Sonntag, 28.02.2021

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Polizisten verletzt: Lage eskaliert nach Corona-Demonstration in Lauf

Ein Beamter konnte Dienst nach Auseinandersetzung nicht fortsetzen - 23.01.2021 17:17 Uhr

Wie zuletzt regelmäßig freitags hatten sich auch gestern rund 40 Demo-Teilnehmer auf dem Oberen Marktplatz zu einem "Lichterzug" versammelt. Nach dem Ende der Versammlung kontrollierten Polizisten eine 52-jährige Frau, die nach Schilderung eines Polizeisprechers den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz nicht trug. Die Frau habe sich unkooperativ verhalten, ihr mitgeführtes Attest habe "Zweifel über dessen Richtigkeit" erweckt.

Etwa 20 Personen hätten sich daraufhin mit der Frau solidarisiert, sie dazu aufgefordert, sich zu widersetzen, so die Darstellung der Beamten. Ein Video, das noch am selben Abend in den sozialen Netzwerken kursierte, zeigt vermutlich die kurz darauf folgende Situation: Die eingesetzten Polizisten schieben mehrere der Umstehenden von sich weg, ehe sie ein Mann schließlich körperlich angreift. Dabei soll es sich um einen 39-Jährigen handeln.

Fußtritte gegen Polizisten

"Den Polizisten gelang es nur unter erheblichem Kraftaufwand, den renitenten Mann zu überwältigen und ihm Handfesseln anzulegen", so das Präsidium noch in der Nacht auf Samstag. Der 39-Jährige habe mit seinen Füßen getreten.


Corona-Demos in Franken: Was bringen die Verbote?


Auf dem Video ist auch ein Beamter zu sehen, der einen Schlagstock erhoben hat und so Demonstranten auf Abstand hält.

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Sie wollten in Nürnberg demonstrieren, doch die Stadt untersagte den Protest - auch in Stein blitzten Kritiker der Pandemie-Maßnahmen ab. Am Sonntag schlugen mehrere Dutzend Menschen in Fürth auf. Die Polizei löste die "verbotene Ansammlung auf", wie das Präsidium Mittelfranken mitteilt. Es habe mehrere Anzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz gegeben.


Unter anderem Einheiten der Bereitschaftspolizei kamen zur Unterstützung ihrer Kollegen hinzu. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich bereits an die 25 Personen gegen die Beamten solidarisiert. Ihre Identität wurde festgestellt.


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Auf Facebook berichten Augenzeugen, sie seien "eingekesselt" worden, man habe ihnen die Mobiltelefone abgenommen. Tatsächlich heißt es vom Nürnberger Polizeipräsidium, dass Handys sichergestellt worden seien, "etliche Personen hatten den Polizeieinsatz zuvor mitgefilmt" – das allein ist allerdings im Grundsatz zulässig.

Der 39-Jährige muss sich wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung verantworten. Die 52-jährige Frau erwartet eine Strafanzeige wegen der Benutzung unrichtiger Gesundheitszeugnisse. Einen 49-jährigen Mann, der einem mehrfach erteiltem Platzverweis nicht nachkam, nahm die Polizei vorübergehend in Gewahrsam. Gegen die Beteiligten wird außerdem wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs ermittelt.

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Einer der drei verletzten Beamten begab sich im Anschluss an den Einsatz zur ärztlichen Behandlung ins Krankenhaus. Er konnte seinen Dienst nicht mehr fortsetzen.

Andreas Sichelstiel

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