Freitag, 16.04.2021

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Kröten, Frösche, Molche: Auf den Straßen lauert der Tod

Freiwillige Helfer sammeln an Schutzzäunen Amphibien, um sie sicher über die Straße zu bringen - 30.03.2021 18:35 Uhr

Ein Schritt noch, dann plumpst die Erdkröte in die Falle in Form eines in die Erde eingegrabenen Eimers. Derart ausgebremst, gelangt sie mit Hilfe der Krötensammler am Cadolzburger Schutzzaun allerdings sicher über die Straße zum angepeilten Weiher.

30.03.2021 © Foto: Marion André


Das Problem sind vielbefahrene Straßen, die zu überqueren sind. Allein in Bayern retten Ehrenamtliche des Bundes Naturschutz jedes Jahr über eine halbe Million der kleinen Wanderer vor dem Tod auf dem Asphalt.

Den Schutzzaun bei Bernbach betreut Leonard Hoch.

30.03.2021 © Foto: Marion André


Auch im Landkreis sind zurzeit die freiwilligen Helfer "in Orange" wieder an mehreren Fangzäunen und ungesicherten Übergängen in Cadolzburg, Roßtal, Veitsbronn, Langenzenn, Großhabersdorf und Wilhermsdorf aktiv.


Der gefährliche Weg zu den Laichplätzen: Krötenwanderung geht los


Sie bauen Schutzzäune mit ebenerdig im Boden versenkten Eimern, in die die Amphibien hineinfallen, sammeln sie mehrmals täglich ab und tragen die Tiere über die Straße. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen werden in dieser Saison drei weitere Zäune aufgebaut – in Zirndorf, Seukendorf und ein weiterer in Cadolzburg.

Sabine Lindner, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Fürth-Land, freut sich, dass es bei der Arbeit rund um die Zäune in der Regel nicht an Freiwilligen mangelt: "Das hat damit zu tun, dass es einfach eine schöne Aufgabe ist, gerade mit Kindern. Über die sozialen Medien finden wir normalerweise schnell eine Menge Helfer."

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Die Krötenwanderung: Gefährliche Zeit für Amphibien


Leonard Hoch ist seit drei Jahren dabei. Der 14-Jährige betreut für die Ortsgruppe Veitsbronn regelmäßig den Krötenzaun bei Bernbach. "Ich mag die Natur", erklärt er, "deshalb will ich sie schützen und bringe mich bei verschiedenen Projekten ein. Amphibien einsammeln gehört für mich dazu, weil sie ein wichtiger Teil dieser Natur sind."

Tatsächlich ist über die Hälfte der einheimischen 19 Amphibienarten bedroht. Stabile Populationen finden sich nur noch selten. "Frühere Allerweltsarten wie der Grasfrosch gehen zurück und andere, wie zum Beispiel die Gelbbauchunke, verschwinden gebietsweise ganz", beobachtet Sabine Lindner, "deshalb ist jede Hilfe wichtig."

Und es ist nicht nur der zunehmende Straßenverkehr, der für die Lurche gefährlich ist: Ihre Hauptwanderzeit im März und April fällt zeitlich mit der Gülleausbringung und Wiesenpflege der Landwirte zusammen. Tiere, die sich tagsüber in der Wiese verstecken, haben kaum eine Chance, das Striegeln und Walzen zu überleben.

Gefahr durch Gülle

Gülle mit ihren ätzenden Wirkungen kann noch Tage nach der Ausbringung die empfindliche Amphibienhaut schädigen. Deshalb bittet der BN Landwirte, die Arbeit vor Schutzzäunen, falls möglich, auf die Zeit nach der Wanderung zu verschieben. Die Kreisgruppe informiert gern über die aktuellen Wanderbewegungen an den einzelnen Übergängen.

Von einer "grundsätzlich recht guten" Zusammenarbeit mit den Anrainern berichtet unter anderem Franz-Josef Wipperfürth, der in Cadolzburg die Amphibienschutz-Maßnahmen der Ortsgruppe koordiniert. Hier waren dieses Jahr die frühesten Wanderbewegungen zu verzeichnen.

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Heimische Kriechtiere im Steiner Freilandterrarium

Wer sich wochenends auf den Weg macht zum Steiner Freiland-Terrarium, findet sich unversehens in einem kleinen Paradies wieder. Nicht nur Freunde heimischer Kriechtiere, sondern auch Pflanzenliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten, und das bei freiem Eintritt.


Dem landkreisweiten Trend entgegen (im Frühling 2020 wurden 2200 Tiere weniger als im Vorjahr gezählt) entwickeln sich die Cadolzburger Populationen gut – mit stabilen Zahlen und sogar "Sensationsfunden" wie den seltenen Arten Feuersalamander und Fadenmolch.

"Ein Zaun setzt Zeichen"

Für sein "typisches Salamandergebiet" steht dem Ruheständler Wipperfürth ein tolles Team zur Seite, wie er sagt: "Wir haben 30 Leute, die über 800 Meter Krötenzaun betreuen." Motivationsprobleme hat der Naturfreund, dessen "Aktionsphase" bereits im Januar beginnt, nicht: "Es ist so traurig, zu sehen, wie viele Kröten plattgefahren werden. Ein Zaun setzt da Zeichen und wir können damit unseren Teil beitragen."

Der BN bittet Autofahrer, in den kommenden Wochen besondere Rücksichtnahme im Bereich der Amphibienzäune zu üben: Fahrtempo reduzieren, auf die Helfer achten, die am Straßenrand unterwegs sind, und auch in der Nähe von Feuchtgebieten ohne Warnhinweise langsam fahren. Überfahrene Amphibien an solchen Stellen sollten per Mail an amphibien@bund-naturschutz.de gemeldet werden.

Wer die größte Artenschutzaktion im Landkreis unterstützen will, erhält Informationen unter der Internet-Suchabfrage "Amphibien-Retter werden – Bund Naturschutz in Bayern e.V." oder über das Büro der Kreisgruppe Fürth-Land in Cadolzburg.

MARION ANDRÉ

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