Benefiz-Aktion

Roßtal: Oldtimer rollten ins Autokino

10.6.2021, 16:00 Uhr
Wilfried (li.) und Stefan Krautz in Roßtal vor ihren US-Oldtimern.

Wilfried (li.) und Stefan Krautz in Roßtal vor ihren US-Oldtimern. © Foto: Veronika Kügle

Die Sonne steht tief hinter den Wipfeln der Bäume, die den ehemaligen Tuspo-Sportplatz säumen. In der Luft liegt der Geruch von Popcorn, und vor den Food Trucks tummeln sich die ersten Kunden. Ein paar Meter entfernt heulen schon die Motoren auf. Mitten auf dem Gelände versucht Jürgen Gloger durch die Staubwolken hindurch, mit ausladenden Gesten auf sich aufmerksam zu machen.


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Bereits zwei Stunden vor dem Filmstart schlängelt sich eine scheinbar endlose Kette von Klassiker-Fahrzeugen in Schrittgeschwindigkeit nach vorne. Gloger lotst eines nach dem anderen an den vorgesehenen Platz.

Mit riesigen Schritten eilt der knapp 1,90 Meter große Mann voraus und deutet auf die jeweilige Stelle. Denn: Abstände müssen ein- und kleine Gassen als Fluchtwege freigehalten werden. Die Autos am Rand sollen schräg stehen, damit jeder Zuschauer optimale Sicht auf die Leinwand hat. "Ich mache es entweder richtig oder gar nicht", erklärt der Organisator.

Großer Kraftakt

Die letzten Tage waren ein organisatorischer Kraftakt. "Da habe ich mir einiges anhören müssen", sagt seine Lebensgefährtin Andrea Platzer mit einem Augenzwinkern und lacht. Eigentlich hätte die Benefiz-Veranstaltung schon im vergangenen Jahr stattfinden sollen, das Wetter machte dem Team jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Im Mai sollte das Autokino dann nachgeholt werden – aber: Die Inzidenzwerte lagen dafür noch zu hoch. Gloger hielt trotzdem an der Aktion fest. "Er hat nie aufgegeben, das muss man wirklich sagen", so Roßtals Bürgermeister Rainer Gegner. "Er ist die treibende Kraft hier", bestätigt Platzer.

Freilich: Ohne die Marktgemeinde hätte das niemals funktioniert, erzählt Gloger. "Ich habe nur die Fäden zusammengeführt", so der Initiator. "Ich bin quasi der Puppenspieler." Nicht nur der Bürgermeister und Kulturreferent Herbert Schreiber, auch die Feuerwehr, der Bauhof, das Rote Kreuz und die Pfadfinder wären eine riesige Unterstützung gewesen.

Die Sponsoren haben bereits am ersten Abend knapp 2000 Euro zusammengetragen. "Die Spenden haben bisher meine kühnsten Erwartungen übertroffen", sagt Gloger und lächelt ein wenig erschöpft. Über das Geld freuen sich die Sternstunden-Aktion des Bayerischen Rundfunks und die Bürgerstiftung Roßtal. Auch Unternehmen aus Fürth und Umgebung wollten sich beteiligen. So sorgte beispielsweise Gerüstbau Götz aus Zirndorf für eine Leinwand, die sich sehen lassen kann. Das Modelabel Farcap aus der Gustavstraße spendete T-Shirts für das Orga-Team.

Die Idee für die Benefiz-Aktion kam dem Paar eines Abends im vergangenen Jahr, als der Lockdown viel Zeit für Gedankenspiele ließ. "Autokino müsste doch eigentlich gehen", schoss es Andrea Platzer durch den Kopf. Ihr Lebensgefährte war sofort Feuer und Flamme. "Als Herr Gloger mit der Idee zu uns kam, haben wir natürlich gleich mitgezogen", erzählt der Bürgermeister. "Ich bin wirklich begeistert, dass er das gemacht hat."

An jedem der fünf Abende wollte Gloger ein anderes Genre bedienen. Den Anfang machte am vergangenen Mittwoch "Dirty Cops: War on everyone" – für die Oldtimerfans.

Zwei aus der Szene haben sich an diesem Abend schon früh die besten Plätze gesichert: Wilfried und Stefan Krautz sind beide Mitglieder im "Classic Car Team Franken", "einem Haufen interessierter US-Car-Fans" aus Fürth, wie sich der Club auf seiner Website beschreibt. Da in den vergangenen Monaten viele Autotreffen ausfallen mussten, sei das Benefiz-Autokino "ein schönes Event", das sie "sehr gerne unterstützen", sagt Stefan Krautz.

Elf Jahre lang ist er schon Besitzer seines Oldsmobile, Baujahr 1970. Die Liebe zu den Klassikern hat auf ihn abgefärbt. "Ich habe ihn infiziert mit dem Oldtimer-Virus", gibt sein Vater zu. Sein Cabriolet hat er bereits 1992 zu einem Teil seiner Sammlung gemacht, als er auf einer Rundreise durch die USA in Phoenix stoppte. Eigentlich wollte er ihn in Deutschland weiterverkaufen, um die Kosten des Trips besser verschmerzen zu können. Nach einer Fahrt durch die Fränkische Schweiz mit seiner Familie war es dann aber um ihn geschehen. "Ich habe es nie bereut", sagt Wilfried Krautz und wirft einen liebevollen Blick auf seinen Cadillac.

Der Lack der Autos ist mittlerweile in goldenes Abendlicht getaucht. Kulturreferent Schreiber hält weiterhin die Stellung an der Abendkasse, die Hände der meisten Gäste halten ein kühles Getränk. Einzelne Kinobesucher haben es sich in einem Campingstuhl gemütlich gemacht. Und schließlich heißt es: Film ab!

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