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"Click and Collect" in Fürth: Clevere Händler in der Krise

90 Prozent der Fürther Innenstadt-Händler nehmen Bestellungen entgegen - 16.01.2021 06:00 Uhr

Angie Thamm vom Ganesha Shop ist kreativ geworden: Sie übergibt ihre Waren auf einem Federballschläger – völlig kontaktlos.

15.01.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Shoppen in Corona-Zeiten - das funktioniert neuerdings auch so: Ware im Internet oder im Schaufenster aussuchen, im Laden anrufen, bestellen und danach dort abholen. Seit Montag ist das sogenannte "Click and Collect"-Verfahren in Bayern erlaubt – auch zahlreiche Einzelhändler im Fürther Zentrum bieten die Option an, um ihren Umsatz in diesen mauen Monaten etwas zu steigern.

"Fast alle, um die 90 Prozent, machen mit", sagt Verena Tykvart, die städtische Projektbeauftragte für die Digitalisierung des Einzelhandels. Ein Ersatz für das normale Geschäft sei der Service aber freilich nicht. Die Kunden nehmen das Angebot von bestimmten Branchen eher an als von anderen – Bekleidungs- und Schuhgeschäfte etwa tun sich Tykvart zufolge schwerer, weil die Käufer die Sachen vorher gerne anprobieren.

Es ist eine Katastrophe

Das bestätigt auch Bastian Wurm-Trageiser, Inhaber von Travel & Trek in der Friedrichstraße. Dort gibt es jede Menge Outdoor-Equipment. Doch weil gerade fast niemand in den Skiurlaub fährt, verkauft er kaum Stiefel, Mützen, Jacken und Handschuhe. Auch die lange Unterwäsche bleibt liegen. Topseller ist derzeit stattdessen ein faltbares Sitzkissen, das man beim Spaziergang mitnehmen und auf dem man eine Pause einlegen kann. "Es ist wirklich eine Katastrophe", fasst Wurm-Trageiser zusammen – sein Umsatz liege, verglichen mit normalen Zeiten, bei fünf Prozent.

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Seit Beginn des Lockdowns bereits liefert und schickt er seine Artikel an die Kunden. Er berät sie per WhatsApp und sendet ihnen schon mal mehrere Paar Wanderschuhe nach Hause, damit was Passendes dabei ist.

Der Umsatz sei mit "Click and Collect" nicht merklich gestiegen. Das System funktioniere aber reibungslos: Der Winterschlussverkauf läuft übers Schaufenster. Wer etwas entdeckt, kann anrufen – und die Ware danach in der Friedrichstraße abholen oder sie sich bringen lassen.

Wurm-Trageiser bemerkt obendrein, dass die Menschen zurzeit keine Fernreisen buchen: Große Rucksäcke und Moskitonetze sind nicht gefragt. Er versucht trotzdem, positiv zu bleiben, und sagt: "Wir kämpfen weiter."

Stöbern geht nicht

Gleich ums Eck, bei Bücher Edelmann an der Fürther Freiheit, setzt man auch auf "Click and Collect". "Einen gewissen Teil unseres Umsatzes können wir übers Internet und übers Telefon schon generieren", sagt Heinz Krekeler. Zufrieden sei man damit jedoch nicht. Ab Montag gehen Kasse und EC-Gerät wieder in Betrieb, somit müssen die Kunden ihren Lesestoff nicht mehr ausschließlich per Rechnung zahlen. Doch auch dann bleibt das Stöbern im Laden tabu. Die Käufer müssen vorab bestellen. Fällt ihnen auf dem Weg zwischen Tür und Kasse ein Buch ins Auge, dürfen sie es nicht direkt mitnehmen – "und wir dürfen nicht beraten".

Dem Geschäft habe zuletzt vor allem die städtisch geförderte Aktion "Fürth bringtʼs" gefholfen, bei der die Produkte der Händler im Umkreis von 25 Kilometern nach Hause geliefert werden.

Ende 2020 war die Bilanz des Buchladens sogar ausgeglichen. Zwar kam im ersten Lockdown dank des Lieferdienstes gerade noch ein Umsatz von 20 Prozent zusammen. Aber als die Läden wieder öffnen durften, brummte das Geschäft – vor allem wegen der Stammkunden. "Uns tut es gut, sie wiederzusehen, auch wenn die Abholung nur kurz dauert", sagt Krekeler – der Vorteil von "Click and Collect" liegt für ihn also auf der Hand. Die Angst vor der Zukunft bleibt dennoch.

Eine Liste mit den Einzelhändlern, die "Click and Collect" anbieten, findet sich unter www.fuerth.de/collect.

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