Tiere leiden: Lockdown-Ansturm auf den Fürther Stadtwald

9.2.2021, 14:00 Uhr
Voller Parkplatz und viele Menschen, die in den Forst strömen: So sieht es derzeit täglich am Stadtwald bei Oberfürberg aus.

Voller Parkplatz und viele Menschen, die in den Forst strömen: So sieht es derzeit täglich am Stadtwald bei Oberfürberg aus. © Foto: Tim Händel

Ab in die Natur, lautet derzeit das Motto vieler Menschen. Auch im Fürther Stadtwald wollen sich momentan deutlich mehr Frischluftschnapper als vor dem Lockdown erholen. Die Parkplätze hier sind fast immer belegt, Jogger, Walker, Eltern mit Kindern und Mountainbiker treibt es von morgens bis zur Dämmerung in den Forst.

Gerade im Winter ist es Stadtförster Martin Straußberger zufolge allerdings wichtig, sich an einige Regeln zu halten. Denn wenn die Waldtiere regelmäßig aufgescheucht werden, bezahlen sie das im schlimmsten Fall mit ihrem Leben. Schließlich verbraucht jede Flucht Energie – und die kann in der kalten und nahrungsarmen Jahreszeit nicht ohne Weiteres wieder aufgetankt werden.

Straußberger ärgert sich deshalb über Spaziergänger, die von den stark frequentierten Wegen abweichen. Auch frei laufende Hunde können Wild aufspüren und es hetzen.

Im Bayerischen Wald wurden jüngst Rufe nach höheren Bußgeldern für diejenigen laut, die die ausgeschilderten Routen verlassen. Weil im Nationalpark stark gefährdete Tiere wie der Luchs oder das Auerhuhn leben, ist das Laufen querfeldein verboten und wird mit einem Bußgeld geahndet.

Im Fürther Stadtwald dagegen müssen Ermahnungen und der Appell an die Vernunft reichen. Das zeige Straußberger zufolge im Normalfall auch Wirkung.

Manchmal allerdings würde er sich "etwas mehr Sensibilität der Natur gegenüber" wünschen. Im Wald gebe es immer weniger Rückzugsorte für die Fauna. Rund um die ehemalige Erddeponie etwa sei es früher eher ruhig zugegangen. Mittlerweile tummelten sich aber auch hier zahlreiche Besucher.

Straußberger erinnert zudem an die Ruhezeiten für die Tiere. Zwar seien sie in der Regel an Menschen in ihrem Revier gewöhnt, doch nach Anbruch der Dämmerung sei es wichtig, dass sie ungestört bleiben und sich erholen können.

Der Förster beobachtet aber immer mehr Wanderer und Sportler, die mit Stirnlampen ausgerüstet auch in der Dunkelheit unterwegs sind.

Das schadet auch den Jägern. Sie schießen Wild meist während der Dämmerung gegen 17 Uhr, denn dann wagen sich die Tiere normalerweise aus ihrer Deckung. Das tun sie aber nur, wenn sie sich ungestört wähnen. "Wenn noch Menschen in der Nähe sind, steht kein Reh ruhig im Wald", sagt der Stadtförster.

Folglich können seine Kollegen und er in diesen Tagen den vorgegebenen Abschussplan nur schwer erfüllen. Den Bestand der Tiere zu kontrollieren sei aber nötig, um den Verbiss an jungen Baum-Setzlingen zu verhindern. Nur wenn das gelingt, kann ein Wald weiter wachsen.

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