Mittwoch, 01.04.2020

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Drohbriefe mit echter Munition: Polizei hat Verdächtige gefasst

"Ihr werdet niemals sicher sein": In Umschlägen steckte echte Patrone - 20.03.2020 11:19 Uhr

Die Polizei machte am Freitag zunächst keinen Angaben, ob die Tat einen ausländerfeindlichen Hintergrund hat. Weitere Informationen sollen jedoch auf einer Pressekonferenz um 15 Uhr verkündet werden. Die Fälle hatten die Beamten bereits seit dem letzten Jahr beschäftigt.

Zum Hintergrund:

"Ihr werdet niemals sicher sein!": Das ist der Wortlaut des Schreibens, das Ditib Röthenbach auf seiner Facebook-Seite dokumentiert. Es habe sich am 5. März im Briefkasten der Moschee am Bahnhofsplatz befunden. Fotos zeigen einen blauen Umschlag, eine Karte mit einem Schweinemotiv darauf und die darin befindliche Patrone.

Der Vorfall wurde noch am Donnerstag bei der Polizei in Lauf angezeigt, Ermittlungen wurden eingeleitet. "Wir erwarten von den zuständigen Behörden, dass solche Fälle aufgeklärt und die Verdächtigen gefasst und bestraft werden", heißt es in der Pressemitteilung der Türkisch-Islamischen Gemeinde. Das Kommissariat für Staatsschutz der Kriminalpolizei Schwabach arbeite an der Überprüfung des Briefes, so ein Sprecher der Polizei. Bei der kriminaltechnischen Untersuchung wird der Brief zum Beispiel auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren überprüft.

Echte Munition

"Das war echte Munition. Das deutet also stark darauf hin, dass das nicht nur ein schlechter Scherz war. Echte Munition kann nicht jeder besitzen, das ist auch wichtig für die Ermittlung", betont der Polizeisprecher. Der Brief sei regulär mit der Post verschickt worden und über das Briefzentrum 90 in Nürnberg-Langwasser gelaufen. "Das ist aber letztendlich bei den meisten Briefen in der Region der Fall", sagt der Polizeisprecher.

Seit Dezember 2019 ermitteln die Beamten des polizeilichen Staatsschutzes in Schwabach in mehreren ähnlich gelagerten Fällen. Entsprechende Drohbriefe, denen teilweise Patronen beilagen, waren hier an Personen des regionalen politischen Lebens versandt worden. Auch diesen Schreiben lagen teilweise Patronen bei, bei denen es sich bislang jeweils um echte Munition handelte. Die Beamten arbeiten nach eigenen Angaben intensiv an der Aufklärung der Fälle.


Mit Patrone: Linker Drohbrief gegen fränkischen Politiker


Seit dem Anschlag in Hanau sei außerdem die Polizeipräsenz in der Umgebung von Moscheen erhöht worden, Streifeneinheiten der zuständigen Polizeidienststelle Lauf seien dementsprechend bereits verstärkt im Einsatz.

In den sozialen Netzwerken kursieren derweil Gerüchte, dass in letzter Zeit auch an anderer Stelle ähnliche Drohbriefe eingegangen sind. "Wir überprüfen solche Hinweise", versichert die Polizei.

Welle der Solidarität

In den sozialen Medien rief die Veröffentlichung eine Welle der Solidarität hervor. Norbert Dünkel, CSU-Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Nürnberger Land, äußerte sich wie folgt: "Wir sind ein demokratischer Rechtsstaat. Wir werden mit allen Mitteln auf solche Aktionen reagieren."

Auf "Hass, Hetze, Diffamierungen" folge jetzt der nächste Schritt, so Klaus Hacker, der Röthenbacher Bürgermeister, "die Grenze ist schon lange überschritten". Er sei stolz darauf, dass Röthenbach "bunt, offen, transparent, demokratisch" sei. "Jetzt gilt mehr als bisher: für ein friedliches Miteinander in einer offenen Gesellschaft", so der FW-Politiker in einer Erklärung am Freitagmorgen.

Die Bunte Liste Nürnberger Land veröffentlichte ebenfalls ein Statement: "Wir sind entsetzt und unendlich wütend sowie fassungslos. Und dennoch fehlen uns nicht die Worte. Wir werden niemals über solche Untaten schweigen. Wir werden uns wehren. Als Demokraten. Parteiübergreifend."

Die Türkisch-Islamische Gemeinde Röthenbach hat nach eigenen Angaben rund 430 Mitglieder. Insgesamt leben in der Pegnitzstadt rund 1300 Muslime. Das sind etwa zehn Prozent der Einwohner. Erst vor ein paar Tagen fand in der Moschee eine Gedenkfeier für die zehn Opfer des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau statt.

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Die Initiative "Das Schweigen durchbrechen" hat am Samstagnachmittag bei einer Kundgebung mit anschließendem Lauf durch die Südstadt rund 600 Demonstranten versammelt. Der Tross zog nach dem Auftakt am Aufseßplatz durch die Wölckern-, Allersberger- und Scheurlstraße bis zum Willy-Brandt-Platz. Die Solidaritätsveranstaltung galt den Opfern von Hanau. Ein 43-Jähriger hatte dort neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen und im Anschluss sich und seine Mutter getötet.


Dieser Artikel wurde um 14.34 Uhr aktualisiert.

Andreas Sichelstiel, amh, msm, vek

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