Sonntag, 11.04.2021

|

Hochwasser in der Region: Dauerregen überflutet Franken

Wege in Nürnberg gesperrt, Rekord-Hochwasser an der Schwabach - 29.01.2021 16:57 Uhr

Alle paar Jahre geht nichts mehr, wenn die Straße zwischen den Fürther Ortsteilen Vach und Stadeln von der Regnitz überschwemmt wird. An diesem Wochenende könnte es wieder so weit sein.

03.06.2016 © Michael Müller


Obwohl es am Freitag beständig regnet, bekommt man in Nürnberg noch nicht viel mit vom bevorstehenden Hochwasser. Und doch ist der Pegel der Pegnitz am Lederersteg am Freitagnachmittag bereits auf mehr als 275 Zentimeter angestiegen - am Donnerstagmorgen lag er noch bei 182 Zentimetern.

Bilderstrecke zum Thema

Regen und Schneeschmelze überfluten Franken

Steigende Temperaturen, Schneeschmelze und immer wieder Regen - die Folge dieser Kombination ist vielerorts Hochwasser. Auch in Franken stiegen in den letzten Stunden die Pegel rasant an.


Und es ist bereits sicher, dass der Pegel weiter steigt. Der Hochwassernachrichtendienst des Landesamtes für Umwelt prognostiziert, dass die Pegnitz bis Mitternacht auf 300 Zentimeter anschwellen wird, bis Sonntagfrüh soll sie sogar auf 320 Zentimeter ansteigen.


Rekord-Hochwasser: Wie sicher wäre Nürnberg heute?


Dramatisch ist das zwar noch nicht, aber es bringt bereits etliche Einschränkungen mit sich. Heftiger wird es allerdings erst allmählich, wenn die dritte Meldestufe überschritten wird, die bei 380 Zentimetern liegt.

Was bedeutet das Hochwasser für Nürnberg?

Aber auch jetzt werden bereits Wege gesperrt. Zur Veranschaulichung: Ab 275 Zentimetern werden Teilabschnitte des Pegnitzradweges zwischen Großweidenmühlweg und Schniegling gesperrt, ab 295 Zentimetern die Rad- und Fußwege im Bereich des Unteren Wöhrder Sees. Ab 305 Zentimetern ist auch der Pegnitzradweg zwischen Großweidenmühlweg und Fuchslochsteg dicht.

Bilderstrecke zum Thema

Katastrophe in Nürnberg: Das Jahrhundert-Hochwasser von 1909

In der Nacht von 5. auf 6. Februar 1909 stieg das Wasser der Pegnitz innerhalb von zwei Stunden über zwei Meter an und erreichte den bislang unerreichten Höchststand von 4,67 Meter an der Museumsbrücke. Sehen Sie hier eine Auswahl an raren Bildern.


Ab 335 Zentimetern (das droht am Sonntag) wird dann schließlich sogar die Adolf-Braun-Straße zwischen Muggenhof und Schniegling gesperrt, der Pegnitzradweg kann zwischen Großweidenmühlstraße und Fürth nicht mehr befahren werden.

Auch die Regnitz steigt bereits rasant an. Bei Erlangen wird sie noch am Freitagnachmittag die zweite Meldestufe überschreiten. Im Laufe des Samstags soll sie an einem Wasserstand von knapp 380 Zentimetern kratzen. Zum Vergleich: Am Donnerstagnachmittag floss das Wasser am Messpegel Hüttendorf gerade mal 194 Zentimeter hoch.

Was kommt in Erlangen?

Bereits ab 380 Zentimeter werden die Verbindungswege im Regnitztal zwischen Eltersdorf und Frauenaurach überflutet. Heftigeres Hochwasser droht im Raum Erlangen aber vor allem durch die Schwabach. Am Pegel Büg bei Eckental wurde bereits die vierte Meldestufe erreicht.

Und mehr noch: Am Nachmittag lag der Wasserstand bei 389 Zentimetern. Damit wäre man auf einer Stufe mit dem fünfhöchsten Hochwasser an diesem Punkt seit Beginn der Aufzeichnungen. Dieses Ereignis datiert auf den 23. Dezember 1967. Den höchsten Wert überhaupt verzeichnete man am 20. Juli 2011 mit 409 Zentimetern.


Das hat Baiersdorf aus der Flut-Katastrophe gelernt


Besonders heftig ist die Entwicklung auch an der Schwarzach, wo in Rasch und Wendelstein bereits die dritte Meldestufe überschritten wurde. Hier kommt auch viel Wasser durch schmelzenden Schnee hinzu. Ausuferungen gibt es in Wendelstein bereits bei einem Wasserstand von 420 Zentimetern. Freitagnachmittag liegt er bereits bei mehr als 465 Zentimetern.

Bilderstrecke zum Thema

Boote auf der Autobahn: Das Hochwasser 2007 bei Baiersdorf

Sintflutartige Regenfälle haben im Juli 2007 in der Region ein Menschenleben und mindestens zehn Verletzte gefordert sowie Sachschäden in Millionenhöhe angerichtet. In den Landkreisen Forchheim und Erlangen-Höchstadt wurde Katastrophenalarm ausgelöst.


An der Altmühl wurde in Aha bei Gunzenhausen bereits ein Pegel von 270 Zentimetern erreicht. Das heißt: Es wird nun Wasser in den Altmühlsee und von dort dann in den Brombachsee geleitet. Größere Altmühl-Hochwasser können so verhindert werden.

In beiden Seen ist noch sehr viel Platz, um Hochwasser aufzufangen.
Die Seen wurden ja eigens dafür konstruiert, die Freizeit-Nutzung war ursprünglich zweitrangig. Gleichzeitig freuen sich die Touristiker über jedes Winter-Hochwasser, dass die Badeseen vor der Saison gut füllt.

Aisch und Wiesent treten über die Ufer

Auch die Aisch hat an der Laufermühle bereits die Meldestufe zwei erreicht (Wasserstand von 430 Zentimetern). Bis Samstag soll sie dort bis nahe der Meldestufe drei, die bei 480 Zentimetern liegt, anschwellen.
Die Wiesent bei Muggendorf soll bis Mitternacht die Meldestufe drei überschreiten. Diese liegt bei 240 Zentimetern. Bereits bei einem Wasserstand von 230 Zentimetern wird zum Beispiel die Wiesentbrücke in Wiesenttal gesperrt.

Bilderstrecke zum Thema

Die Altmühl - vom monotonen Kanal zum renaturierten Fluss

Spektakuläre Bilder von damals und heute zeigen, wie die Altmühl vor 100 Jahren radikal begradigt und in ein monotones Kanalbett gezwängt wurde - und wie man sie nun wieder renaturiert hat.


9

9 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg, Erlangen, Eckental