Corona: Stadtrat kritisiert Forchheims OB als "Esoteriker" und "Verschwörungstheoretiker"

29.10.2020, 20:01 Uhr
Ein deutlich formuliertes Stop-Signal an die bisherige Corona-Politik des Oberbürgermeisters Uwe Kirschstein (SPD) sendeten Teile des Stadtrates am Donnerstagabend in der Stadtratssitzung.

Ein deutlich formuliertes Stop-Signal an die bisherige Corona-Politik des Oberbürgermeisters Uwe Kirschstein (SPD) sendeten Teile des Stadtrates am Donnerstagabend in der Stadtratssitzung. © Ralf Rödel

CSU-Stadtrat Thomas Werner hat Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) in der Stadtratssitzung am Montagabend in einem Appell dazu aufgefordert, im Umgang mit der Corona-Pandemie "auf einen verantwortungsvollen Weg zurückzukehren, mit dem staatlichen Gesundheitsamt zusammenzuarbeiten und nicht den Eindruck zu erwecken, dass an der Spitze der Stadt ein Esoteriker oder Verschwörungstheoretiker steht. Überraschen Sie mich!". Aus dem Gremium erhielt Werner aus unterschiedlichen Fraktionen hörbare Zustimmung für seine Worte.

Werner kritisierte zudem die Entscheidung des OBs, mit städtischen Kitas nicht an der bayernweiten Corona-Studie teilzunehmen und hierfür "Beifall von teilweise rechtsextremen Gruppen" entgegengenommen zu haben. Der OB hatte die Nicht-Teilnahme damit begründet, dass bei möglicherweise positiven Testergebnissen die Fallzahlen im Landkreis steigen und dies Einschränkungen im öffentlichen Leben nach sich ziehe. Ansonsten stehe er der Studie "sehr positiv gegenüber", erwiderte der OB gestern auf die Kritik, die er "weit von sich" wies.

"Es geht nicht um Ihre Eitelkeit"

Verärgert zeigte sich Werner auch darüber, dass Kirschstein am Freitagabend mit einer Polizeistreife zur dort kurzfristig vom Landratsamt eingerichteten Corona-Teststation kam, obwohl die Station nachweislich zwischen den Ämtern von Land und Stadt abgesprochen war. "Es geht um die Gesundheit der Bevölkerung, nicht um Ihre Eitelkeit oder neue Scharmützel mit dem Landkreis", so Werner.

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes seien sehr stark verunsichert gewesen, "nachdem Sie gleich die Polizei mitnehmen mussten", so Werner. In diesen schwierigen Zeiten komme es "jetzt auf Solidarität und gemeinsames Handeln aller staatlicher Stellen und auch auf die Kommunen an", so der CSU-Stadtrat.

Polizei stand zum Einsatz bereit

Seinen Appell wollte Werner als Signal an die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes verstanden wissen, "dass wir hinter ihnen stehen und es nicht billigen, dass der OB mit der Polizei so eine Aufschau macht und die sinnvolle Arbeit des Amtes behindert". Werner vermutete, dass der OB mit der Aktion auf den "erfolglosen Versuch" im Frühjahr reagierte, als das Landratsamt der vom OB geforderten Wiederöffnung des Königsbades während der Corona-Beschränkungen widersprach. Damals stand die Polizei zum Einsatz bereit, hätte der OB das Bad geöffnet.

Sein Einschreiten bei der zwischenzeitlich abgeschafften Test-Station in Kersbach begründete der OB damit, dass er von Bürgern alarmiert worden sei, mit der Bitte, sich darum zu kümmern. "Dem komme ich als OB gerne nach." Danach habe er mit dem Landratsamt nach einem besseren Standort für eine weitere Station gesucht. In Kersbach hat sie sich im Ort befunden. Nachdem dort am Freitag reihenweise Schüler getestet wurden, kam es zu Staus und blockierten Anwohnereinfahrten. Die Verkehrsproblematik müsse berücksichtigt werden, so der OB. "Am Ende des Tages unterstützt die Stadt die Ziele des Landratsamtes", sagt Kirschstein und verweist auf die neue Teststation am Kellerwald.