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Trotz Corona-Hürden: In Forchheim wächst neues Leichtathletik-Talent heran

Der 14-jährige Henrik Hoffmann ist gleich doppelt in den Landeskader aufgestiegen - 11.01.2021 11:43 Uhr

Noch sind die Hürden relativ niedrig, Henrik Hoffmann muss sich in den nächsten Jahren an größere Herausforderungen herantasten – als Kaderathlet hat er jetzt beste Voraussetzungen.

11.01.2021 © Foto: Theo Kiefner


Das dürfte Cheftrainer Jan Schindzielorz besonders freuen: Mit Henrik Hoffmann wächst in der LG Forchheim ein Talent heran, das möglicherweise mal in seine Fußstapfen als erfolgreicher Hürdensprinter treten kann.

Der 14-Jährige aus dem kleinen Weiler Sigritzau ist vom Bayerischen Leichtathletikverband für den Landeskader im Hürdensprint und im Weitsprung berufen worden, er selbst weiß noch nicht genau, wohin die Reise geht, denn auch im Flachsprint sieht er Perspektiven.

Mehrere Optionen

Ähnlich sieht es auch Schindzielorz, der ihn als Kadertrainer über die Hürden unter seinen Fittichen hat: Henrik ist eines der größten Talente, die wir in Forchheim zur Zeit haben und wird sich gut entwickeln, wenn er gesund bleibt. Jetzt muss sich zeigen, wie gut er die Hürdentechnik erlernen kann. Da er aber auch in Sprint und Weitsprung gut ist, sehe ich für ihn auf jeden Fall eine erfolgreiche Zukunft."

Die besagte Hürdentechnik zählt zu den schwierigsten Aufgaben, welche die Leichtathletik zu bieten hat. Henrik Hoffmann kommt damit ganz gut zurecht, räumt aber ein, dass er noch viel an seiner Hüftbeweglichkeit arbeiten müsse. Und noch seien die Hürden ja eher niedrig, mit steigendem Alter würden sie höher. Und dann werde es schon eine Herausforderung, möglichst schnell und nur knapp über den Holzbalken zu rennen und nicht zu "hüpfen". Der Kontakt mit diesem kann schmerzhafte Folgen haben – und auch den Respekt vor dieser Disziplin erhöhen. "Bisher hatte ich noch keinen Sturz", sagt Henrik Hoffmann.


Sommer-Training bei der LG Forchheim unter Abstands-Regeln


Zwei Bayerische Meistertitel über 80 Meter Hürden und 100 Meter, dazu Silber im Weitsprung: Diese Ausbeute kann sich sehen lassen für den jungen Forchheimer. "Ich bin noch mal ein ganzes Stück gewachsen – auf 1,85 Meter – und die Leistungen sind dann auch gleich besser geworden", berichtet er. Über die 100 Meter steht seine Bestzeit jetzt bei 11,78 Sekunden, im Hürdensprint ist er bei 11,69 Sekunden angelangt und im Weitsprung bei 5,94. Die Schallmauer von sechs Metern soll möglichst bald fallen.

Hallensaison ist fraglich

Ob das in diesem Winter passiert, ist eher unwahrscheinlich. "Keine Ahnung, ob es eine Hallensaison geben wird", sagt Henrik Hoffmann.

Aber immerhin kann er regelmäßig trainieren. Denn Kaderathleten stehen die Sportstätten offen, die anderen schon seit Monaten wieder verschlossen bleiben. Zweimal in der Woche fährt er mit Jan Schindzielorz nach Fürth in die Halle des LAC Quelle, wo Nordbayerns beste Leichtathleten zusammengezogen werden. "Wir kommen in Sportkleidung an, gehen mit Mund-Nasen-Bedeckung durch die Eingangszone in die Halle, wo wir die Masken abnehmen dürfen und in Kleingruppen von fünf bis sieben Leuten trainieren. Insgesamt sind vielleicht 30 Leute aus den verschiedenen Disziplinen in der Halle. Und danach geht es ungeduscht nach Hause, in eine warme Jacke gehüllt", schildert er den Ablauf.

"Langsam und behutsam"

Der Dienstag steht im Zeichen des Weitsprungs bei Namensvetter Christian Hoffmann, der Donnerstag dient dem Hürdentraining bei Schindzielorz, der betont: "Henrik vollzieht jetzt gerade den Sprung vom Nachwuchs- zum Leistungstraining. Das machen wir aber langsam und behutsam, um die bestmögliche langfristige Entwicklung zu ermöglichen."

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Die zwei Karrieren des Jan Schindzielorz

Mit dem Weltmeister-Titel im Hürdensprint der Leichtathletik-Senioren M40 fügt der ehemalige Profi Jan Schindzielorz seiner zweiten Karriere das nächste Erfolgs-Kapitel hinzu. 2016 gab der Dietzhofer nach zehn Jahren Wettkampf-Pause sein Comeback beim Jugendverein LG Forchheim. Eine Zeitreise von der Gegenwart in die Vergangenheit.


Ärgerlich und ein bisschen traurig ist für den 14-Jährigen, dass er aktuell nicht gemeinsam mit seinem Bruder Max trainieren kann. Der ist 1,95-Meter-Riese ist zwei Jahre älter, betreibt auch relativ erfolgreich Leichtathletik – für den Landeskader hat es aber bei ihm nicht gereicht. Nur das Training daheim können die beiden noch gemeinsam bestreiten.

Doch insgesamt freut sich der junge Leichtathlet schon darüber, dass er zu den privilegierten Sportlern gehört. Im Gegensatz zu vielen anderen muss er in diesem wichtigen Alter in der Corona-Zeit nicht stagnieren, sondern wird relativ gut gefördert – "trotz diverser Einschränkungen".

Gute Werte

Wenn momentan auch richtige Wettkämpfe fehlen, hat er doch Anhaltspunkte dafür, dass seine Entwicklung in die richtige Richtung geht: "Vor Weihnachten haben wir die Zeiten über 30 Meter fliegend gestoppt – und da war ich schon noch mal besser als vor einem Jahr." Und so ist er auch dann motiviert im Training, selbst wenn es keine konkreten Ziele gibt, auf die er hintrainieren kann. Ungewöhnlich für Leichtathleten, die normalerweise ein ziemlich enges Korsett an Qualifikations-Meetings und Meisterschaften haben. Aber mit 14 ist Henrik Hoffmann jung genug, um sich einen Wunsch einmal zu erfüllen: die Teilnahme an einer deutschen Meisterschaft.

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