesprecherin der Stadt Forchheim erklärt, werde der Verkehr etwa im Bereich der Katzensteinstraße aktuell verstärkt von der Polizei kontrolliert, um dieser Situation zu begegnen. Und man habe die Ampelschaltungen an der Brücke über die Eisenbahnstrecke am Bahnhof geändert, um den Verkehrsfluss so gut es ging zu beschleunigen.

In Gosberg landen derweil immer wieder Laster und Sattelzüge mitten in der Baustelle, deren Fahrer die Sperrung übersehen oder missachtet haben. "Die fahren teilweise über den Radweg von Pinzberg nach Gosberg-Bahnhof und durch den Bach weiter", sagt Joachim Galster, der in Gosberg wohnt. Um die verfahrene Situation zu klären, müssen Anwohner wie er zum Teil selbst eingreifen, so Galster weiter: "Die Polizei kommt nicht. Die haben mir erklärt, sie hätten keine personellen Ressourcen." Galster selbst forderte schon Autofahrer auf, Platz zu machen, damit ein havarierter Sattelzug wenden und rangieren kann. Diese Manöver aus der engen Baustelle heraus dauern seiner Beobachtung nach mitunter eine halbe Stunde und in dieser Zeit gehe auf den Ortsstraßen vor und hinter der Baustelle gar nichts mehr.

Beschilderung führt in die Irre

Zum Teil würden die Anwohner auch von Autofahrern beschimpft, die nicht verstehen, warum sie nicht durch die Ortschaft fahren dürften. Galster hat sogar Fahrschulautos beobachtet, die sich durch die Baustelle zwängen: "Das kann ich nicht nachvollziehen. Die Fahrschüler sollen doch lernen, wie man sich an die Regeln hält." Was das Chaos verschärft, ist die Beschilderung, die aus Sicht von Galster unzureichend ist: Im Kersbacher Kreisel etwa sei beim Wegweiser an der Ausfahrt der Ortsname Gosberg nicht rot überklebt, so dass jeder, der aus dieser Richtung komme, nicht mit der Sperrung rechne.

"Das ist eine schreckliche Situation im Augenblick", das räumt eine Mitarbeiterin der VG Gosberg ein. Man habe die Baumaßnahme an der Ortsdurchfahrt eigens für die Zeit der Sommerferien geplant und auch Wert darauf gelegt, vorher die Arbeiten an der Ortsdurchfahrt in Wiesenthau fertig zu stellen, die zuvor ebenfalls gesperrt war. Es handele sich aber um "Arbeiten, die gemacht werden müssen".

Die Bahnhofstraße in Forchheim-Kersbach war für zwei Tage ebenfalls komplett dicht. Jetzt regelt eine Ampel einen einspurigen Wechselverkehr.

Die Bahnhofstraße in Forchheim-Kersbach war für zwei Tage ebenfalls komplett dicht. Jetzt regelt eine Ampel einen einspurigen Wechselverkehr.

Wer Gosberg umfahren will, kann eine Umleitung über Dobenreuth, Gaiganz, Kunreuth, Effeltrich und Pinzberg nehmen. Allerdings unter Beachtung der Tatsache, dass man im Moment auch nicht mehr von Kunreuth nach Mittelehrenbach kommt: Auf Höhe der Obstmarkthalle in Mittelehrenbach wird derzeit und noch bis 30. Oktober ebenfalls an der Straße gebaut, so dass auch hier kein Durchkommen mehr ist. Hier führt die Umleitung weiter über Walkersbrunn, Kasberg und Oberehrenbach. Und in Kersbach ist die Bahnhofstraße am Montag und am Dienstag komplett gesperrt gewesen; jetzt regelt eine Ampel dort einen einspurigen Wechselverkehr.

Doch warum müssen die Straßen ausgerechnet alle gleichzeitig gesperrt werden? In Forchheim verweist die Pressesprecherin der Stadtwerke, Nicole Dutschmann, darauf, dass man den Einbau eines Drosselbauwerks in das Kanalnetz unter der B 470 mit dem städtischen Ordnungsamt abgestimmt habe und das habe die Arbeiten genehmigt. "Die Koordination mit anderen Baustellen liegt nicht in unserer Hand", so Dutschmann weiter. Die VG Gosberg erklärt, dass das Landratsamt die Sperrung der Durchfahrt in Abstimmung mit der VG angeordnet habe.

Aus Sicht des Landratsamts "spricht nichts gegen die Baumaßnahmen, weil Umleitungen ausgewiesen sind", sagt Pressesprecher Holger Strehl. Die Situation nach dem Unfall am Montag mit der Komplettsperrung der B 470 sei allerdings "ein Super-Gau" gewesen. Wir haben auch die Polizei nach ihrer Beurteilung der Lage gefragt, jedoch ohne Antwort bis Redaktionsschluss.

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