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Gibt es zu viele Störche im Fränkischen Seenland?

Der Landesbund für Vogelschutz rät zur Zurückhaltung bei Nisthilfen - 25.08.2020 05:54 Uhr

Vor wenigen Tagen gab es eine größere Ansammlung von Störchen auf einem Feld bei Trommetsheim. Dort entstand unser Bild. Die Großvögel machen sich bereit für den großen Flug nach Süden.

24.08.2020 © Ralph Goppelt/vifogra


Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) wartete erst vor wenigen Tagen mit einer guten Nachricht auf: Die Regenfronten im Mai und Juni haben den Bruterfolg der Weißstörche in Bayern weniger beeinflusst, als noch im späten Frühjahr befürchtet, ließ er per Pressemitteilung wissen. Die Bilanz beim bayerischen Storchennachwuchs falle "zumindest durchschnittlich" aus, "und aufgrund vieler Neuansiedlungen kommen wir 2020 sogar auf über 700 Storchenpaare im Freistaat", freut sich Oda Wieding, die Weißstorchexpertin des LBV.

Die Störche besiedeln demnach sowohl bekannte Orte erneut als auch völlig neue Plätze. "Ansiedlungswillige Paare lassen sich gerne in der Nähe bestehender Nester nieder", so die LBV-Biologin. Neben den bestehenden bilden sich auch einige neue Storchen-Kolonien.

700 Nester in Bayern besetzt

Die Weißstorchpopulation im Freistaat steigt laut LBV seit Jahren an. 2019 wurden 634 Brutpaare gezählt, dieses Jahr sind bislang schon über 700 besetzte Nester erfasst worden. "Da in Bayern ein Großteil des Storchenbestandes über eine ungefährlichere westeuropäische Route in den Süden zieht und oft schon in Spanien überwintert, gibt es bei uns immer mehr Störche", sagt Oda Wieding.

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Luftraum fest in Meister Adebars Hand

In Gunzenhausen gibt es derzeit so viele Störche wie schon lange nicht mehr. Sechs Paare tummeln sich in der Kernstadt, vier von ihnen ziehen Nachwuchs groß. Entsprechend viel Flugverkehr herrscht über Marktplatz, denn Meister Adebar ist schwer damit beschäftigt, Futter für die Jungen heranzuschaffen.


Muss man für die weitere Nisthilfen anlegen, um ihnen den Horstbau zu erleichtern? Eine Frage, die LBV-Gebietsbetreuer Jan Heikens nicht vorbehaltlos mit Ja beantworten will. "Das Artenhilfsprogramm für den Storch ist sehr erfolgreich", stellt er zunächst fest. Sagt aber dann auch: "Man muss überlegen, wie vielen von ihnen man noch hilft." Denn die in Altmühlfranken derzeit erreichte Population trage sich inzwischen selbst.

Heikens, der sich besonders um die Wiesenbrüter im Wiesmet und entlang der Altmühl kümmert, also unter anderem um stark gefährdete Arten wie Kiebitz und Brachvogel, hat bei dieser Argumentation auch diese Arten im Blick: "Wo Wiesenbrüter sind, muss man aufpassen mit Nisthilfen für Störche." Er wisse zwar, dass es schwer sei, gegen einen solchen Sympathieträger zu argumentieren, aber: "Ein Storch auf Nahrungssuche verschmäht auch das Küken eines Wiesenbrüters nicht." Noch gebe es derzeit diesbezüglich keine Probleme, aber: "Es könnte eines werden, man muss das im Blick behalten."

Hiesige Storchendichte nicht exemplarisch

Zumal es noch ein Argument gegen die allzu bereitwillige Hilfe beim Horstbau gebe: "Wenn die Störche in einem Gebiet keine geeigneten Plätze für den Nestbau mehr finden, wandern sie ab in andere Regionen." Das sorge dann für eine weitere Verbreitung der Großvögel, was wünschenswert sei. Denn nicht überall in Bayern gebe es eine derartige Storchendichte wie an Altmühl und Altmühlsee.


Meister Adebar ist in Gunzenhausen schwer aktiv


Hier sind derzeit an vielen Orten große Gruppen von Störchen zu beobachten. "Die sammeln sich schon für den Zug ins Winterquartier", weiß Heikens. Auf welchem Weg die bayerischen Weißstörche genau in den Süden fliegen kann man online live mitverfolgen. Sowohl Jungstörche aus diesem als auch aus dem letzten Jahr sind mit Satellitensendern ausgestattet worden.

Ihre genaue Reiseroute können Interessierte unter www.lbv.de/senderstoerche beobachten.

Spendenaufruf war erfolgreich: Nisthilfe auf der Stadtkirche kommt

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