Samstag, 27.02.2021

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Eine Schnaps-Idee: Gin aus Gräfenberg

Thomas Müller brennt im eigenen Wohnhaus Gin - Wissen in Kursen angeeignet - 08.01.2020 09:42 Uhr

Thomas Müller steht hier in seiner Brennerei in Gräfenberg. Praktischerweise befindet sich die Anlage in seinem Wohnhaus.

07.01.2020 © Foto: Rolf Riedel


Und das kam so: Weil einer Betriebsgemeinschaft von fast zwei Dutzend Mitarbeitern nach einem Essen in einer Gräfenberger Gaststätte ab 22 Uhr die weitere Bewirtung verweigert und die Stühle auf die Tische gestellt wurden, zog die Schar unzufrieden weiter. Gerade um die Ecke konnten sie einen Gastwirt, der gerade schließen wollte dazu überreden, ihnen noch einen Absacker auszuschenken.

Nach einigen Schnapsrunden kam die Idee auf, selbst Schnaps zu brennen, ohne zu wissen was das bedeutet. Doch die "Schnapsidee" fiel auf fruchtbaren Boden und der Samen ging nun auf. Jetzt schlägt die Stunde für Thomas Müller, der in Altenburg (Thüringen) 1976 geboren wurde und dort aufgewachsen ist und Maler gelernt hat. Mit 16 Jahren fand er bei einer Spedition in Ansbach eine Anstellung und arbeitete sich schnell empor.

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Er lernte seine heutige Frau Doris kennen, die aus Igensdorf/Letten kam. Nach der Hochzeit beschlossen die beiden, 2008 ein schon länger leer stehendes Haus in Gräfenberg zu erwerben und es in fünfjähriger Arbeit total zu sanieren.

In Thomas Müller reift der Plan, in seiner Freizeit nun die Idee zu verwirklichen, eine kleine Brennerei zu betreiben. Von einem Brenner in Pommer erwirbt er 2016 dessen Brennrecht und die Grundausstattung. Das Wissen eignet er sich in Kursen an, sein handwerkliches Geschick und sein Haus eröffnen ihm die Chance, einen Betrieb zu starten. Gebrannt wird das Obst aus der Region, das er aus dem Familienkreis erhält. Vornehmlich Birnen, Kirschen und Zwetschgen, inzwischen destilliert er fast 30 Sorten. Verkauft wird über Mundpropaganda.

Anatomen fragen an

Da erreicht ihn die Anfrage zweier Anatomen aus der Uni Erlangen, Lars und Michael, ob er auch Gin brennen kann. Thomas überlegt nicht lang. Das Netzwerk der Uni-Dozenten sichert eine gute Ausgangslage für den Verkauf, denn Gin ist derzeit eine gefragte Basis für viele Long-Drinks. Auch einen Namen haben die beiden Akademiker schon: "Tinctura Anatomica". Thomas weiß noch nicht auf was er sich einlässt: Viel Bürokratie mit den Zollformalitäten. Der Neutralalkohol, aus dem der Gin entsteht, kann selbst aus Mais oder Gerste hergestellt oder auch gekauft werden, er besitzt 96 Volumen-Prozent und keine Aromen.

Früchte verfeinern

In Gräfenberg wird der Gin durch die sogenannte "Mazeration" gewonnen. Dabei wird der Alkoholgehalt des Neutralalkohols durch Zugabe von Wasser reduziert. Später wird der gewonnene Neutralalkohol durch diverse Botanicals (Beeren oder andere Früchte), Kräuter und Gewürze verfeinert. Der Gräfenberger Gin-Brenner bietet zwei Editionen an: Silver und Black. Müller vertreibt seine Erzeugnisse hauptsächlich auf Märkten oder im Internet, auch die Einladung zu Schnapsverkostungen finden immer wieder Interessenten.

Inzwischen ist auch das Fernsehen auf den Gräfenberger Gin-Brenner aufmerksam geworden, das Bayerische Fernsehen, Bayern drei war mit einem Kamerateam vor Ort und hat in der kleinen Destille Aufzeichnungen gemacht. Auch in Forchheim hat sich jüngst ein junger Brenner dem Gin verschrieben. 

ROLF RIEDEL

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