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Kaum Beihilfen: Brauer stecken im historischen Bier-Tief

Gerade für viele kleine Betriebe ist die Lage inzwischen dramatisch - 02.02.2021 06:00 Uhr

Der Bier-Absatz ist seit Jahren rückläufig. Doch die Corona-Krise hat den Umsatz auf ein historisches Tief gedrückt. 

27.01.2021 © Christophe Gateau, dpa


Gute Nachrichten sind seit Monaten rar. Doch jetzt hat Oswald Kundmüller gleich drei davon bekommen.

Nachdem er und seine Mitarbeiter mit der gleichnamigen Brauerei in Viereth-Trunstadt im letzten Jahr den Titel "Craft Brauer des Jahres 2020" geholt hat, wurden jetzt die Biere Weiherer Lager, Weiherer Pils und Weiherer Grünhopfen-Pils beim "Meininger's International Craft Beer Award" als einem der renommiertesten Bier-Wettbewerbe weltweit mit Gold und Silber ausgezeichnet.

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Historisches Absatzminus

Deutlich unschöner sind die Zahlen, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden jetzt veröffentlich hat. Demnach wurden im vergangenen Jahr in ganz Deutschland mit 8,7 Milliarden Litern 5,5 Prozent weniger Bier abgesetzt, als 2019.


Brauereien leiden: Bierkonsum sinkt auf Niveau der 50er Jahre


Das ist der niedrigste Wert seit der Neufassung des Biersteuergesetzes im Jahr 1993.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Zwar ist der Bierkonsum seit Jahren rückläufig. Aber die Corona-Krise mit den abgesagten Festen und Großveranstaltungen, der geschlossenen Gastronomie haben erwartungsgemäß tiefe Bremsspuren hinterlassen.

Viel Flaschenbier

Davon bleibt auch Oswald Kundmüller nicht verschont, wobei er sich nicht beschweren will. Bezogen auf den Bierabsatz sei man bisher mit einem "hellblauen Auge" davongekommen.

Das hänge vor allem damit zusammen, dass ihre Biere meistens in der Flasche verkauft werden. Der Fassanteil liege nur bei rund zehn Prozent, so Kundmüller.

Schmerzhaft sei aber dennoch die Tatsache, dass Gasthof und Gasthaus geschlossen bleiben müssen und es trotz der weiterlaufenden Kosten keinerlei Corona-Beihilfen gibt.

Bier aus Franken gesucht: Quizrunde Nr. 2

© Montage: Sabine Schmid

Erkennen Sie fränkische Landbiere am Wappen? Machen Sie den Test!

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Frage 1/10:

Hier sitzt es sich gut. Ein Prost auf welche Brauerei?

Die Brauerei Schleicher ist in der Gemeinde Itzgrund daheim, eingebettet in eine Hügellandschaft, links und rechts des Flüsschens Itz, zwischen Bamberg und Coburg. 1880 von Andreas Schleicher gegründet, hat sich die Brauerei in den vergangenen Jahren auch einen Namen für Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung gemacht und ist inzwischen Forschungsstelle für Malz und innovative Getränke. So gibt es beispielsweise auch ein glutenfreies Demeter-Bier im Sortiment, das Schleicher "Natural". Aber warum ein Storchen-Pils? Ganz einfach: Seit vielen Jahren lebt und nistet auf dem Dach der Brauerei ein Storchenpaar, das inzwischen weit über Itzgrund bekannt ist.

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Frage 2/10:

Ritter mit Flügeln: Wer braut denn den?

Die Brauerei Gradl befindet sich in Leups, nördlich von Pegnitz, im Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. Seit 1683 im Familienbesitz, wird hier vor allem das eher dunkle Leupser Bier nach altem Rezept gebraut. Ein Pils gibt es auch, im Mai und zu Weihnachten wird auch ein kräftiger Bock ausgeschenkt.

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Frage 3/10:

Tierisch gut: Wer steckt hinter diesem Verschluss?

Exakt im Jahr 1900 begannen Josef und Maria Reh in Lohndorf, im Ellertal östlich von Bamberg, eine Metzgerei und einen Flaschenbierhandel zu führen. Ein Jahr später bauten sie schon ein Brauhaus, das Bier lagerten sie in einem nahen Felsenkeller am Waldrand. Gut 120 Jahre später wird hier in der vierten Generation erfolgreich gebraut, mit Bergquellwasser aus dem Ellertal.

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Frage 4/10:

Ein Hauch von Afrika: Wer kennt's?

Keller, Lager, Vollbier, Pils: Die Buttenheimer Löwenbräu ist ein Familienunternehmen, das seit 1880 von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

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Frage 5/10:

Ein stolzes Wappen! Wer braut hier seit 1467?

In Zentbechhofen (Höchstadt) wird seit über 550 Jahren gebraut. Vollbier, Landbier, Kellerbier, Hell und Hefeweizen hat Braumeister Timo Baier im Angebot.

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Frage 6/10:

Was sprudelt vor dieser Wehrmauer?

Ein Bier aus Altmühlfranken: Die Brauerei Ritter St. Georg ist in Nennslingen daheim, wenige Kilometer östlich von Weißenburg. Hopfen und Malz stammen aus der Region, das Wasser aus den Tiefen des Jura und der Fränkischen Alb. 1654 gründete der Bierbrauer Georg Engelhardt die Brauerei, 1778 kaufte sie ein Johann Daniel Gloßner, seitdem ist sie im Familienbesitz der Gloßners.

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Frage 7/10:

Seit 1678 an der Quelle: Wer ist's?

Oberlaleida-Obaladara! Eine Brauerei und eine Schankwirtschaft gibt es seit 1687 im Oberleinleitertal bei Heiligenstadt. Die Familie Ott übernahm 1822 das Anwesen Oberleinleiter Nr. 6, und schenkt dort unter anderem auch das süffige "Obaladara" aus. Bergquellwasser, Malzschrot, Hopfen und eine ganz leichte Karamelnote - das passt!

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Frage 8/10:

Hopfen, Malz und Brauwerkzeug: Wer ist's?

Nicht nur Wanderfreunde in der Fränkischen schätzen das "Hetzelsdorfer": Im Gasthaus Penning-Zeißler gegenüber der St. Matthäus-Kirche kehrt man meist länger ein als nur für eine Verschnaufpause. Das liegt auch am süffigen, dunkel-würzigen Bier, das hier in der Privatbrauerei Penning-Zeißler gebraut wird.

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Frage 9/10:

Ein Bier mit Aussicht: Welches ist's?

Die 1872 gegründete Privatbrauerei Schübel liegt im Herzen von Stadtsteinach im Landkreis Kulmbach, südlich der auf dem Verschluss abgebildeten Burgruine Nordeck. In der inzwischen schon fünften Generation wird das Familienunternehmen von Jürgen Münch und Andrea Schübel-Münch geleitet. Insbesondere das "A fränkisch" und das "Drachenseidla" sind auch im Raum Nürnberg keine Unbekannten mehr. Letzteres, ein unfiltriertes Kellerbier, wurde ursprünglich für den Georgimarkt in Presseck gebraut, wenn die Gemeinde im Zeichen des Drachen feiert.

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Frage 10/10:

Zwei gekrönte Löwen - und welche Brauerei?

Im wunderschönen Ahorntal, am Tor der Fränkischen Schweiz zu Bayreuth, begann im Jahr 1866 der Landwirt Bernhard Stöckel mit dem Bierbrauen - und das mit anhaltendem Erfolg. Die Stöckels integrierten über Jahrzehnte die Brauerei mit viel Erfindergeist in den Bauernhof in Hintergereuth, der heutige Brauereichef Georg Stöckel schenkt vor allem Pils, Helles Lager, Landbier und Premium Weisse aus.

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Lust auf Brauerei-Quiz, Runde 1?

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Keine Corona-Hilfe

Denn weil solche Betriebe als Mischbetriebe gelten, die nicht nur mit der Gastronomie Umsätze machen, fallen sie bei der November- und Dezemberhilfe durch das Raster. Das sei vor allem mit Blick auf die Mitarbeiter schlimm, sagt Kundmüller.

Sie müssen nicht nur mit der Kurzarbeit kämpfen, sondern hätten zusätzlich hohe Einnahmenverluste zu verkraften, weil das Trinkgeld fehlt. "Ihnen würde ich gerne etwas helfen", so Kundmüller.


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Von einer "beschissenen Situation" spricht auch Mike Schmitt als Inhaber des Handwerksbetriebs "Nikl-Bräu" in Pretzfeld.

Bei ihm ist der Faßbieranteil sehr hoch, etwa 40 Prozent des Jahresabsatzes wird in normalen Zeiten damit gemacht. "Das ist komplett weg", so Schmitt.

Besserung nicht in Sicht

Und auch für 2021 rechnet er nicht mit einer Verbesserung, wo jetzt schon die ersten Feste wegen der Pandemie abgesagt werden.

Auch er hat eine Gastwirtschaft neben dem Sudkessel, auch er kann nicht verstehen, dass es mit einem solchen Mischbetrieb keine staatlichen Hilfen gibt.

Er sei der letzte, der etwas gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sagen würde, so Schmitt. Aber vielen Betrieben würde einfach die finanzielle Grundlage weggezogen und Monate ohne Einkünfte seien auf Dauer nicht zu verkraften.

Bedrohliche Situation

Von einer bedrohlichen Situation spricht auch Georg Rittmayer. Mitinhaber der gleichnamigen Brauerei in Hallerndorf und Präsident der privaten Brauereien Bayern.

Der erste Lockdown sei nocht verkraftbar gewesen, weil die Betriebe viel über den Absatz von Flaschenbier ausgleichen konnten.

Doch all die weggefallenen Volksfeste und Kirchweihen hätten dann ein Loch gerissen, das "den Mittelständlern richtig weh" tue.

Fehlende Perspektive

Einige Betriebe, zumal wenn sie "sehr fassbierlastig sind", werden Rittmayers Einschätzung nach nicht überleben. So gehen Ende März bei der mittelfränkischen Hauff-Bräu mit ihrer 532-jährigen Tradition die Lichter aus, weil die Umsätze weggebrochen waren.

Bei vielen Brauern "sind die Reserven jetzt langsam aber sicher aufgebraucht", so Rittmayer. "Mehr als zwei Monate reichen die Rücklagen nicht mehr."

Doch auch wenn sich die Pandemielage entspannen sollte, rechnet Rittmayer nicht mit einer Erholung. Zwei bis drei Prozent weniger Bierabsatz werden es seiner Einschätzung nach auch 2021 sein.

Auch deshalb würde er weiterhin um Corona-Hilfen durch den Freistaat kämpfen. "Wir sind ständig dran."


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