Mieses Zeugnis: 82 Prozent aller Radler in Nürnberg fühlen sich nicht sicher

Rurik Schnackig

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28.3.2021, 05:55 Uhr
Noch viel zu tun: Der ADFC-Vorsitzende von Nürnberg und Umgebung, Markus Stipp, auf der Bayreuther Straße.

Noch viel zu tun: Der ADFC-Vorsitzende von Nürnberg und Umgebung, Markus Stipp, auf der Bayreuther Straße. © Ludwig Eble

Alle zwei Jahre will der ADFC es ganz genau wissen. Mit dem "Fahrradklima-Test" soll eine Bestandsaufnahme über die Situation der Radfahrer einer Stadt erfolgen. 2171 Radfreunde aus Nürnberg haben sich im vergangenen Jahr daran beteiligt und einen Katalog mit 27 Fragen beantwortet. Die Ergebnisse liegen nun vor.

Um es vorwegzunehmen: Nürnberg hat sich bei den Großstädten gerade noch so einen 10. Platz sichern können und bleibt damit relativ konstant zu den Vorjahren. Als rühmliche Position aber kann man das kaum bezeichnen. Denn trotz der Aufstockung des Radwege-Etats, trotz neuer Abmarkierungen fühlen sich die Nürnberger nicht sicher im Sattel. 82 Prozent der Radler gaben das bei der Umfrage an. Noch mehr, 85 Prozent der Befragten, werden zudem beim Fahren im gemischten Verkehr bedrängt, geschnitten und ausgebremst.

Wege zu schmal

Radfahren in Nürnberg scheint Stress zu sein - und so bestätigen es auch 65 Prozent der Radler. 72 Prozent fühlen sich auf dem Rad nicht als Verkehrsteilnehmende akzeptiert und sogar 90 Prozent empfinden die örtlichen Radwege als zu schmal. Immer wieder Absteigen und schieben, das ärgert 88 Prozent der Befragten bei Radwegeführung an Baustellen. Dass Falschparker auf den Radwegen parken dürfen, ohne dass sie Strafen fürchten müssen - 92 Prozent der Nürnberger Radfahrenden sind dieser Auffassung.

"Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse"

"Der Fahrradklimatest 2020 machte leider auch dieses Mal wieder deutlich, dass viele Radfahrer in Nürnberg zunehmend frustriert sind und sich als Verkehrsteilnehmende zweiter Klasse fühlen", sagt Markus Stipp, Vorsitzender des ADFC Nürnberg und Umgebung. Wenn es auch punktuell Verbesserungen gebe - "an neuralgischen Stellen wie der Bayreuther oder der Fürther Straße ist seit Jahren keine Verbesserung für die Radfahrenden zu sehen.", sagt Stipp.

Auf der Mängelliste der Befragten stehen außerdem "schlechte Oberflächen der Radwege", "zu wenig Abstellplätze" und eine "unvorteilhafte Ampelschaltung" für Nürnbergs Radler.

Lob für frei gegebene Einbahnstraßen

Bei aller Kritik gab es doch auch Lob. Etwa für die Einbahnstraßen, die für den Radverkehr freigegeben wurden: 67 Prozent schätzen dies. Auch das Angebot an öffentlichen Fahrrädern (VAG-Rad) sei nach Ansicht von 75 Prozent der Befragten gut. 62 Prozent der Radfahrer finden, dass das Stadtzentrum gut mit dem Rad zu erreichen ist.

Die Bedeutung des Radverkehrs ist während der Coronazeit gestiegen - dieser Meinung sind 69 Prozent. Deshalb hätten die Kommunalpolitiker das Rad auch mehr thematisieren sollen (59 Prozent). Dabei hat Nürnberg als Reaktion auf vermehrten Radverkehr im Zuge der Pandemie einen Popup-Radweg errichtet.

Bremen auf Platz 1

Mit seiner Gesamtbewertung belegt Nürnberg deutschlandweit Platz 10 von 14 in der Kategorie von Städten über 500.000 Einwohner. Bremen fährt mit dem 1. Platz allen davon. Am frustriertesten sind die Fahrradfahrer in Köln, die ihre Stadt zum Schlusslicht werden ließen.


Das hilft gegen Fahrrad-Klau


Der ADFC-Fahrradklima-Test gilt als die größte Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt. Zwischen September und November 2020 konnten Radfahrer ihre Meinung zum Fahrradklima in ihrer Stadt abgeben.

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