Neumarkter Box-Legende wird am Bankl verewigt

5.7.2017, 16:00 Uhr
Die Neumarkter Box-Urgesteine mit OB Thomas Thumann auf dem „Walter-Totzauer-Bankl“.

Die Neumarkter Box-Urgesteine mit OB Thomas Thumann auf dem „Walter-Totzauer-Bankl“. © Hubert Bösl

Josef "Peppi" Münch, einer jener Kameraden aus der goldenen Neumarkter Box-Ära in den 60er und 70er Jahren, kommt jeden Tag auf dem Weg zu Arbeit an der nun freigeräumten Ecke an der Weiherstraße vorbei. Und muss unweigerlich an Walter Totzauer denken, der dort jahrelang zum "Inventar" gehörte: das Obsthäusel, davor die Bank und darauf, am liebsten in der Sonne, der frühere Halbprofi und spätere Chefcoach der ASV-Boxstaffel, der wenige Meter weiter neben dem Klostertor wohnte.

"Da hab ich mir gedacht, wir könnten an der Bank doch was anbringen, das an den Walter erinnert", erzählt Münch. Da waren die anderen Neumarkter Boxurgesteine – Horst Winterling, Erwin Vögerl, Uli Fischer, Alfred "Waco" Hoffmann, Johann Geier – gleich dabei; und auch die folgende Box-Generation mit den Totzauer-Schülern Bülent Atlas, Wolfgang Kamm, Jürgen Wiegratz und Wolfgang Seifriedsberger.

Zusammen stifteten sie eine Plakette "in memoriam" Walter Totzauers. Und der Bankinhaber, die Stadt Neumarkt, spielte auch mit: OB Thomas Thumann schaute presönlich vorbei, als die alten Kempen gestern das kleine Schild anschraubten.

Walter Totzauer, der von den Boxfans in Neumarkt liebevoll "Boxvater" genannt wurde, war eigentlich Nürnberger und fightete Anfang der 60er als Halbprofi in der Schweiz. Dort traf ihn Horst Winterling erstmals: "Weil seine Frau damals schon in Neumarkt wohnte, habe ich für ihn Botendienste übernommen."

Der Gründungsvater des Neumarkter Boxsports saß bis zum Abriss des Obsthäusels gerne und lange auf der Bank.

Der Gründungsvater des Neumarkter Boxsports saß bis zum Abriss des Obsthäusels gerne und lange auf der Bank. © Berschneider

Irgendwann kam dann Totzauer selbst nach Neumarkt, wo er 1961 im Café Schlanghaufer die treibende Kraft bei der Gründung einer Boxstaffel war. Als Trainer nahm er viele junge Athleten unter seine Fittiche, führte sie zu Erfolgen, stand aber anfangs auch noch selber im Ring. So gewann er etwa 1961 den bayerische Meistertitel. Im Jahr 1975 war Totzauer an der Gründung der DJK-Boxer beteiligt, war auch deren Abteilungsleiter. Danach hob er eine weitere Staffel in Berching aus der Taufe. 1985 kehrte er wieder zum ASV Neumarkt zurück, wo er dann noch bis 1997 coachte.

"Boxen war eben sein Leben", sagt Horst Winterling und gibt ein paar schlagfertige Anekdoten aus jenen Jahren zum Besten. Zum Beispiel wie er mit Totzauer und Fischer bei einem Kampf in Amberg zuschaute, alle drei aus dem Publikum heraus für die Amberger Mannschaft rekrutiert wurden und der Walter, der glänzende Techniker mit großem Schlagrepertoire, seinen US-amerikanischen Gegner krachend auf die Bretter schickte.

 

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