ICE-Werk Raitersaich

ICE-Werk: Buchschwabach bangt um seinen Kirchenwald

31.5.2021, 06:00 Uhr
Klaus Grieninger vom kirchlichen Waldausschuss hat die mögliche Planung in eine Landkarte gebettet: Rot markiert sind die Werksgebäude, die rote Linie zeigt das beanspruchte Betriebsgelände, das eine 300 bis 400 Meter breite Schneise von der Bahnlinie bei Raitersaich an Buchschwabach vorbei bis zum Gewerbegebiet von Rohr schlagen würde. Im Weg ist nicht nur die B 14, sondern auch der Kirchenwald.

Klaus Grieninger vom kirchlichen Waldausschuss hat die mögliche Planung in eine Landkarte gebettet: Rot markiert sind die Werksgebäude, die rote Linie zeigt das beanspruchte Betriebsgelände, das eine 300 bis 400 Meter breite Schneise von der Bahnlinie bei Raitersaich an Buchschwabach vorbei bis zum Gewerbegebiet von Rohr schlagen würde. Im Weg ist nicht nur die B 14, sondern auch der Kirchenwald. © Grafik: Klaus Grieninger

Soeben ging ein kräftiger Schauer nieder. So kräftig, dass der Regen bis zum Unterbau des Heiligenholzes drang. Jetzt bricht die Sonne durchs Geäst und lässt die Wassertropfen auf den frisch ausgetriebenen Blättern der jungen Rotbuchen glitzern. "Ein faszinierender Anblick", findet Jörn Künne.


Raitersaich als Standort für das ICE-Werk? Ein Dorf ist entsetzt


Doch der evangelische Pfarrer von Roßtal sorgt sich um den Wald im Besitz der Buchschwabacher Kirchengemeinde. Wie zwei Flächen bei Heilsbronn jenseits der Gemarkungsgrenze zum Landkreis Ansbach hat die Deutsche Bahn auch Roßtaler Grund in die engere Auswahl für die Ansiedlung eines ICE-Instandhaltungswerks genommen. Insgesamt werden neun Standorte im Großraum unter die Lupe genommen. Am Fürther Stadtteil Burgfarrnbach ist der Kelch vorübergegangen.

Die Sonne bricht durchs Geäst, das sorgt für Glitzereffekte im Heiligenholz: „Ein faszinierender Anblick“, sagt Jörn Künne (li.) beim Vor-Ort-Termin mit Klaus Grieninger.

Die Sonne bricht durchs Geäst, das sorgt für Glitzereffekte im Heiligenholz: „Ein faszinierender Anblick“, sagt Jörn Künne (li.) beim Vor-Ort-Termin mit Klaus Grieninger. © Foto: Thomas Scherer

Wenn das Werk denn käme, würde eine 300 bis 400 Meter breite Schneise zwischen der Bahnlinie von Raitersaich an Buchschwabach vorbei bis zum Gewerbegebiet von Rohr geschlagen. Im Weg wäre nicht nur die Bundesstraße 14, auch der Buchschwabacher Kirchenwald würde weitgehend plattgemacht. Die Wendeschleife für die Züge verliefe mitten in dem 45 Hektar großen Gehölz.

Der Wald darf wachsen

Der Wald ist seit 600 bis 800 Jahren im Besitz der Buchschwabacher Kirche. Ein wohlgesonnener Gönner hatte ihn gestiftet, doch Genaueres wisse keiner, berichtet Künne. Den Buchschwabachern ist ihr Wald auch in der Gegenwart lieb und teuer, so sehr, dass sie als Selbstwerber für ein paar Ster Heizmaterial Jahr für Jahr Trocken- oder Käferholz aus dem Wald holen. "Wir lassen den Wald wachsen, ohne großartig einzugreifen", sagt Künne.

Es ist ein uralter, kräftiger Bestand, unzählige stattliche Fichten schrauben sich 30 bis 35 Meter in die Höhe. "Ähnlich wie bei den Landwirten ist der Wald auch unsere Sparbüchse", so Künne. Vor drei Jahren haben Holzverkäufe den Eigenanteil von 200 000 Euro für die Sanierung der Maria-Magdalena-Kirche im Dorf mitfinanziert. Auch die Rechnung für die Generalüberholung der Orgel in dem Kirchlein haben die Buchschwabacher aus Erlösen vom Heiligenholz bestritten.

"Jetzt aber sind wir in einem Dilemma", so Künne: "Natürlich befürworten wir das Bahnfahren." Doch ihren Stiftungswald, so der einhellige Tenor bei einer Sitzung des kirchlichen Waldausschusses unlängst, wollen die Buchschwabacher nicht für das ICE-Werk hergeben.

Hochwassergefahr im Blick

Künne nennt die gleichen Argumente, wie sie bereits aus dem Rathaus in einer gemeinsamen Erklärung von Bürgermeister Rainer Gegner und dem kompletten Marktgemeinderat verlauteten: "Wir brauchen diesen Wald für unser Klima, für den Naturschutz und als Naherholungsgebiet." Darüber hinaus sei Buchschwabach ohnehin schon hochwassergefährdet. Werden noch mehr Flächen versiegelt, dürfte sich diese Situation verschärfen. Der Fürther SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Träger war bereits vor Ort, auch er lehnt die Pläne ab.

Auch die weitgehend ehrenamtlichen Bemühungen um den Umbau des von Fichten und Tannen geprägten Bestands wären damit zunichte gemacht, so Künne. Seit der Orkan Wiebke 1990 auch im Heiligenholz Tabula rasa machte, wird das Nadelholz Hektar für Hektar durchforstet und mit Rotbuche, Stieleiche, Winterlinde, Esskastanie und Baumhasel unterfüttert.

"Wäre ich Planer eines solchen Projekts, würde ich vielleicht tatsächlich auch auf den Standort Raitersaich setzen, schlicht weil sich hier bereits einiges ballt: Umspannwerk, Hochspannungsleitungen, die Juraleitung in spe, dann die riesigen Hallen von dataform an der B 14." Doch für Künne sind das eher Gegenargumente. "Der Leidensdruck in den zwei Roßtaler Ortsteilen ist hoch genug. Es reicht", sagt er und hofft, dass sich der Widerstand auf breite Beine stellt: Wer schweigt, sagt ein Sprichwort, scheint seine Zustimmung zu geben. "Also müssen wir schreien."

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