Dienstag, 20.10.2020

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Symbolische Menschenkette bei Schaeffler in Höchstadt

Rund 700 Beschäftigte kämpfen weiter für ihren Arbeitsplatz - 15.10.2020 16:13 Uhr

Symbolisch am Höchstadter Schaeffler-Werk festhalten: Rund 700 Beschäftigte bildeten im Anschluss an ihre Betriebsversammlung am Donnerstagnachmittag eine Menschenkette, die alle Firmengebäude umspannte.

© Foto: Hans von Draminski


Betriebsratsvorsitzender Roland Holler forderte sie auf, im wahrsten Wortsinn "am Werk festzuhalten" und eine Menschenkette rund um die Gebäude der Höchstadter Niederlassung zu bilden – so dicht, wie in Corona-Zeiten das Abstandsgebot zulässt.

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Es geht um 1211 Arbeitsplätze: Am Nordtor beim Automobilzulieferer Schaeffler in Herzogenaurach trafen sich rund 250 Mitarbeiter zur Kundgebung gegen den geplanten Stellenabbau. Ans Mikrofon traten neben Vertretern des Betriebsrats und der Gewerkschaften auch die Bundestagsabgeordneten Martina Stamm-Fibich und Uli Grötsch (beide SPD).


Bei seiner Ansprache im Rahmen einer Betriebsversammlung, die seit September nur sporadisch unterbrochen, aber nicht für beendet erklärt wird, betonte Holler vor seinen Kolleginnen und Kollegen, dass die Arbeitgeberseite sich bislang nicht bewegt habe, die Schaeffler-Belegschaft also nach dem jetzigen Stand der Dinge den Arbeitskampf fortsetzen müsse: Streikmaßnahmen werden also mittelfristig immer wahrscheinlicher.

Wirtschaftsinstitut prüft die Lage bei Schaeffler

Derzeit werde, so Holler und IG-Metall-Bevollmächtigter Martin Feder annähernd unisono, ein Vier-Phasen-Modell verfolgt. Aktuell befinde man sich noch in der sogenannten Informationsphase, in der unter anderem ein Wirtschaftsinstitut die aktuelle Lage bei Schaeffler analysiere. Auch eine Rechtsanwaltskanzlei wurde von den Gewerkschaftern inzwischen eingeschaltet.

Anschließend Verhandlungen mit dem Vorstand

Nach der Bewertung der Ergebnisse in Phase II werde man in Verhandlungen mit dem Schaeffler-Vorstand eintreten; hier geht es unter anderem um den Interessenausgleich und auch um einen Sozialplan für jene, die vom Stellenabbau betroffen sind. Probleme sieht Betriebsratsvorsitzender Holler jetzt schon, wenn der Werkzeugbau des Schaeffler-Konzerns wie von der Firmenleitung geplant nach Höchstadt verlagert wird. Dann müsse nicht nur die Ausbildung für den Schaeffler-Nachwuchs verändert, sondern es müssten auch Umqualifizierungsmaßnahmen für Teile des Stammpersonals eingeleitet werden.

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Die Brüder Wilhelm und Georg Schaeffler gründeten ihr Unternehmen 1946 in Herzogenaurach. Heute hat der Konzern weltweit 90.000 Beschäftigte an rund 170 Standorten. Ein Streifzug durch die Firmengeschichte mit Höhen und Tiefen.


Kämpferisch gab sich Gewerkschafter Martin Feder, der das Schreckgespenst einer "Rente mit 75" beschwor und die rhetorisch gemeinte Frage stellte, was eigentlich die Arbeitgeberseite für die Bewältigung der Krise geleistet habe.

Personalverlagerungs-Pläne eingefroren

Das weitere Vorgehen steht in groben Zügen schon fest: Nachdem der Schaeffler-Vorstand in dieser Woche ein Moratorium beschlossen hat, das die Personalverlagerungs-Pläne bis zum 28. Februar 2021 einfriert, soll es im November einen Runden Tisch in der Fortuna-Kulturfabrik mit Arbeitgebern, Politik und Gewerkschafts-Vertretern beziehungsweise Schaeffler-Betriebsrat geben.

Roland Holler kündigt außerdem an, dass man unter dem Arbeitstitel "Aisch in Flammen" für den November eine weitere große Aktion plant. Außerdem soll es eine Messe der Kirchengemeinden geben.

HANS VON DRAMINSKI

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