Laster blieb stecken

Nach Unfall in Neunkirchen: Chaos am Forchheimer Tor gibt es immer wieder

2.7.2021, 13:25 Uhr
Ein Sattelzug-Fahrer hat am Donnerstagmittag versucht, trotz begrenzter Durchfahrtshöhe das historische Forchheimer Tor in Neunkirchen zu passieren. Der Versuch misslang gründlich.

Ein Sattelzug-Fahrer hat am Donnerstagmittag versucht, trotz begrenzter Durchfahrtshöhe das historische Forchheimer Tor in Neunkirchen zu passieren. Der Versuch misslang gründlich. © Torsten Hanspach

In den zehn Jahren, in denen Robert Landwehr direkt neben dem Forchheimer Tor wohnt, sieht der Neunkirchner beinahe täglich „chaotische und gefährliche Situationen“ vor seiner Haustür, wie er erzählt. Doch ein so schwerwiegender Unfall wie am Donnerstagmittag? „Das hab ich bisher noch nicht erlebt.“

Wie berichtet, ist ein Lkw im historischen Torbogen hängen geblieben, der nur für Fahrzeuge mit höchstes 3,20 Meter Höhe passierbar ist – sichtbar zu niedrig für das Lastergespann. Der Fahrer blieb unverletzt. Vom Äußeren Markt kommend, hatte er offenbar die Hinweisschilder an der Ortsdurchfahrt ignoriert, sein Lkw (beziehungsweise der Auflieger) krachte mit voller Wucht ins Tor, wo er im Rundbogen stecken blieb.

Dabei wurden sowohl der Anhänger als auch das aus Tor massiv beschädigt. Es dauerte bis in die Nacht, bis der Lkw geborgen und das Tor von THW-Kräften aufwändig gesichert und abgestützt war. Die Durchfahrt ist bis auf weiteres gesperrt.

„Es ist eine fast unendliche Geschichte“, sagt Anwohner Landwehr. „Täglich stehen hier Lkw, die nicht durch das Tor kommen und müssen einige hundert Meter auf der Hauptstraße rückwärts fahren.“ Das führe bei starkem Verkehr wiederum zu Chaos. „Einige Fahrer versuchen sich trotzdem – langsam – durchzuquetschen“, berichtet Landwehr.

Die Folge: Schleifspuren und Dellen im Tor und an dem dort angebauten Haus. „Andere versuchen, links vor dem Tor in die erst mal anscheinend breite Hirtengasse abzubiegen, die dann aber enger wird“ – was zu ebenso gefährlichen Rangiermanövern führt.

Spuren auch an Wohnhäusern

„Mein Haus und andere wurden dadurch schon beschädigt, die Spuren sind nach wie vor deutlich zu sehen“, so Landwehr. Die Lkw-Fahrer missachteten seiner Meinung nach die bis zum Tor insgesamt fünf Warnschilder, die auf die Maximal-Höhe von 3,20 Metern hinweisen. „Eines davon sogar in Übergröße und gelb hinterlegt.“

Die meisten würden hinterher sagen, sie fuhren nach ihrem Navi und achteten nicht auf Schilder, erzählt Landwehr. „Und dann stehen sie da wie in einer Sackgasse.“ Oder sie machen es wie der Lkw-Fahrer am Donnerstag – und verursachen einen Schaden von rund 40.000 Euro allein am Laster.

Der reine Sachschaden am Tor wird laut Bürgermeister Martin Walz „wahrscheinlich nicht so schlimm sein“. Aber „was uns richtig weh tut, sind die Kosten für die aufwändigen Sicherungs- und Abschlepparbeiten“. Das werde „deutlich fünfstellig“, so Walz.

Die Tor-Problematik ist für Robert Landwehr auch ein Grund für die heiß diskutierte Umgehungsstraße in Neunkirchen: „Ich bin auch kein Freund davon Natur-Zerstörung, aber der Mensch und die Sicherheit geht hier für mich vor.“ Deshalb und angesichts des jüngsten Unglücks sei aus seiner Sicht die Umgehung „leider eine dringende Notwendigkeit“.

Auch Bürgermeister Walz ist ein Befürworter der Ortsumgehung. „Allerdings möchte ich diesen Unfall nicht dafür ausschlachten“, sagt der Rathaus-Chef, „denn es gibt viel mehr und bessere Gründe für die Umgehung – zum Beispiel 800 andere Fahrzeuge, die das Tor unfallfrei passieren“.

Ironie der Geschichte: Wie vor Monaten im Gemeinderat beschlossen, sollte derzeit schon ein neuer Höhenwarnbalken, der in 3,20 Metern an einem Masten hängt, an der Einfahrt zum Innerort vom Bauhof aufgestellt sein, um derlei Laster-Irrfahrten zu verhindern. „Das mussten wir aber um zwei Wochen verschieben, weil sich unser Bauhof erst mal auf die Beseitigung der jüngsten Unwetterschäden konzentrieren musste“, so Walz.

Freilich, ein unglücklicher Zufall – und mitnichten wäre sichergestellt, dass der neue Balken den jetzigen Unfall verhindert hätte. Denn Das hängt immer auch von der Ignoranz eines Lkw-Fahrers ab. „Trotzdem“, ärgert sich Walz, „ich könnte mich ohrfeigen“.

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