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Gottesdienste trotz Corona? Das planen die Gemeinden im Nürnberger Land

Der Umgang mit den Feiertagen spaltet die Kirchengemeinden - 20.12.2020 12:33 Uhr

Auch wenn dieses Foto der Adventsandacht des Club 60 in der Bonifatiuskirche angesichts der sehr überschaubaren und verteilten Besucherzahl schon traurig genug ist, so ist es noch ein Bild aus besseren Zeiten.

20.12.2020


"Es ist einfach unfair und es fehlt die Verlässlichkeit", ist katholischer Stefan Alexander, leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Pegnitztal, verärgert. Erst am Mittwoch, 9. Dezember, hatte der Freistaat in einer neuen Maßnahmenverordnung auch die Richtlinien für Gottesdienste ausgearbeitet und dazu auch Rücksprache mit den Kirchengemeinden gehalten, wie der Laufer Pfarrer sagt.

Ausgangssperre nach 21 Uhr

Doch nicht einmal eine Woche später gab es für viele Pfarreien dann plötzlich eine böse Überraschung: die neue Verordnung, die unter anderem Christmetten nach 21 Uhr untersagt.

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"Wenn eine neue Verordnung, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gelten soll, nach ein paar Tagen plötzlich einfach wieder gekippt wird, dann hat das nichts mit meiner Auffassung von einem Rechtsstaat zu tun", findet Pfarrer Alexander klare Worte. Denn die zehnte Verordnung hätte bis Anfang Januar gelten sollen, wäre sie nicht gleich darauf von der elften abgelöst worden.

Forderung an die Politik

"Die Regierung möchte zu Recht, dass sich die Bürger an Verordnungen und Gesetze halten. Dies kann man dann auch von der Politik verlangen. Gesetze sollen ja gerade Verbindlichkeit schaffen", so der Laufer Pfarrer. Dem Eindruck einer beleidigten und kleinlichen katholischen Kirche, den einige laut ihm in den Sozialen Netzwerken verbreiten, widerspricht er.

Selbstverständlich diskutiere man darüber, was man als Kirche verantworten kann, so Alexander. "Wir Kirchen haben bisher alle Maßnahmen immer vollumfänglich mitgetragen und dafür sogar Lob von der Staatsregierung und der Bundeskanzlerin bekommen. Die Art der Umgangsweise ist hier aber gerade sehr enttäuschend."

Christmette vorverlegt

Dabei gehe es ihm aber nicht nur um die Kirchen, sondern auch andere Branchen wie Händler, die vom Verbot des Abholens von Bestellungen überrascht worden seien. Alexander hat die Christmette deshalb nun auf 19 Uhr vorverlegt und macht sich gerade daran, einige eingegangene Anmeldungen auf den nächsten Tag "umzubuchen".

Über das "schöne Weihnachtsgeschenk", wie es Wunnibald Forster, katholischer Pfarrer in Hersbruck ausdrückt, freuen sich auch andere Pfarrer nicht. Gottesdienste zu streichen, würde schließlich nicht die Besucherzahlen entzerren, heißt es aus einer weiteren katholischen Pfarrei im nördlichen Landkreis.

Zudem sei die ganze Diskussion, so Pfarrer Forster, auch "ökumenisch nicht gut gelaufen". Die evangelische Landeskirche habe sich rasch auf die Seite der Politik gestellt, die katholischen Bischöfe hätten bis zuletzt um die Christmette gerungen.

Dekan Schäfer hat Verständnis

"Sie hat bei den Katholiken einen ganz anderen Stellenwert als bei uns", kann Dekan Tobias Schäfer Forsters Worte nachvollziehen. Bei aller Gemeinsamkeit zeige Corona auch die Unterschiede zwischen den Konfessionen auf. Auch für ihn persönlich ist der nächtliche Termin der Weihnachtsgottesdienst schlechthin, auf den er diesmal verzichten müsse: "Hier sticht halt geltendes Recht." Dafür sei aber vieles andere möglich. Und davon sei gerade "noch sehr viel im Fluss".

Dieses Ringen, Planen und Überlegen aller bestätigt auch stellvertretende Dekanin Kathrin Klinger: "Einerseits können wir uns Weihnachten ohne einen Gottesdienst nicht vorstellen, aber angesichts der Zahlen …" Dennoch lautet die Botschaft des Dekans: "Traut euch, Präsenzgottesdienste zu halten, aber mit aller Vorsicht."

Dieses Verantwortungsbewusstsein und die damit verbundene Kreativität spüre er bei allen Pfarrern im Dekanat. Den Vorwurf, die Kirchen brächten mit Gottesdiensten die Menschen in Gefahr, will er nicht gelten lassen: "Jeder muss für sich selbst wissen, ob er hingehen will oder nicht."

Absage in Lauf

Diese Entscheidung hat die evangelische Kirchengemeinde Lauf den Gläubigen bereits abgenommen. Die Laufer Evangelen verzichten in diesem Jahr komplett auf Präsenzgottesdienste während des Lockdowns. Dieser Entscheidung hat sich gestern im Laufe des Tages auch die Kirchengemeinde Beerbach angeschlossen.

In Lauf will man nun mit Livestreams und anderen Online-Angeboten zu Weihnachten digitale Wege gehen. "Weihnachten fällt deswegen nicht aus. Weil Jesus als Christus geboren ist und bei uns Menschen ist. Feiern Sie das mit Ihrer Kirchengemeinde und Ihren Lieben auch von zu Hause aus", schreibt die Laufer Kirchengemeinde auf ihrer Website.

Keine Menschenansammlung

In der Begründung für die Absage heißt es weiter, man halte es angesichts der gegenwärtigen und deutlich veränderten Lage – trotz der bisher bewährten Schutzkonzepte – für ratsam, auf Ansammlungen von Menschen möglichst zu verzichten.

Somit sind auch die ökumenischen Gottesdienste, die die evangelische und die katholische Kirche gemeinsam in Lauf auf dem Laufer Marktplatz geplant hatten, abgesagt.

Ein kleines Stück gemeinsamer Weihnachtsfeier soll es an Heiligabend aber dennoch geben: Evangelischer Dekan Schäfer und katholischer Pfarrer Alexander arbeiten derzeit an einem gemeinsamen ökumenischen Festgeläut an Heiligabend um 22 Uhr.

Rebecca Haase, Andrea Pitsch

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