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Der Club in Reuth: Die "geheime" Meisterfeier 1968

Bodenständiger Profi-Fußball: Altes Fotoalbum birgt einen Schatz - 03.06.2021 05:43 Uhr

Hoch die Gläser: Bunt gemischt feierten die Club-Spieler aus Nürnberg (unter anderem Heinz Strehl und Franz Brungs) und ihre Anhänger aus Reuth den Meisterschaftstriumph. Dass der FCN ein Jahr später abstiegen sollte, hätte bestimmt niemand geglaubt.
 

26.05.2021 © Andre Schwarzmann, NN


Durch Zufall haben die NN es herausgefunden und sind auf einen wahren Schatz gestoßen: auf ein Album mit Fotos dieser "geheimen" Feier, das sich im Besitz eines Ehepaars befindet (das seinen Namen nicht genannt haben will) und die Bilder selbst vom Reuther Andre Schwarzmann überlassen bekam, der damals fotografiert hatte.

Die Meisterschaft der Nürnberger war schon eine Woche vorher festgestanden - nach einem 2:0-Sieg beim FC Bayern München. "Mit einem Sonderzug fuhren Mannschaft und Präsidium um 20.40 Uhr nach Nürnberg, wo noch spät nachts Tausende am Bahnsteig warteten, um den neuen Meister zu feiern. Auf einem extra ausgerollten roten Teppich schritten die Spieler, angeführt vom vorbildlichen Kapitän Heinz Strehl, in eine lange Nacht in der Nürnberger Altstadt", heißt es nostalgisch auf der Club-Homepage.

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Als die Meisterspieler vom FCN das Dorf Reuth glücklich machten

Ein altes Foto-Album barg einen Schatz und brachte Überraschendes zutage: Ein großer Teil der Club-Meisterelf von 1968 feierte den Titelgewinn nicht mit dem Verein, sondern mit Fans im heutigen Forchheimer Stadtteil Reuth. Möglich gemacht hat das ein FCN-Fan der ersten Stunde, der einst die Dorffußballer der SpVgg Reuth coachte.


Und da es nach dem letzten Spieltag seinerzeit offenbar kein offizielles Bankett des Vereins gab, geschah das heute Undenkbare: Nach dem letzten Spiel, nochmals ein Sieg mit 2:1 über Borussia Dortmund, verschwand die halbe Elf in Oberfranken, genauer gesagt zu einer "geheimen" Feier ins einstige Gasthaus Heilmann (heutige Adresse Reuther Straße 25) nach Reuth.

Ein Traum ging in Erfüllung

Den Überraschungsbesuch am 25. Mai 1968 hatte Georg Schork in die Wege geleitet. Der 89-jährige Schlossermeister hat jenen denkwürdigen Abend und seine nicht weniger aufregende Vorgeschichte noch klar vor Augen: In der Gaststube ist man bester Stimmung. Für Wirt Rudolf Schuster (2010 verstorben) ging an jenem Samstagabend ein Traum in Erfüllung. "Jahrelang hat er mich gefragt, ob ich nicht einmal meine Verbindungen spielen lassen könnte", erzählt Schork. Nun ist es soweit.

Es sind zwar nicht alle Club-Legenden gekommen, aber die halbe Mannschaft mitsamt Ehefrauen. Darunter die Abwehrspieler Karl-Heinz "Charly" Ferschl und Ferdinand "Nandl" Wenauer, Kapitän Heinz Strehl, den Schork später als Trainer zum ASV Gaustadt vermittelt, und "Goldköpfchen" Franz Brungs. Letzterer genießt alleine durch seine fünf Tore wenige Monate zuvor im Spiel gegen die Bayern Kultstatus.

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Für die Club-Spieler und die übrigen handverlesenen Gäste haben Rudolf und Katharina Schuster nur das Beste aus seiner Metzgerei nebenan aufgetischt. "Es gab Schinken in Brotteig und Spargel", erinnert sich Georg Schork. Große Reden oder ein Musikprogramm sind nicht nötig. Viel wichtiger ist es, mit den Idolen ins Gespräch zu kommen. Schork: "Das waren ganz normale Menschen, keine abgehobenen Stars." Die historischen Fotos zeigen genau das: eine gesellige Runde bei Bier und Brotzeit.

Bei jedem Heimspiel dabei

"Schorsch" Schork ist seit Einführung der Fußball-Bundesliga 1963 bei jedem Heimspiel seines Clubs dabei, sogar beim allerersten Bundesligaspiel des FCN im August im Olympiastadion Berlin gegen die Hertha. "Wir fuhren in Reuth um 3 Uhr früh los", berichtet er. So anstrengend ist es nicht immer. Zu viert fährt man in Schorks Opel regelmäßig in den Sportpark Zabo. Mit dabei sind auch seine Ehefrau Gunda sowie das befreundete Ehepaar Alfons und Lydia Vasold. Von diesem Quartett lebt nur noch Georg Schork.

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Die ganz große Nähe kommt Ende der 1950er Jahre per Zufall zustande. Schorks Schwager Alfred Meier arbeitet als Bauschlosser in Nürnberg. Dort lernt auch ein junger Mann den Beruf: Karl-Heinz Ferschl - einer der späteren Meisterspieler. Man kommt ins Gespräch und findet sich von Beginn an sympathisch.

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Nun hat Schork Zugang zur Mannschaft wie kein Zweiter, darf auch beim Training zuschauen. "Wir trafen uns danach im Stuhlfauth-Zimmer. Da machte mir der 'Nandl' sogar das Angebot, ich sollte mittrainieren", sagt er. Was Schork für einen Scherz hält, meint Wenauer ernst. Denn damals war Torhüter Roland Wabra erkrankt. Der Club braucht einen Ersatz. Doch Schork lehnt ab. Dafür nimmt er Ferschls Angebot an, ihm beim Hausbau zu helfen. "Er übernachtete sogar in Reuth und verließ uns überstürzt. Nachher erfuhren wir, dass er mit dem Club auf eine Asien-Tournee geflogen war."

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Plätze neben der Ersatzbank

Manchmal fahren die Schorks und Vasolds auch zu Auswärtsspielen, dann aber mit dem Zug. "Dann versorgte uns Club-Kassier Adam Winkler mit Freikarten fürs Stadion. Wir hatten unsere Plätze unten am Spielfeld bei den Ersatzleuten", weiß der 89-Jährige noch genau. Nach einem Spiel in Karlsruhe darf man sogar im FCN-Abteil mit zurückfahren und wird von den Spielern beim Umstieg im Bahnhof Stuttgart zum Essen eingeladen.

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Bei der weiteren Rückfahrt habe dann FCN-Fan Edmund Schott, Betreiber eines Basalt-Steinbruchs nahe Stadtsteinach, der Mannschaft für deren Sieg sogar 23 Flaschen Sekt spendiert - zur Bestürzung des Trainers. "Der hatte den Schotter", erinnert sich Schork und erzählt vom "Gebetbuch" des erfolgreichen Unternehmers: eine Brieftasche voller Banknoten.


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Udo Güldner

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