600 Jahre Geschichte: Nürnbergs Bratwursthäusle vor dem Aus

20.11.2019, 06:05 Uhr
Gerade im Winter ist das Bratwursthäusle ein warmer Hort, aus dem der Grillduft wabert.

Gerade im Winter ist das Bratwursthäusle ein warmer Hort, aus dem der Grillduft wabert. © Karlheinz Daut

Paukenschlag am Rathausplatz: Im Bratwursthäusle drohen am 31. Dezember die Lichter für immer auszugehen. Dezember die Lichter für immer auszugehen. Laut Informationen von Mitarbeitern, die von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bestätigt werden, räumt Wirt Werner Behringer zum Jahresende das Feld im Bratwursthäusle. Sollte sich bis dahin kein Nachfolger finden, endet nicht nur ein mehr als 55-jähriges Kapitel Nürnberger Wirtshausgeschichte. Auch 42 Frauen und Männer stehen dann auf der Straße.

Dass der Gründer und Senior-Chef nicht allzu lange weitermachen würde, so ein Mitarbeiter der nicht namentlich genannt werden will, "war natürlich allen bewusst." Das habe Werner Behringer selbst auch schon vor einigen Monaten gesagt. Von einer Schließung des Bratwursthäusles sei aber nie die Rede gewesen, betont die Küchen- und Servicekraft.

Leitet die Geschicke im Bratwursthäusle: Werner Behringer.

Leitet die Geschicke im Bratwursthäusle: Werner Behringer. © Edgar Pfrogner

Entsprechend hat die Nachricht die Mitarbeiter eiskalt erwischt, berichtet Laura Schimmel von der NGG Nürnberg-Fürth. Die Gewerkschaftssekretärin hat vergangenen Donnerstag an einem Treffen zwischen Betriebsrat und Unternehmensführung teilgenommen. Dort habe Juniorchef Kai Behringer gesagt: "Es ist vorbei", berichtet Schimmel. Der Gastronom und Sohn von Werner Behringer soll ferner klipp und klar gesagt haben, dass man den zum 31. Dezember auslaufenden Pachtvertrag nicht verlängern könne und dass auch kein Nachfolger in Sicht sei.

Was der Gewerkschafterin sauer aufstößt, ist nicht nur die Tatsache, dass 42 Menschen ihre Jobs zu verlieren drohen, sondern auch die Art und Weise, wie dies kommuniziert wurde — nämlich gar nicht: Keiner habe eine Kündigung erhalten, bestätigt eine langjährige Mitarbeiterin. So wie ihren Kolleginnen, die teils schon seit drei Jahrzehnten im Bratwursthäusle arbeiten, droht ihr bald der Gang zum Arbeitsamt. Denn: "Im Januar finden sie in der Gastronomie kurzfristig keine Arbeit."

Große Verunsicherung

Während sich die NGG für die gesetzlichen Rechte der Mitarbeiter starkmachen will, so Gewerkschaftssekretärin Laura Schimmel, sieht es für neun von ihnen noch düsterer aus: Sie haben nur befristete Verträge, die am 31. Dezember dieses Jahres auslaufen und vom Arbeitgeber nicht verlängert wurden. Allen gemeinsam ist jedoch laut einem Mitarbeiter: "Es herrscht große Verunsicherung bei uns, wie es weitergehen soll." Viel Hoffnung, dass sich kurzfristig ein neuer Pächter findet, mache sich im Augenblick keiner.

Während Tucher Bräu, die Verpächterin der Immobilie, für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht erreichbar war, gibt Noch-Pächter Kai Behringer gern Auskunft. Er habe alles getan, damit seine Mitarbeiter nicht dort stehen, wo sie nun stehen: vor einer ungewissen Zukunft. "Da sind Menschen dabei, mit denen man 25 Jahre täglich zusammengearbeitet hat", sagt Behringer, den das Schicksal seiner Angestellten alles andere als kalt lässt.

"Das tut schon unheimlich weh"

Zunächst, betont er, habe er das Bratwursthäusle, das seine Familie immerhin schon seit 55 Jahren betreibt, unbedingt weiterführen wollen. Doch vor wenigen Wochen habe sich herauskristallisiert, dass sich die Parteien nicht einig werden über die Konditionen einer Vertragsverlängerung. "Das tut schon unheimlich weh nach so langer Zeit", sagt er. Trotzdem habe er der Bitte des Verpächters zugestimmt, den Betrieb über das Vertragsende hinaus einige Monate lange weiterzuführen. Damit sich ein Nachfolger findet, der dann das Personal mit übernimmt, erklärt Kai Behringer. "Das haben wir unseren Mitarbeitern auch so mitgeteilt."

Doch vor wenigen Tagen sei ihm nun schriftlich mitgeteilt worden, dass er das Objekt doch zum 31. Dezember zu räumen habe, "auch wenn sich kein Nachfolger findet", zitiert Behringer die Mail, die ihn völlig unerwartet traf. "Ich kann das absolut nicht verstehen." So sehr ihn der plötzliche Sinneswandel ärgert, versichert er gegenüber der Lokalredaktion aber, dass er immer noch bereit wäre, vorerst weiterzumachen: "Damit ein Übergang ohne Betriebsschließung stattfindet und kein Mitarbeiter seinen Job verliert."

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