Von Klezmer bis Comödie: Die Fürther Kultur verschiebt den Neustart

1.2.2021, 13:00 Uhr
Tanzen, Feiern, Nähe und Spaß wie hier beim Internationalen Klezmer Festival im vergangenen Jahr im Kulturforum: 2021 ist dies bis auf Weiteres ein Ding der Unmöglichkeit. Nun kapituliert auch das Festival Intermezzo vor der Pandemie.

Tanzen, Feiern, Nähe und Spaß wie hier beim Internationalen Klezmer Festival im vergangenen Jahr im Kulturforum: 2021 ist dies bis auf Weiteres ein Ding der Unmöglichkeit. Nun kapituliert auch das Festival Intermezzo vor der Pandemie. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Der Lockdown reißt ein erstes großes Loch in den Kulturkalender des neuen Jahres: Das Klezmer Festival Intermezzo, kleine Ausgabe des zweijährlich laufenden Internationalen Klezmer Festivals, hat das Kulturamt ersatzlos abgesagt. Vom 12. bis 14. März bleibt das Kulturforum, wie schon seit Anfang November, dicht. Auch das Rahmenprogramm: gekippt.


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Damit verschwindet zwar "nur" ein verlängertes Wochenende mit zwölf Konzerten und neun Bands vom Radar, doch steht es sinnbildlich für den immensen Frust, der sämtlichen Veranstaltern ein täglicher Begleiter ist.

"Wir sind sehr enttäuscht", sagt Kulturamtsleiterin und Klezmer-Programmchefin Gerti Köhn. "Uns war und ist es wichtig, den Künstlerinnen und Künstlern Auftrittsmöglichkeiten zu bieten."

Aufzufangen sei dies lediglich mit dem Angebot an alle Bands, beim großen Klezmer Festival im März 2022 in Fürth aufzutreten. "Diese Musik lebt nun mal vom Live-Eindruck, von der Möglichkeit, sich an den Händen zu fassen und zu tanzen. Aktuell ein Ding der Unmöglichkeit." Im März 2020 war das Klezmer-Festival die erste große Veranstaltung in Fürth, die vom Coronavirus getroffen wurde.

Die Kultur ist auf dem letzten Tabellenplatz

Auch mit Blick aufs Figurentheater-Festival (7. bis 15. Mai), das immer in Kooperation mit Erlangen und Nürnberg läuft, bleibt Köhn nur ein Achselzucken. "Es gibt Pläne, etwa für Schaufenster-Aufführungen und für einen öffentlichen Parcours, aber derzeit wissen wir gar nichts."

In noch düstereren Farben malt Robert Steinkugler, Leiter der Stadthalle, das Jahr – das ganze Jahr, wohlgemerkt. Die von 2020 auf diesen April und Mai verlegten Konzerttermine "können wir abschreiben. Für Großveranstaltungen sehe ich 2021 keine Perspektive".


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Stadtratssitzungen, Lehrgänge, Prüfungen, das sei weiterhin möglich, vielleicht auch wieder ab der zweiten Jahreshälfte Kultur vor 200 Zuschauern. An Events mit 2000 Fans glaubt Steinkugler jedoch nicht. "Wir planen deshalb nicht mal für den Silvesterball."

"Welchen Neustart meinen Sie?", fragt mit nicht geringem Sarkasmus Kulturforum-Programmchefin Annette Wigger. Seriöse Planungen seien zurzeit nicht möglich. Zwar hoffe sie, dass nach Ostern die Zügel für die Kultur gelockert werden, "aber man muss wohl auch der bitteren Wahrheit ins Auge sehen, dass Kultur auf der Prioritätenliste für Lockerungen wohl den letzten Tabellenplatz belegt."

Stadttheater setzt auf "vollen Spielplan"

"Foxfinder" heißt die nächste Premiere am Stadttheater, Termin: 4. März. Auf der Probebühne in der Uferstadt laufen die Vorbereitungen, doch habe das Leitungsteam, so Sprecher Christof Goger, "natürlich auch andere Szenarien ausgearbeitet".


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Auch im Gastspielbereich arbeite das Haus so, "dass eine Vielzahl an ausgefallenen Produktionen entweder noch in dieser oder in der nächsten Spielzeit gezeigt werden kann". Sobald die Umstände einen Neustart zuließen, sei das Stadttheater imstande, einen "vollen Spielplan" zu präsentieren.

Comödie vermisst einen Masterplan

"Ich vermisse einen Masterplan", klagt Volker Heißmann. Am Comödien-Platz ruht der Betrieb offiziell bis 28. Februar. Es gebe keinen Politiker, der eine Aussage treffe, was kulturell und gastronomisch geschehe, sobald eine Inzidenz von 50 erreicht sei, "das ist unglaublich traurig".

Derzeit plant das Haus eine Wiedereröffnung am 16. April mit der Eigenproduktion "Der verkaufte Großvater". Falls wider Erwarten schon im März Lockerungen erlaubt seien, "machen wir einen Not-Spielplan. Mit unseren Sketch- und Soloprogrammen könnten wir den Monat überbrücken."

Nur ein Freizeitvergnügen?

"Was wir in der Pandemie gemerkt haben", so Köhn, "ist, dass die Politik Kultur ganz anders wahrnimmt als die Kulturschaffenden: als Freizeitvergnügen." Ihre Schlussfolgerung: "Wir müssen, wenn alles überstanden ist, anders über Kultur reden."