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Montag, 10.08.2020

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Stille statt Party: So geht's der Fürther "Frieda"

Betreiber rechnet nicht damit, dass Clubs vor dem Herbst 2021 öffnen dürfen - 01.08.2020 12:00 Uhr

Solche Bilder gehören weiter der Vergangenheit an: Der Fürther Club „Frieda“ steckt noch immer in der Zwangspause.

© Foto: Tim Händel


Feiernde Menschen, ohne Masken und Mindestabstand. Die Bilder aus verschiedenen Innenstädten ließen jüngst eigentlich etwas anderes vermuten – doch Fakt ist: Dem bayerischen Nachtleben geht es schlecht. Ganz konkret den Diskotheken, Clubs und reinen Bars, die nicht als Speiselokale durchgehen.


Düstere Aussichten für Bars, Clubs und Diskotheken


Während die meisten Betriebe, auch Kinos und Hallenbäder, mittlerweile mit Hygienekonzepten wieder öffnen durften, müssen Bars und Co. geschlossen bleiben, mindestens noch bis zum 2. August. Dahinter steckt die Sorge, dass sie – wie in Ischgl – zum Zentrum eines Corona-Ausbruchs werden können, weil hier die Menschen auf engstem Raum zusammenstehen, weil sie Alkohol trinken, ausgelassen sind und die Lüftung oft genug ein Problem darstellt.

Dass die Zwangspause in Kürze endet, hält Athanasios Arabatzis für ausgeschlossen. "Vor Herbst 2021 rechne ich nicht damit, dass Discos und Clubs wieder wie gewohnt öffnen dürfen", sagt der Geschäftsführer der Diskothek Frieda auf FN-Nachfrage.

Seit über 25 Jahren ist Arabatzis im regionalen Nachtleben aktiv. Doch für dieses sieht er gerade ziemlich schwarz. Zwar erhalten betroffene Betriebe noch bis einschließlich August bis zu 80 Prozent ihrer Fixkosten durch die Überbrückungshilfe der Bundesregierung erstattet. Der Unternehmer rechnet jedoch damit, dass 80 Prozent der Discos verschwinden werden, sollten die Hilfsmaßnahmen nicht verlängert werden.

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Besonders schwer sei es für Läden, die kürzlich erst aufgemacht oder umgebaut haben. Dazu zählt er auch seine Frieda in der Gustav-Schickedanz-Straße, im Untergeschoss des Carré Fürther Freiheit. Eine siebenstellige Summe haben Arabatzis und seine Geschäftspartner vor gut zwei Jahren in den neuen Club investiert. Schon seit Mitte März bleiben die Türen verschlossen.

Nicht übertrieben

"Ich halte die getroffenen Maßnahmen für sinnvoll und nicht für übertrieben", sagt Arabatzis. "Aber ich finde, uns Betreibern von Discotheken und Bars muss von staatlicher Seite geholfen werden. Hier steht eine ganze Branche vor dem Nichts." Er kenne namhafte DJs, die ansonsten bundesweit gut gebucht sind, jetzt aber von Hartz IV leben.

Schwierig zu beantworten ist die Frage, wie eine Wiedereröffnung aussehen könnte. In Fußballstadien, für die zurzeit Konzepte entwickelt werden, seien die Leute immerhin im Freien und können Maske tragen. "Da sind wir aber noch ganz weit weg von Discos. Dort will man tanzen, eng beieinander. Mit Maske und Abstand wäre das etwas völlig anderes", betont der Frieda-Chef. Und selbst, wenn er wieder öffnen dürfte: Es werden die Feste fehlen, die sonst Gäste bescheren. Betreiber von Discos und Clubs in der Region rechnen immer auch mit den Besucherscharen, die nach der Fürther Kärwa, dem Nürnberger Volksfest oder der Erlanger Bergkirchweih weiterfeiern wollen. Keines dieser Feste wird heuer wie gewohnt stattfinden.

Ein kleiner Lichtblick: Seit dem 15. Juli dürfen Bayerns Diskotheken ihre Räume für private und kulturelle Veranstaltungen vermieten. Die prekäre Lage wird das wohl nicht sehr verbessern. "Wenn sich nicht bald etwas ändert oder sich keine ernstzunehmende Hilfen für uns Betreiber eröffnen, dann bleibt uns nur noch der Rechtsweg, um gegen die Auswirkungen dieses Berufsverbots vorzugehen", sagt Arabatzis. Die Beklagte wäre die Staatsregierung.

Florian Burghardt

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