Aus nach fast 59 Jahren

Pressmetall Gunzenhausen: Die Maschinen stehen endgültig still

29.6.2021, 17:33 Uhr
Das Firmenkürzel hatte in der Region immer einen guten Klang, ob nun Galsterer oder Gunzenhausen dahinter stand.

Das Firmenkürzel hatte in der Region immer einen guten Klang, ob nun Galsterer oder Gunzenhausen dahinter stand. © Foto: Reinhard Krüger

Die Gießerei hat bereits vor ein paar Tagen den letzten "Schuss" gemacht, informiert sie. Das im September 1962 gegründete Unternehmen in der Alemannenstraße wird in den kommenden drei Monaten noch Aufräumarbeiten durchführen, bevor sich dann auch für das Abwicklungsteam die Türen schließen.

 Bereits vor ein paar Tagen wurde der letzte

 Bereits vor ein paar Tagen wurde der letzte "Schuss" bei Pressmetall Gunzenhausen gemacht. Zum Leidwesen der Beschäftigten handelt es um ein "historisches" Foto. © Foto: Reinhard Krüger

Die aktuell rund 270 Mitarbeitenden haben bis zum letzten Tag "ihrer Pressmetall" die Treue gehalten und die Kundenaufträge abgearbeitet, berichtet Stanko. Vor 18 Monaten hatte das Unternehmen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, in der Hoffnung einen neuen Eigentümer zu finden und die Unternehmensgruppe mit den damaligen zwei Standorten neu aufzustellen. Der Standort in Sachsen-Anhalt ist vergangenen September verkauft worden und wird seitdem fortgeführt. Das hatte man auch für die Zentrale gedacht, aber es sollte anders kommen, so Stanko.


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"Interessenten waren vorhanden, aber die zurückgezogenen Kundenaufträge haben dazu geführt, dass die potenziellen Käufer abgesprungen sind und den Gremien nichts anderes übrig blieb, als die Betriebsschließung zu verkünden", erklärt Thomas Schulte, seit Ende November vergangenen Jahres Geschäftsführer des Traditionsunternehmens. Mit den noch vorhandenen Aufträgen für die kommenden drei Jahre sei eine Fortführung aus Sicht möglicher Erwerber nicht wirtschaftlich darstellbar gewesen.

"So viel Loyalität und extrem gute Leistung"

Seine erste Amtshandlung vor sieben Monaten war gemeinsam mit dem Insolvenzberater Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze und Braun Anfang Dezember mitzuteilen, dass noch vor Weihnachten die über PMG-Mitarbeitenden die Kündigung erhalten. Was die Mannschaft allerdings dann an den Tag gelegt habe, sei als außergewöhnlich zu bezeichnen, sagt Schulte.

Monat für Monat hätten die Mitarbeiter die Ausbringung bei extrem guter Qualität gesteigert. "Ich ziehe meinen Hut vor so viel Loyalität und extrem guter Leistung in einer solchen Situation", so der Geschäftsführer, der leider nicht zum ersten Mal ein Unternehmen in der Ausproduktionsphase bis zur Schließung begleitet.


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"Es gab Woche für Woche sehr viel Lob von allen Seiten für das, was die Mitarbeiter seit Bekanntwerden des endgültigen Aus geschafft haben", berichtet Schulte weiter. Nur ein neuer Käufer sei leider nicht aufgetaucht. Jetzt werden die Maschinen und das Inventar sowie die Immobilie an einen Verwerter verkauft und die Gesellschaft abgewickelt. Das Geld fließt den Kreditgebern, den Gläubigern und dem Sozialplan zu.

Drei Monate mehr

"Bei aller Traurigkeit sehe ich auch Licht am Ende des Tunnels", sagt die zuversichtliche Betriebsratsvorsitzende. Ursprünglich war geplant, das Unternehmen Ende März zu schließen. Jedoch konnten nicht alle Kunden neue Lieferanten finden, sodass die Ausproduktion um drei Monate verlängert wurde.


Entlassungen bei PMG: Arbeitsagenturleiterin macht Mut


Die Lockerungen der Corona-Beschränkungen in diesem Frühjahr und die damit verbundene kräftig anziehende Konjunktur mache es den Mitarbeitenden aktuell leichter, neue Arbeitsplätze zu finden. Etwas mehr als 50 Prozent der bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Beschäftigten der Pressmetall haben laut Stanko mittlerweile einen neuen Job gefunden.

Pressmetall wurde am 20. September 1962 als "PMG Gunzenhausen Galsterer & Co. KG" gegründet. Im Jahr darauf begann das Unternehmen mit der Fertigung von Druckgussteilen.


Zur Geschichte von PMG

Die Automobilindustrie wurde schnell zum Hauptkunden des schnell wachsenden Betriebs. 1978 nahm die Aluminium-Gießerei die Zerspanung als Fertigungsschritt auf. 2002 beschäftigte Pressmetall knapp 550 Mitarbeitende und belieferte mittelständische Unternehmen ebenso wie global operierende Konzerne vorwiegend aus der Automobilbranche. Um die vorhandenen Kapazitäten zu erweitern, wurde 2004 am Standort Gunzenhausen eine neue, hochmodern ausgestattete Gießereihalle gebaut.

Die Wirtschaftskrise von 2008/2009 zog die gesamte deutsche Gießerei-Branche in Mitleidenschaft, auch Pressmetall war davon betroffen. Im Juni 2012 übernahm die "GDC German Die Casting GmbH" 100 Prozent der Anteile der PMG. Nach der Übernahme der "Druckguss Hoym GmbH" im April 2013 wurden beide Unternehmen in die "pressmetall" überführt.

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